Dieser Text entstand ursprünglich für das Berliner Stadtmagazin zitty, dort wurde der Auftrag aber an zwei Autoren gleichzeitig vergeben.

Mein Strohhalm war kürzer.

Deshalb hier die ganze Rezi.

Philip K. Dick
Unterwegs in einem kleinen Land

Vier Sterne

Vielleicht ist es ein Mißverständnis, dass Philip K. Dick („Blade Runner“, „Der dunkle Schirm“) als Science-Fiction-Autor betrachtet wurde. Klar ist, der Kalifornier wollte lange Zeit keiner sein. Ende der fünfziger Jahre verabschiedete er sich für eine Weile ganz vom Genre. In dieser Zeit entstand über ein Dutzend absolut realistischer Romane. Kein einziger von ihnen fand zu Lebzeiten Dicks einen Verleger. „Unterwegs in einem kleinen Land“ gehört dazu. In Dicks Werk verdient er die Stellung als autobiographischer Schlüsselroman des damals noch nicht dreissigjährigen Autors.

Unschwer ist in dem unzufriedenen TV-Verkäufer Lindahl Dick zu erkennen (der sich selbst lange als Verkäufer über Wasser hielt), und in dessen unglücklicher Ehe Dicks eigene frische Scheidung. Lindahl versucht es mit Fremdgehen und beruflicher Verbesserung, aber am Ende fährt er doch immer wieder die selben Strecken auf den kalifornischen Highways, hin und zurück und nirgendwo sonst hin - ein kleines Land. Ein perfekt konstruierter Roman, in dem Dick einmal mehr seine volle Zivilisationsskepsis offenbart. (Stefan Pannor)

Liebeskind, 380 S.; € 22,00

Deliege/ Piroton
Die Gifticks

Was war das eigentlich damals mit Rolf Kauka und den ganzen Winzfiguren in seinen Comicheften? Neben den Schlümpfen erschienen in Fix & Foxi und den zahlreichen Ablegerprodukten noch regelmäßig die Minimenschen, die nur unschwer als Schlümpfe-Rip-Off konzipierten 7 Schnuckel und die Gifticks. Allesamt gnomenhafte Gestalten von jeweils kaum handspannenhoher Größe.

War es einfach nur eine Vorliebe für winzige Figuren, oder zeigte sich darin ein David-Komplex des im Vergleich zu den Disney-Comicheften kommerziell und imagemäßig stets Zweiten Rolf Kauka?

Nachdem die Minimenschen bereits seit geraumer Zeit eine sauber durchkonzipierte Comic-Gesamtverwertung erfahren, schließen sich die Gifticks an. Der rührige Mirko Piredda, ehemaliger Zack-Chefredakteur und seit geraumer Zeit Betreiber seines eigenen Albenverlages, veröffentlicht sämtliche Comicgeschichten der in den siebziger Jahren von Paul Deliege und Arthur Piroton kreierten Figuren neu. Viel Material ist es nicht nicht - drei Bände á 112 Seiten decken alles ab.Es sind Comics aus Zeiten, in denen man Männer noch daran erkannte, dass sie wie Schlote rauchten und Frauen daran, dass sie dumme Fragen stellten, in denen Kinder noch im Wald spielten und man Sachen sagte wie “Potzteufel”. Kurz: es sind Geschichten aus einer gemütvolleren Zeit und sie haben seither ordentlich Staub und Patina angelegt. Deshalb vermag die Ruppigkeit der dereinst wohl als Anti-Schlümpfe konzipierten Gifticks auch nur noch bedingt zu begeistern. Ja, sicher, sie spielen mit Messern und Pistolen, planen die Weltherrschaft an sich zu reißen (Denkst du das Gleiche, was ich gerade denke, Pinky?) und überhaupt steckt kein Funken Sympathie für irgendetwas an ihnen.

