Via Comicguide, Ulrich Wick:
Wie einigen vielleicht bekannt ist, hat der BASTEI-Verlag seinen Verlagssitz von Bergisch Gladbach nach Köln verlegt. Am vergangenen Donnerstag war die “Housewarming-Party”, zu der Martin Hilland und ich eingeladen waren und zu der es in der nächsten Klubzeitung der BASTEI-Freunde auch einen Bericht mit Fotos geben wird.
In diesem Zusammenhang wurde das Comic-Archiv komplett in den Schredder befördert. Das heißt, nicht ganz. Alles im Zusammenhang mit SILBERPFEIL habe ich retten können, insbesondere die Druckfilme, denn hier brauche ich ja die Schwarzfilme als Vorlage.
Mehr dazu hier.
Unter heutigen Umständen eine absurde Entscheidung und natürlich eine Tragödie. Zwar betrifft die Vernichtungsaktion in erster Linie dritt- und viertklassiges Material (meist billig preiswert produzierte Comics zu TV-Serien, häufig exklusiv für Bastei hergestelltes Material etwa zu Heidi oder Biene Maja). Aber auch vereinzelte deutschsprachige Ausgaben von Marvel-Comics wie Ghost Rider oder Obskuritäten wie die in Eigenregie nur für Deutschland produzierten Lucky Luke-Comics von Peter Menningen und dem Studio Ortega haben vermutlich dran glauben müssen.
Comichistorisch am interessantesten von allen Bastei-Serien ist vermutlich die Felix-Serie. Die von Pat Sullivan nach der gleichnamigen Trickfilmreihe ab den 1920er Jahren gestalteten Comics gelten als surreale Klassiker. Als das amerikanische Material aufgebraucht war, ließ der Bastei-Verlag auch hier neue Geschichten exklusiv produzieren. Das von 1958 bis 1981 publizierte Felix-Heft zählt zu den langlebigsten und umfangreichsten deutschen Comicreihen.
Betroffen sind dem Vernehmen nach nicht nur archivierte Hefte, sondern auch alle Druckvorlagen, was zukünftige Reprints massiv erschweren wird. Dabei gewinnen gerade diese Reprints in Form von Luxusausgaben in der deutschen Comiclandschaft an Bedeutung - Nostalgie ist in einer sichtlich alternden Gesellschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Ein Überblick über sämtliche Bastei-Comicserien findet sich hier.
Es ist nicht gut, auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen, jedenfalls nicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Publikum weiß dann offenbar nicht, in welche Schublade es den Tänzer stecken soll.
Seit 20 Jahren zeichnet
Also: eine Continuity findet nicht statt. Oder doch? Heft 1 (”Die Wunder des Schweiniversums”) enthält eine Art Prolog zum Film. Heft 2 hat dann davon komplett unabhängige Comicstrips, die Schwarwel seit einiger Zeit für die Mosaik-Fanpage
Zum Mosaik hat Schwarwel sowieso eine erstaunliche Connection. Zumindest verwirrt es, wenn ausgerecnet der Altpunk/ Altundergroundler Schwarwel ein Crossover zwischen den Digedags und seinem Schweinevogel zeichnet. Der sechsseitige Kurzcomic ist enthalten in Alex #31 (der Druckversion von Alex Online, wenn man so will, siehe oben), das ebenso liebenswerte wie bizarre Heftchen enthält zudem noch ein Interview mit Schwarwel, in dem er den Mosaik-Erfinder Hannes Hegen mal eben “Gott der Ost-Comics” nennt. Faszinierend, wenn man ein Herz für das Obskure hat, und ziemlich lustig.

Wenn einer bald dreissig Jahre im Geschäft ist, und dabei noch erfolgreich, ist oft genug fast alles über ihn gesagt. Was wäre also noch über diese Sammlung von Strips und verstreuten Werken zu sagen, kompiliert wie üblich zum größten Teil aus seinen Beiträgen für das Schwulenmagazin Männer aktuell, was sich nicht z.B.
Der Traum vom hohen Norden als Utopia des einfachen Lebens wurde bereits in den Achtzigerjahren in der TV-Serie
Vielleicht ist es ein Mißverständnis, dass Philip K. Dick („Blade Runner“, „Der dunkle Schirm“) als Science-Fiction-Autor betrachtet wurde. Klar ist, der Kalifornier wollte lange Zeit keiner sein. Ende der fünfziger Jahre verabschiedete er sich für eine Weile ganz vom Genre. In dieser Zeit entstand über ein Dutzend absolut realistischer Romane. Kein einziger von ihnen fand zu Lebzeiten Dicks einen Verleger. „Unterwegs in einem kleinen Land“ gehört dazu. In Dicks Werk verdient er die Stellung als autobiographischer Schlüsselroman des damals noch nicht dreissigjährigen Autors.
Was war das eigentlich damals mit Rolf Kauka und den ganzen Winzfiguren in seinen Comicheften? Neben den Schlümpfen erschienen in Fix & Foxi und den zahlreichen Ablegerprodukten noch regelmäßig die Minimenschen, die nur unschwer als Schlümpfe-Rip-Off konzipierten 7 Schnuckel und die Gifticks. Allesamt gnomenhafte Gestalten von jeweils kaum handspannenhoher Größe.
Unter den wenigen nennenswerten Superhelden-Comics der Neunzigerjahre wird stets die Interpretation der Justice League von Keith Giffen und Jean-Marc DeMatteis herausragen: eine herrliche Serie über drittklassiger Helden, die mehr damit beschäftigt waren, sich gegenseitig vollzutexten als vertragsgemäß die Welt zu rennen. Es war der vielleicht erfolgreichste Ausflug der Superhelden-Comics in das Genre der Screwball-Comedy, und es dauerte fünf ganze Jahre und rund hundert Hefte, ehe DC den Stecker zog.
Irgendwann, wenn die Geschichte der Graphic Novel in Deutschland geschrieben werden wird, wird man auf Walt Disneys Lustiges Taschenbuch zu sprechen kommen müssen. Das hat seit den sechziger Jahren Leser hierzulande auf all die Dinge geprägt, die mit jeder neuen Graphic-Novel-Welle (aktuell ist es die zweite) als innovativ und neu bezeichnet werden: lange, abgeschloßene Erzählungen, handliche Formate. Mehr Länge, Breite, Tiefe.Okay, lange Erzählungen über Enten und Mäuse.
Didier Convard hat mich ja neulich schon geärgert als Autor von
So gehts doch auch! Seit einiger Zeit schon schreibt Jason Aaron dieses Kriminalepos aus den Indianerreservaten, und sie hat ihm die Türen zu einigen gutbezahlten Jobs bei Marvel und DC geöffnet. Davon abgesehen bleibt Scalped immer noch sein bestes Ding bis dato, nicht zuletzt weil das Niemandsland der Reservate eine von der Kriminalliteratur weitgehend unerforschte Gegend ist. So hat Aaron alle Chancen offen, hier eine Erzählung von Schuld und Sühne zu schreiben, wie man sie noch nicht gelesen hat, davon, wie sich zwar die Schwarzen in den USA in den Sechzigerjahren emanzipieren konnten, aber nicht die Roten.
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