Via Comicguide, Ulrich Wick:

Wie einigen vielleicht bekannt ist, hat der BASTEI-Verlag seinen Verlagssitz von Bergisch Gladbach nach Köln verlegt. Am vergangenen Donnerstag war die “Housewarming-Party”, zu der Martin Hilland und ich eingeladen waren und zu der es in der nächsten Klubzeitung der BASTEI-Freunde auch einen Bericht mit Fotos geben wird.

In diesem Zusammenhang wurde das Comic-Archiv komplett in den Schredder befördert. Das heißt, nicht ganz. Alles im Zusammenhang mit SILBERPFEIL habe ich retten können, insbesondere die Druckfilme, denn hier brauche ich ja die Schwarzfilme als Vorlage.

Mehr dazu hier.

Unter heutigen Umständen eine absurde Entscheidung und natürlich eine Tragödie. Zwar betrifft die Vernichtungsaktion in erster Linie dritt- und viertklassiges Material (meist billig preiswert produzierte Comics zu TV-Serien, häufig exklusiv für Bastei hergestelltes Material etwa zu Heidi oder Biene Maja). Aber auch vereinzelte deutschsprachige Ausgaben von Marvel-Comics wie Ghost Rider oder Obskuritäten wie die in Eigenregie nur für Deutschland produzierten Lucky Luke-Comics von Peter Menningen und dem Studio Ortega haben vermutlich dran glauben müssen.

Comichistorisch am interessantesten von allen Bastei-Serien ist vermutlich die Felix-Serie. Die von Pat Sullivan nach der gleichnamigen Trickfilmreihe ab den 1920er Jahren gestalteten Comics gelten als surreale Klassiker. Als das amerikanische Material aufgebraucht war, ließ der Bastei-Verlag auch hier neue Geschichten exklusiv produzieren. Das von 1958 bis 1981 publizierte Felix-Heft zählt zu den langlebigsten und umfangreichsten deutschen Comicreihen.

Betroffen sind dem Vernehmen nach nicht nur archivierte Hefte, sondern auch alle Druckvorlagen, was zukünftige Reprints massiv erschweren wird. Dabei gewinnen gerade diese Reprints in Form von Luxusausgaben in der deutschen Comiclandschaft an Bedeutung - Nostalgie ist in einer sichtlich alternden Gesellschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Ein Überblick über sämtliche Bastei-Comicserien findet sich hier.

Es ist nicht gut, auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen, jedenfalls nicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Publikum weiß dann offenbar nicht, in welche Schublade es den Tänzer stecken soll.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb Levin Kurio noch nicht die Meriten für seine Verdienste um die deutsche Comiclandschaft erhalten hat, die er verdient.

Levin Kurio steht immer ein wenig außen vor, und das nicht nur, weil sein Verlag, Weissblech Comics, in Raisdorf sitzt, einem Kaff in Schleswig-Holstein, das ohne Google-Maps vermutlich völlig von der Welt vergessen wäre. Wer macht denn schon Comics in der Provinz? Richtige deutsche Comics kommen aus Hamburg oder Berlin, zur Not auch aus Stuttgart oder Köln, und wenn sie mal aus Bielefeld kommen, dann ist das schon ein mittleres Wunder.

Aber Kurios Comics sind holsteinischer Provinz-Provenienz, und sie wären nicht halb so gut, wenn sie woanders her wären. Sicher weiß Kurio das besser als ich, aber ich wage zu behaupten: ohne diese Abgeschnittenheit von den Trends der Comicszene hätte das Talent des Erzählers, sämtliche Genreregeln und vor allem die von Publikum und Fachhandel so beliebten Genregrenzen ignorierend, niemals in der Form aufblühen können. Grade Kurios Frühwerke, veröffentlicht unter dem vielsagenden Titel Koma Comix, kümmern sich einen Scheißdreck um die Erwartungshaltung des Lesers. Und das ist gut so. Read the rest of this entry »

Via Thowi:

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Wochenkurier Leipzig, 24.02.2010

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Nächster Stammtisch 05.03. 2010!