Im damaligen Kontext der Comic-Knuddel-Figuren mag diese radikale Abkehr von jeglicher Liebenswürdigkeit und Herzigkeit faszinierend gewirkt haben. Aus heutiger Sicht kommen die Geschichten behäbig daher, wirken die Figuren blaß (zumal sich deliege mit sich selbst nicht ganz einig zu sein scheint, was seine drei Gnome nun alles können und wollen, und was nicht) und die Bedrohung durch sie konstruiert. In der Tat haben es die um einiges biedereren Schlümpfe aufgrund häufig hintergründigen Humors sehr viel besser geschafft, ihren Charme und ihre Frische zu bewahren.

So bleibt ein Viertel-Klassiker, nicht ganz uninteressant, aber auch nie wirklich mitreißend. (112 S.; € 27,50)

Mehr zu Mirko Pireddas Comics hier, hier, hier und hier. Eine Leseprobe zu den Gifticks auf der Seite des Verlages.

Giffen/ DeMatteis/ Watson
Hero Squared

Unter den wenigen nennenswerten Superhelden-Comics der Neunzigerjahre wird stets die Interpretation der Justice League von Keith Giffen und Jean-Marc DeMatteis herausragen: eine herrliche Serie über drittklassiger Helden, die mehr damit beschäftigt waren, sich gegenseitig vollzutexten als vertragsgemäß die Welt zu rennen. Es war der vielleicht erfolgreichste Ausflug der Superhelden-Comics in das Genre der Screwball-Comedy, und es dauerte fünf ganze Jahre und rund hundert Hefte, ehe DC den Stecker zog.

War damals alles erzählt? Seither gab es immerhin zwei kurze Wiederbelebungsversuche des damaligen Erfolgsrezeptes, und ein dritter steckt in den Startlöchern. Und auch Hero Squared scheint nicht viel anderes als eine Resteverwertung damaliger Ideen. Mit einem Unterschied: wo DC als großer Verlag damals noch ein paar respektable Zeichner hat springen laßen, müssen sich die Autoren beim Kleinverlag Boom! für Hero Squared mit dem begnügen, was übrig bleibt. Das war schon bei den ersten zehn oder so Heften der eher mäßig talentierte Joe Abraham, der sich dann auch noch selber inken mußte. Für die abschließende Trilogie wurde ein No-Name-Zeichner namens Nathan Watson engagiert, der seinen Vorgänger nochmal ordentlich untertrifft und die eigentlich ganz nette Serie um einen Filmfreak und dessen Doppelgänger aus einem anderen Universum, der in Wirklichkeit ein Superheld ist, eher unwürdig zu Ende bringt.

Aber an Watson allein liegt es nicht. Das Garn mit den interdimensionalen Verwicklunge ist abgespult und die Auflösung der Geschichte nur noch das nötige Aufräumen. Wie zwei Wonder Boys spulen Giffen und Matteis hier nochmal ein paar ihrer alten Dialog-Kunststückchen runter, mit Figuren, die zum Teil verblüffend jenen ähneln, die sie damals für die Justice League geschrieben haben. Und wie jede Reunionen, und wenn sie noch so geglückt ist, haftet auch dieser etwas Tragisches an: so gut wie früher wird’s nie wieder.

Diverse
Ente in Antik

Irgendwann, wenn die Geschichte der Graphic Novel in Deutschland geschrieben werden wird, wird man auf Walt Disneys Lustiges Taschenbuch zu sprechen kommen müssen. Das hat seit den sechziger Jahren Leser hierzulande auf all die Dinge geprägt, die mit jeder neuen Graphic-Novel-Welle (aktuell ist es die zweite) als innovativ und neu bezeichnet werden: lange, abgeschloßene Erzählungen, handliche Formate. Mehr Länge, Breite, Tiefe.Okay, lange Erzählungen über Enten und Mäuse.

Aber sonst? Kein Unterschied, oder?

Ohne die Vorreiterrolle des Lustigen Taschenbuch hätte es vermutlich weder die trashigen Superhelden-Taschenbücher der Siebziger- und Achtzigerjahre gegeben noch die Manga-Welle ab 1998, ohne die Prägung von Millionen Lesern auf das kleine und lange Format.

Leider ist es dann schon das einzig interessante an Titeln wie Ente in Antik (das Buch erschien vor einigen Jahren schon mal in einer Reihe mit anderen als Softcover, war damals aber wohl kein besonderer Erfolg, denn die Reihe verschwand nach vier Bänden vom Markt), dass sie sich nun in einer bizarren Wendung der Geschichte an den aktuellen Graphic-Novel-Boom anzuhängen versuchen. Mit nobler Aufmachung (Hardcover und gerundeter Buchrücken) und einem nicht ganz so marktschreierischen Titelbild als bei sonstigen Disney-Publikationen üblich. Die Inhalte - was der Titel sagt: Disney-Comics über die Antike - freilich entsprechen der Standard-Durchschnittskost des Lustigen Taschenbuchs, da ändert auch die edle Aufmachung und der relativ hohe Preis (15 Euro für 400 Seiten) nichts dran.

Didier Convard/ Gilles Chaillet
Vinci

Didier Convard hat mich ja neulich schon geärgert als Autor von Tanatos. Im Vergleich zu Vinci ist das aber wohl ein Meisterwerk. Der dürftige Plot ist schnell runtergeratscht: Leonardo daVinci als Serienkiller, der seine geliebte Mona Lisa rächen will und darum der Reihe nach vier hochangesehene Bürger auf brutalstmögliche Weise umbringt.

Viel Blut, viel hohles Pathos und Dialoge, die so schmalzig sind, dass sie bei den aktuellen Temperaturen vermutlich ausflocken. Dazu ein wenig halbgares Wikipedia-Wissen über da Vincis Erfindungen, lieb- und spannungslos zusammengerührt. Immerhin sind die Stadtansichten der mittelalterlichen Venedig, Mailand und Florenz sehr gelungen. Das rettet die vollkommen ungare Erzählung nur leider auch nicht.

Jason Aaron/ R.M. Guera
Scalped: Dead Mothers/ The Gravel in your Guts

So gehts doch auch! Seit einiger Zeit schon schreibt Jason Aaron dieses Kriminalepos aus den Indianerreservaten, und sie hat ihm die Türen zu einigen gutbezahlten Jobs bei Marvel und DC geöffnet. Davon abgesehen bleibt Scalped immer noch sein bestes Ding bis dato, nicht zuletzt weil das Niemandsland der Reservate eine von der Kriminalliteratur weitgehend unerforschte Gegend ist. So hat Aaron alle Chancen offen, hier eine Erzählung von Schuld und Sühne zu schreiben, wie man sie noch nicht gelesen hat, davon, wie sich zwar die Schwarzen in den USA in den Sechzigerjahren emanzipieren konnten, aber nicht die Roten.

Im Kern geht es darum, Häuptling Red Crow zur Strecke zu bringen, eine Art lokalem Paten des Glücksspiels und der Prostitution, und auf ihn angesetzt wird der verdeckte Ermittler Dashiell (!!!) Bad Horse, der zufällig auch Sohn der Ex-Geliebten von Red Crow ist. In diesem Dreiecksverhältnis (das relativ schnell keins mehr ist) mit permanent hin- und herspringenden Perspektiven analysiert Aaron das Leben in den Reservaten, so lange, bis der Tony-Soprano-Effekt eintritt und dem Leser der fiese, mörderische Red Crow fast schon sympathischer ist als der ermittelnde Bulle - der macht wenigstens was für seine Leute, die zueist in slum-ähnlichen Verhältnissen vegetieren.

Scalped ist, was Kriminalliteratur im besten Falle immer ist: moralisch verwirrend und, ja, im Wortsinne investigativ. Die Frage, wann HBO daraus eine Fernsehserie macht, ist um so drängender, weil ansonsten mit einer deutschen Veröffentlichung dieser Perle nicht zu rechnen ist.

Niemand käme auf die Idee, Matt Groening zu verklagen. Es wäre vermutlich in jeder Hinsicht ein Selbstmordunternehmen.