Seine erste Abmahnwelle setzte noch auf Comics und deren Parodien, bevor er Computer und Internet als den großen Jackpot entdeckte. Er war tatsächlich beauftragt von Asterix-Zeichner Albert Uderzo, der offenbar weniger humorvoll war als von vielen angenommen. Zunächst ging es um fotokopierte oder in kleinen Auflagen verbreitete Asterix-Geschichten wie “Asterix und das Atomkraftwerk”, die mehr oder weniger verdeckt über Flohmärkte vertrieben wurden. Gravenreuth ging selbst als Testkäufer um und verschickte anschließend Abmahnungen.

Die ganze spannende Geschichte über den heute verstorbenen Anwalt Freiherr von Gravenreuth, den humorlosen Uderzo und die legendären Asterix-Polit-Comics hier.

Mehr zu Uderzo hier & hier.

Reden wir doch mal wieder über deutsche Comics.

Seit 20 Jahren zeichnet Schwarwel seine Schweinevogel-Comics, und daß er dabei auf weniger als 20 Ausgaben der jeweiligen Hefte (in diversen Reihen) kommt, wirkt auf den ersten Blick kaum beeindruckend.

Andererseits sind es so bereits 500+ Seiten zu der obskuren Figur (so eine Art Daniel Düsentrieb im Körper einer Mastsau mit Hühnerstelzen), die der Leipziger Zeichner vor allem nebenberuflich produziert hat, in zum Teil sehr langen und zum Teil dehr kurzen Geschichten. Und beachten sollte man, dass von 2000 bis 2009 fast vollkommene Funkstille hinsichtlich der Figur herrschte - in dieser Zeit erschienen lediglich ein paar Nachdrucke diverser älterer Comics, ansonsten produzierte Schwarwel vorrangig Alben- und Posterartwork, Videos, T-Shirts und derlei mehr für Bands wie Die Ärzte sowie den ersten eigenen Trickfilm. Natürlich mit Schweinevogel.

Seit dem Frühjahr 2009 publiziert Schwarwel wieder regelmäßig neue Comics, und auch wenn er die versprochene vierteljährliche Erscheinungsweise nicht schafft, sind es nach einem Jahr doch schon zwei neue Comichefte, mit einem dritten in der Pipeline und für März angekündigt - genau so viele wie im ganzen Jahrzehnt zuvor. Das Tolle: weil es Indie ist, schert sich Schwarwel wenig um das, was vorher in den anderen Geschichten erzählt wurde. (Und das ist gut so, denn da ging es viel um Zeitreisen und andere Universen und überhaupt war das Ganze sehr sehr wild.) Den neuen Schweinevogel kann man lesen, selbst wenn man nicht seit zwei Jahrzehnten in der Leipziger Szene rum rennt und notorischer Lokalkünstlerunterstützer ist.

Also: eine Continuity findet nicht statt. Oder doch? Heft 1 (”Die Wunder des Schweiniversums”) enthält eine Art Prolog zum Film. Heft 2 hat dann davon komplett unabhängige Comicstrips, die Schwarwel seit einiger Zeit für die Mosaik-Fanpage Alex Online produziert. Ein Zusammenhang zwischen beiden Heften besteht nicht, mit Ausnahme der Hauptfiguren.

Von den beiden Ausgaben ist die jüngere auch die bessere. Krankt der Film-Prolog noch an den gleichen Schwächen wie der Film selbst (einen Tick zu lang, einen Tick zu unkonzentriert und abschweifend), wirken sich genau diese bei der Stripsammlung zum Vorteil aus. Gerade das bizarre Herummäandern der Geschichte, die in den fortlaufenden Strips erzählt wird, die Befreiung von einem irgendwie rational erfassbaren Erzählkonzept macht das Ganze unglaublich lustig. Oder kurz: ich kann beim besten Willen nicht erklären, was in Heft 2 passiert, aber es ist gut.