Als in der vergangenen Woche die Irland-Episode der Simpsons Deutschland-Premiere hatte, war darin auch eine deutliche Hergé-Referenz zu sehen: Bart hatte als Reiselektüre die amerikanische Ausgabe von Die Krabbe mit den goldenen Scheren bei sich - deutlich war das Cover des Bandes in Großaufnahme zu sehen.

Und natürlich war es eine lobende Hommage - Marge bezeichnete den Band als Barts “Lieblingscomic”. Da würde niemand klagen. Doch nicht für ein Bild. Oder?

Für zwei Bilder verklagt wurde allerdings der Tim & Struppi-Fan Bob Garcia. Tim & Struppi ist auch sein Lieblingscomic. Cory Doctorow berichtet in seinem Blog von einer erfolgreichen Klage, die der Anwalt Nick Rodwell gegen den britischen Tintinologen angestrengt hat. Rodwell ist nicht nur der Rechtsvertreter von Hergés Erben, sondern zugleich der jetzige Ehemann der Hergé-Witwe Fanny.

Bob Garcia hatte demnach vor einiger Zeit fünf Artikel über Tim & Struppi als Hefte auf einer Non-Profit-Basis publiziert (man könnte auch Fanzine dazu sagen) und dabei in zwei Fällen Bilder Hergés zur Illustration verwendet. Die Hefte befassten sich u.a. mit Verbindungen zwischen Tim & Struppi und Sherlock Holmes sowie mit filmischen Anleihen in den Comics Hergés. Die Druckauflage der Hefte lag jeweils unter 500 Exemplaren. Ein britisches Gericht befand Garcia für schuldig: 35.000 Pfund Schadensersatz muß er nun zahlen. Anderenfalls erfolg eine Zwangsvollstreckung.

Natürlich ist Tim & Struppi weiterhin einer der populärsten Comics auf diesem Planeten, mit Übersetzungen in über 50 Sprachen und über einer Viertelmilliarde verkauften Exemplaren weltweit. Die Comics und deren Nachverwertung in allen Formen sind eine Goldgrube - und wer würde eine Goldgrube nicht aufmerksam bewachen?

Aber wie stark? Das gefällte Urteil ist fraglos von extremer Härte. Fans vermuten den 2011 in den Kinos anlaufenden ersten Tim & Struppi-Film von Steven Spielberg als Ursache - die Hergé-Erben sind an den Einnahmen aus diesem und den folgenden Filmen beteiligt: “Mr. Rodwell versucht vor dem Film noch Klar Schiff zu machen, was alles und jeden angeht, der über Tim & Struppi redet, um die absolute Kontrolle über die Marke zu erlangen”, zitiert der Londoner Telegraph Bob Garcia.

Andere Blogs listen akribisch auf, weshalb Rodwell so unbeliebt bei den Fans ist:

Hugues Dayez, the author of Tintin Et Les Heritiers (Tintin And The Inheritors), a very critical view on the way Moulinsart is curating Hergé’s legacy, is also the creator of a documentary film that proved, amongst others, that Moulinsart keeps a black list of journalists and Tintin specialists who are to be discredited at all times.

Inzwischen kursieren Boykott-Aufrufe gegen den Spielberg-Film, der Regisseur selbst wurde von Fans gebeten, schlichtend einzugreifen.

Wie gesagt: niemand würde gegen Matt Groening klagen. Es hat nur dummerweise nicht jeder das Glück, Matt Groening zu sein.

Ich bin Tocotronic-Fan.

Ich bin Carl-Barks-Fan.

Ich kommentier das jetzt mal trotzdem nicht. (Naja, später vielleicht.)

Tocotronic grüßt Entenhausen!
Interview auf www.lustiges-taschenbuch.de

Berlin, 20. Januar 2010 – Die bekannte deutsche Band Tocotronic träumt von einem Auftritt in Entenhausen.

Kurz vor Veröffentlichung ihres neuen Albums „Schall und Wahn“ am 22. Januar machte die Band einen Abstecher in die Stadt an der Gumpe und sprach mit der Redaktion von www.lustiges-taschenbuch.de über Comic-Helden, Jugendsünden und natürlich Musik.

Für Bandmitglied Jan Müller kamen Comics „gleich nach Grimms Märchen. Und man kommt ja aus einer Zeit, so Mitte der siebziger Jahre, als es noch die Debatte gab: ‚Ja, Comics, das taugt nichts! Lies lieber was Anständiges.’ Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie nicht so engstirnig waren und mir das Comiclesen erlaubt haben. Heute ist das ja akzeptiert als Kulturgut.“

Auch musikalisch würde sich die Hamburger Band in der Comic-Metropole wohlfühlen. Bassist Jan Müller möchte für seine Band am liebsten „Gita Gans am Gesang, Beppo Rohr am Bass, Kuno Knäul am Schlagzeug und an der Gitarre vielleicht Rudi Ross“ rekrutieren. Schlagzeuger Arne Zank schwebt eher „so’ne Hardcore-Punk-Band mit den Panzerknackern“ vor.

Viele bunte Einblicke und „Sprechblasen“ gibt’s im “Tocotronic/Entenhausen”–Interview mit allen vier Bandmitgliedern, das in voller Länge auf der Website des Lustigen Taschenbuchs zu finden ist.

Aber was ist spannend an dieser Pressemitteilung? Dass die PM schneller war als die zu verkündende News. Denn: kein Tocotronic-Interview, nirgends, auf der Website zu finden. So schnell schießen die Preußen.

Seltsam - ich kann mich gar nicht erinnern, Lars von Toerne mit irgendwas bestochen zu haben. ;-)

Zu den Schmuckstücken des zwei Dutzend Artikel zählenden Sammelbandes zählen eine Handvoll ausführlicher Analysen aktueller Trends, die gut recherchiert und auch für Nicht-Insider flüssig lesbar sind. Wenngleich sie nicht immer mit guten Nachrichten aufwarten, wie etwa Stefan Pannors hervorragende Analyse des aktuellen US-Comicmarktes, dem nicht nur die Finanz- und Wirtschaftskrise arg zusetzt.

Die vielschichtige Analyse des komplexen Geschehens jenseits des Atlantiks durch den Leipziger Fachjournalisten erörtert zentrale Fragen vom Umbruch des Zeitungsmarktes bis zur wachsenden Bedeutung des Internets als Comicforum und gibt so einen Ausblick auf bedeutende Entwicklungen, von denen die meisten früher oder später auch auf den deutschen Markt durchschlagen dürften.

(Aus einer ausführlichen Rezension des Redakteurs in der Online-Ausgabe des Tagesspiegel.)

In anderen Neuigkeiten … Brigitte Helbling bespricht in einem äußerst lobenden wie lobenswerten Text die Comicreihe Courtney Crumrin, die von mir übersetzt wird und deren vierter Band (zusammen mit einer Nachauflage des vergriffenen dritten Bandes) sich derzeit in der Druck-Pipeline befindet:

Fantasy gewürzt mit einer gesunden Dosis Ironie: So könnte das Erfolgsrezept lauten, mit dem sich Ted Naifehs “Crumrin”-Storys in den USA inzwischen bis zur Pflichtlektüre des Comic-Publikums hochgearbeitet haben; für das kommende Jahr hat die 20thCentury Fox sogar einen “Courtney Crumrin”-Film angekündigt. In deutscher Übersetzung kommen die Comics beim kleinen Eidalon Verlag in Brandenburg heraus; im Januar erscheint nun der vierte Band. “Courtney Crumrin und die Ungeheuer der Alten Welt” schildert eine ausgedehnte Reise von Courtney mit ihrem Onkel, der in Europa Freunden und Verwandten nachgeht und dabei diversen Werwölfen begegnet sowie einer Handvoll Vampiren, die sich zu Courtneys Überraschung als Blutsverwandte herausstellen.