Zum Mosaik hat Schwarwel sowieso eine erstaunliche Connection. Zumindest verwirrt es, wenn ausgerecnet der Altpunk/ Altundergroundler Schwarwel ein Crossover zwischen den Digedags und seinem Schweinevogel zeichnet. Der sechsseitige Kurzcomic ist enthalten in Alex #31 (der Druckversion von Alex Online, wenn man so will, siehe oben), das ebenso liebenswerte wie bizarre Heftchen enthält zudem noch ein Interview mit Schwarwel, in dem er den Mosaik-Erfinder Hannes Hegen mal eben “Gott der Ost-Comics” nennt. Faszinierend, wenn man ein Herz für das Obskure hat, und ziemlich lustig.

Der Alex #31 kann, wenn überhaupt, noch hier bestellt werden. Ein Preis ist auf dem Heft nicht angegeben. Die regulären Schweinevogel-Hefte bekommt man in jedem Comicshop mit Kompetenz und hier. Die Hefte haben 32 Seiten Umfang und kosten 3,90 EUR. Eine Gesamtausgabe aller Schweinevogel-Frühwerke ist für irgendwann 2010 angekündigt - darüber wird dann noch mal extra zu reden sein.

Schon mal den 08.05.2010 vormerken!

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Ted Naifeh
Courtney Crumrin
Modern Tales

Andere Menschen fürchten sich im Dunkeln. Courtney dagegen ist die Art Mensch, vor der sich die Schatten fürchten.

Courtney ist das Gegenteil zu allen braven Mädchen. Sie lebt bei ihrem Onkel Aloysius, der ein Magier ist, und von dem sie sich einiges abgeguckt hat. Und das ist gut so, denn gleich hinter Onkel Aloysius’ Haus fängt ein tiefer Wald an, in dem schreckliche Monster hausen. Dahinter liegt der Eingang zum Reich des Zwielichtkönigs, in dem noch mehr Monster hausen. Und habe ich schon die Monster erwähnt, die von Aloysius’ Kollegen regelmäßig freigesetzt werden?

“COURTNEY CRUMRIN” ist eine düster-romantische Horrorserie über ein außergewöhnliches Mädchen in außergewöhnlichen Umständen. Mit viel Einfühlungsvermögen und schwarzem Humor zugleich beschreibt Ted Naifeh die Irrfahrten seiner Heldin, die sich regelmäßig dazu gezwungen sieht, für andere die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Alle Bände der Serie liegen auf deutsch vor.

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Jimmy Gownley
Amelia ist die Größte!
Comikat

Amelia ist … Amelia. Im Lauf des letzten Jahres ist sie in eine neue Stadt gezogen, wurde zum Superhelden, hat einen Ninja geküßt, war mal ganz kurz der Weihnachtsmann, und mußte ganz oft zum Direktor ihrer neuen Schule. Und das ist noch nicht einmal die halbe Geschichte.

“AMELIA IST DIE GRÖSSTE!” ist Jimmy Gownleys einfühlsame Slapstick-Serie über ein neunjähriges Mädchen mit manchmal zu viel Phantasie, vor allem aber einer unbändigen Lebenslust, die ihr hilft, sich nach der Scheidung ihrer Eltern in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Mit ihren Freunden schlägt sie sich durch ein normales Kleinstadt-Leben, das durch ihre Anwesenheit vollkommen ungewöhnlich wird. Von den Buchausgaben wurden in den USA eine Viertel Million Exemplare verkauft. Auf Deutsch erscheint die Serie fortlaufend bei Comikat.

Dieses Heft enthält eine exklusive Kurzgeschichte, die nirgendwo sonst zu finden ist!

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Mehr Informationen hier!