Mehr dazu hier. Von Brigitte Helbling stammt auch das Nachwort zum vierten Band von Courtney Crumrin. Auch hier war keinerlei Bestechung im Spiel. :-)

Und sooo lobend, wie es mir das Graphic-Novel-Portal unterstellt (”das ganz große Lob”), war meine Rezension zu Kirihito doch gar nicht:

Trotzdem bleibt die Handlung immer ein wenig vorhersehbar, letztlich den Konventionen eines einfachen Abenteuerstoffes verhaftet, wie Tezuka sie vorher produziert hatte. Von der Komplexität der späteren Meisterwerke „Buddha“ und „Adolf“ ist diese Erzählung mit ihrem simplen Schwarz-weiß-Moralschema noch deutlich entfernt.

Sind da die Kollegen nicht über die Überschrift des Textes hinaus gekommen? ;-)

Stellen wir uns vor, Jesus wäre zurück gekommen.

Und damit meine ich nicht die Ostergeschichte, und auch nicht die sonstige, wie auch immer projektierte Rückkehr des Heilands. Nein, stellen wir uns vor, er wäre nach der Himmelfahrt gleich nochmal umgedreht und nochmal für ein paar Tage auf Erden gewandelt. Und dann nochmal. Und nochmal.

Als Geschichte wäre das gar nicht gut gekommen. Der einzige, der sowas darf, ist Columbo, und das auch nur, weil er Peter Falk ist.

Nun liegt es mir fern, Fix & Foxi mit Jesus oder Peter Falk gleichzusetzen. Aber auffällig ist es schon, wie gering das Interesse an der umpfzigsten Auferstehung dieses Comics ist, der von manchen (die zu faul sind, nach besseren Begriffen zu suchen) als “Kultcomic” bezeichnet wird, der in den sechziger und siebziger Jahren mal eine ernsthafte Konkurrenz zu den übermächtigen Disney-Comics darstellte, und das noch dazu aus deutscher Produktion (mehr oder weniger - Fix & Foxi-Erfinder Rolf Kauka war bekannt dafür, grade in den Anfangstagen der Reihe preiswerte Zeichnertalente aus dem Ostblock zu engagieren), der aber vor allem in den letzten zwanzig Jahren von massiver Erfolglosigkeit geplagt wird.

Auch historische Bedeutung kann sich eben abnutzen.

Fix & Foxi hat einmal gezeigt, dass es möglich ist, Comics in Massenproduktion in der BRD erfolgreich herzustellen, das ist die historische Leistung des Titels auf dem ansonsten notorisch von Importen geprägten deutschen Comicmarkt. (Martin Jurgeit vermerkt eine Auflage von 400.000 Stück pro Woche auf dem historischen Höchststand mit diesem Konzept.) Spätestens seit dem Ausweichen auf preiswerte spanische Zeichner ab den achtziger Jahren wurde dieses Konzept freilich selbst zu Grabe getragen, und spätestens seit den neunziger Jahren wollte das dann kaum einer mehr lesen - aus dem Wochen- wurde ein Monatstitel, und als in dem ein Bild von Madonna erschien, entzog der ebenso schwer reiche wie schwer konservative Rolf Kauka dem veröffentlichenden Verlag die Lizenz. Das war 1994

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Und damit ist hier auch erstmal Ruhe! Frohes Fest gefälligst! ;-) Lest ein paar gute Comics (ein Klick auf den Amazon-Link gleich rechts mag nicht schaden), und Bücher sowieso.

Pflichtschuldig angemerkt sei, dass auch dieser Text für die Leipziger Comic Combo geschrieben wurde, dort aber noch nicht online gegangen ist.