Ralf König
Schillerlöckchen

Wenn einer bald dreissig Jahre im Geschäft ist, und dabei noch erfolgreich, ist oft genug fast alles über ihn gesagt. Was wäre also noch über diese Sammlung von Strips und verstreuten Werken zu sagen, kompiliert wie üblich zum größten Teil aus seinen Beiträgen für das Schwulenmagazin Männer aktuell, was sich nicht z.B. hier bereits nachlesen ließe? Mit deutlich mehr Sex (und Sexappeal) setzt Ralf König seine Alltagsgeschichtsschreibung fort, die schon lange nicht mehr nur eine der homosexuellen Kultur ist, sondern in der Tat eine Chronik bürgerlicher Befindlichkeiten, zwischen Sex, Zukunftsangst und DVD-Abend. Drastischer, als ihm die FAZ das wohl gestatten würde, mithin ehrlicher und ein wenig undergroundiger - Crumb läßt grüßen, wie König überhaupt nicht nur in seiner Themenwahl, sondern auch seiner kulturellen Bedeutung den Status eines deutschen Robert Crumb einzunehmen beginnt.

Nennenswert: das Album enthält neben seinem vollständigen Beitrag zur Wilhelm-Busch-Hommage auch noch zwei weitere Busch-Verbeugungen, die ihrerzeit für das Zeit-Magazin entstanden. In der Häufung (16 Seiten am Stück) ist das Gereime dann aber doch ein wenig ermüdend. Ansonsten groß wie immer. (MännerSchwarm, 64 Seiten, 12,00 €)

Loisel & Tripp
Das Nest: Bekenntnisse

Der Traum vom hohen Norden als Utopia des einfachen Lebens wurde bereits in den Achtzigerjahren in der TV-Serie Ausgerechnet Alaska durchdekliniert. Als der Tonfall der Serie vom intellektuell-märchenhaften ins Gemeine kippte, war alles gesagt und die Serie wurde danach ziemlich bald gecancelt.

Auch Loisel und Tripp träumen ihren Traum vom hohen Norden. Ihr Notre-Dame am See, irgendwo in der kanadischen Provinz gelegen und in der Zeit zwischen den Weltkriegen, ist ihr Dörfchen-mein-Dörfchen-Utopia, eine weitere jener diversen Kleinstädte, in denen sich der Überschaubarkeit der Handlungsorte und Akteure wegen soziale Prozeße viel leichter darstellen lassen als in Großstadt-Erzählungen.

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Dieser Text entstand ursprünglich für das Berliner Stadtmagazin zitty, dort wurde der Auftrag aber an zwei Autoren gleichzeitig vergeben.

Mein Strohhalm war kürzer.

Deshalb hier die ganze Rezi.

Philip K. Dick
Unterwegs in einem kleinen Land

Vier Sterne

Vielleicht ist es ein Mißverständnis, dass Philip K. Dick („Blade Runner“, „Der dunkle Schirm“) als Science-Fiction-Autor betrachtet wurde. Klar ist, der Kalifornier wollte lange Zeit keiner sein. Ende der fünfziger Jahre verabschiedete er sich für eine Weile ganz vom Genre. In dieser Zeit entstand über ein Dutzend absolut realistischer Romane. Kein einziger von ihnen fand zu Lebzeiten Dicks einen Verleger. „Unterwegs in einem kleinen Land“ gehört dazu. In Dicks Werk verdient er die Stellung als autobiographischer Schlüsselroman des damals noch nicht dreissigjährigen Autors.

Unschwer ist in dem unzufriedenen TV-Verkäufer Lindahl Dick zu erkennen (der sich selbst lange als Verkäufer über Wasser hielt), und in dessen unglücklicher Ehe Dicks eigene frische Scheidung. Lindahl versucht es mit Fremdgehen und beruflicher Verbesserung, aber am Ende fährt er doch immer wieder die selben Strecken auf den kalifornischen Highways, hin und zurück und nirgendwo sonst hin - ein kleines Land. Ein perfekt konstruierter Roman, in dem Dick einmal mehr seine volle Zivilisationsskepsis offenbart. (Stefan Pannor)

Liebeskind, 380 S.; € 22,00

Deliege/ Piroton
Die Gifticks

Was war das eigentlich damals mit Rolf Kauka und den ganzen Winzfiguren in seinen Comicheften? Neben den Schlümpfen erschienen in Fix & Foxi und den zahlreichen Ablegerprodukten noch regelmäßig die Minimenschen, die nur unschwer als Schlümpfe-Rip-Off konzipierten 7 Schnuckel und die Gifticks. Allesamt gnomenhafte Gestalten von jeweils kaum handspannenhoher Größe.