Derrien/ Fourquemin
Miss Endicott

Miss EndicottDie viktorianische Ära findet im Comic meist nur in romantisch verklärter Form statt. Große Ausnahme bildet hier das sowieso in jeder Hinsicht (Achtung! Wortspiel!) ausnehmende „From Hell“ von Alan Moore und Eddie Campbell mit seinem grimmigen Realismus. Natürlich nicht auf diesem Level, aber immerhin konnte Xavier Fourquemins Fantasy-Story „Die Legende vom Changeling“ im vergangenen Jahr damit punkten, bei der Darstellung des viktorianischen London zumindest einen Hauch Realismus in die Geschichte über Gnome und weißbärtige Magier eingeflossen zu lassen haben.

Gleicher Zeichner, gleiche Ära, gleicher Ort: „Miss Endicott“. die Geschichte einer sogenannten Schlichterin, die den Job von ihrer verstorbenen Mutter übernimmt und vor allem Nachts an den Behörden vorbei inkognito für Ruhe in London sorgen soll. Weil das keine Frau ernährt, übernimmt sie tagsüber eine Tätigkeit als Gouvernante. Eine Superhelden-Geschichte also (ähnlich dem jüngst erschienenen „Tanatos“) in franko-belgischem Gewand, mit Geheimidentität und nächtlichen Rettungsmissionen, mit einem Superschurken, einer irren Maschine zur Welteroberung oder -vernichtung und Totgeglaubten, die nicht tot sind.

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Ebenfalls bei der Comic Combo derzeit noch unveröffentlicht (aber im Manuskript schon drei Wochen alt) - die Review zur Mick Tanguy-Gesamtausgabe bei Ehapa. Und ich muß zugeben: so launig der erste Band auf eine etwas verquere und anstrengende Art war, so wenig Lust habe ich derzeit auf den zweiten Band. Ich werde im Leben kein wirklicher Fan von Charlier mehr, scheint mir.

Ach ja: Eintrag #400 in diesem Blog. :-)

Jean Michel Charlier/ Albert Uderzo
Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure - Gesamtausgabe
Band 1 - Die Schule der Adler

Mick TanguyDer gewaltige Schatten von „Asterix“ verdeckt die übrigen Comics von Zeichner Albert Uderzo nahezu völlig. Darunter auch die Serie „Tanguy und Laverdure“ die schon deshalb Beachtung verdient, weil sie zu den wenigen realistischen Comics im Oeuvre des Funny-Zeichners Uderzo gehört. Ab 1959 entstanden diese Erlebnisse zweier Piloten, passend natürlich zum Namen des Magazins ebenfalls in „Pilote“ veröffentlicht, zeitlich parallel zu „Asterix“ und der Indianerserie „Umpah-pah“, ebenfalls von Uderzo. Damit hatte der Zeichner zeitweise fünf vollständig ausgearbeitete großformatige Comicseiten pro Woche abzuliefern und musste Abstriche machen, um dieses gewaltige Pensum zu schaffen.

Überraschenderweise war ausgerechnet „Asterix“ Opfer dieser Selbstbeschränkung. Vergleicht man „Tanguy und Laverdure“ mit den gleichzeitig erschienen „Asterix“-Seiten, wird die Bevorzugung der Fliegerserie offenbar. (Sogar der relativ erfolglose „Umpah-pah“ war ihm damals offenbar lieber als „Asterix“.) Die frühen „Asterix“-Seiten sind häufig routiniert, aber detailarm. Dagegen strotzen die Erzählungen von der Ausbildung des Meisterflieges Michel Tanguy und seines etwas trotteligen Kompagnons Laverdure (der deutlich Oliver Hardy nachempfunden ist) von Beginn an von voll Saft und Kraft.

Ganz klar dabei im Vordergrund: auf- und niedergehende, rasende, schwebende, schlitternde, explodierende, ja überhaupt Flugzeuge, Flugzeuge, Flugzeuge. Uderzos Technikbegeisterung - er recherchierte damals für diese Serie mit Inbrunst auf Militärflughäfen - paart sich mit Einflüssen klassischer amerikanischen Comicstrips wie Milton Caniffs „Terry and the Pirates“ oder Roy Cranes „Buzz Sawyer“, die bereits während des Zweiten Weltkriegs das Sujet der Flieger- und Militärabenteuer ausloteten, und von denen der Franzose vieles in Stil, Schnitt und Darstellung übernahm. Unter den Bedingungen der ausklingenden sechziger Jahre in Frankreich war „Tanguy und Laverdure“ ein optisch hochmoderner Comic auf der Spitze des Zeitgeistes und der grafischen Erzählmethoden.

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Hatten wir natürlich schon, hier aber nochmal in voller Pracht. Neben den Comicseiten des Tagesspiegel entstand dieser Text für die Leipziger Comic Combo, wo er aber noch nicht veröffentlicht wurde.

Osamu Tezuka
Kirihito

Ein Arzt gegen die Welt: der junge Doktor Kirihito wird ausgesandt, um das Rätsel einer geheimnisvollen Krankheit zu lösen, die Menschen in hundeähnliche Geschöpfe verwandelt. Ein kleines Japanisches Dorf ist die Quelle allen Übels. Von dort aus allerdings beginnt er, inzwischen selbst infiziert, eine Odyssee um die halbe Welt. Überall hin, nur nicht zurück - denn in der Heimat hat ihn sein ehemaliger Chef zur Persona non Grata erklärt, weil ihm aus Karrieregründen Kirihitos Forschungsergebnisse nicht behagen.

Um zu verstehen, was das Besondere an „Kirihito“ ist, hilft es, die Hintergründe zu kennen: unter dem Schlagwort „Gekiga“ etablierte sich ab den Fünfzigerjahren vornehmlich in der japanischen Provinz ein Comicstil, der einen erwachseneren und realistischeren Ansatz für Mangas suchte,. Beeinflußt von den Filmen der Schwarzen Serie, den Romanen von Dashiell Hammett, Mickey Spillane und ähnlichen Autoren, waren ihre Comics düster, ruppig und expressiv.

Der Medizin-Thriller „Kirihito“, ab 1970 publiziert, ist die Reaktion des damals überaus erfolgreichen Tezuka auf die jungen Wilden aus der Provinz. Gleichzeitig markiert die umfangreiche Erzählung (800 Seiten) einen Bruch in Tezukas Werk, weg von den bis dahin dominierenden eskapistischen Science-Fiction- und Fantasy-Geschichten (nennenswert hier vor allem „Astro Boy“), hin zu realistischeren Themen. Für den 42jährigen Tezuka ein Neuanfang.

Darum merkt man, dass Tezuka in dem Metier noch nicht ganz zuhause ist. Wie seine Gekiga-Kollegen zitiert er zwar wild und hemmungslos aus aktuellen Filmen und Klassikern(sofort erkennbar: „Tanz der Vampire“, „The Prisoner“, weniger offensichtlich: „Panzerkreuzer Potjemkin“), baut ein paar verblüffend eindeutige und radikale Sexszenen ein und verschlüsselt das Geschehen teilweise in atemberaubend expressionistische Einzelbilder. (Unfassbar hirnzermatschend: Kirihitos Verwandlungsprozeß zum Hund.) Trotzdem bleibt die Handlung immer ein wenig vorhersehbar, letztlich den Konventionen eines einfachen Abenteuerstoffes verhaftet, wie Tezuka sie vorher produziert hatte. Von der Komplexität der späteren Meisterwerke „Buddha“ und „Adolf“ ist diese Erzählung mit ihrem simplen Schwarz-weiß-Moralschema noch deutlich entfernt.

In Deutschland markiert dieser Comic den zweiten Anlauf (nach „Adolf“, ebenfalls bei Carlsen) zu einer ernstzunehmenden Tezuka-Rezeption. Unter diesem Aspekt ist es völlig egal, was von ihm erscheint, solange dieser große Comickünstler, auf einem Niveau mit Carl Barks und Franquin, hierzulande endlich halbwegs die Aufmerksamkeit bekommt, die ihm zusteht. Selbst ein mittelmäßiger Tezuka (so wie „Kirihito“) ist noch besser als die meisten Comics. (stefan pannor)

Carlsen Comics, 288 S.; €16,90