War es einfach nur eine Vorliebe für winzige Figuren, oder zeigte sich darin ein David-Komplex des im Vergleich zu den Disney-Comicheften kommerziell und imagemäßig stets Zweiten Rolf Kauka?

Nachdem die Minimenschen bereits seit geraumer Zeit eine sauber durchkonzipierte Comic-Gesamtverwertung erfahren, schließen sich die Gifticks an. Der rührige Mirko Piredda, ehemaliger Zack-Chefredakteur und seit geraumer Zeit Betreiber seines eigenen Albenverlages, veröffentlicht sämtliche Comicgeschichten der in den siebziger Jahren von Paul Deliege und Arthur Piroton kreierten Figuren neu. Viel Material ist es nicht nicht - drei Bände á 112 Seiten decken alles ab.Es sind Comics aus Zeiten, in denen man Männer noch daran erkannte, dass sie wie Schlote rauchten und Frauen daran, dass sie dumme Fragen stellten, in denen Kinder noch im Wald spielten und man Sachen sagte wie “Potzteufel”. Kurz: es sind Geschichten aus einer gemütvolleren Zeit und sie haben seither ordentlich Staub und Patina angelegt. Deshalb vermag die Ruppigkeit der dereinst wohl als Anti-Schlümpfe konzipierten Gifticks auch nur noch bedingt zu begeistern. Ja, sicher, sie spielen mit Messern und Pistolen, planen die Weltherrschaft an sich zu reißen (Denkst du das Gleiche, was ich gerade denke, Pinky?) und überhaupt steckt kein Funken Sympathie für irgendetwas an ihnen.

Im damaligen Kontext der Comic-Knuddel-Figuren mag diese radikale Abkehr von jeglicher Liebenswürdigkeit und Herzigkeit faszinierend gewirkt haben. Aus heutiger Sicht kommen die Geschichten behäbig daher, wirken die Figuren blaß (zumal sich deliege mit sich selbst nicht ganz einig zu sein scheint, was seine drei Gnome nun alles können und wollen, und was nicht) und die Bedrohung durch sie konstruiert. In der Tat haben es die um einiges biedereren Schlümpfe aufgrund häufig hintergründigen Humors sehr viel besser geschafft, ihren Charme und ihre Frische zu bewahren.

So bleibt ein Viertel-Klassiker, nicht ganz uninteressant, aber auch nie wirklich mitreißend. (112 S.; € 27,50)

Mehr zu Mirko Pireddas Comics hier, hier, hier und hier. Eine Leseprobe zu den Gifticks auf der Seite des Verlages.

Giffen/ DeMatteis/ Watson
Hero Squared

Unter den wenigen nennenswerten Superhelden-Comics der Neunzigerjahre wird stets die Interpretation der Justice League von Keith Giffen und Jean-Marc DeMatteis herausragen: eine herrliche Serie über drittklassiger Helden, die mehr damit beschäftigt waren, sich gegenseitig vollzutexten als vertragsgemäß die Welt zu rennen. Es war der vielleicht erfolgreichste Ausflug der Superhelden-Comics in das Genre der Screwball-Comedy, und es dauerte fünf ganze Jahre und rund hundert Hefte, ehe DC den Stecker zog.

War damals alles erzählt? Seither gab es immerhin zwei kurze Wiederbelebungsversuche des damaligen Erfolgsrezeptes, und ein dritter steckt in den Startlöchern. Und auch Hero Squared scheint nicht viel anderes als eine Resteverwertung damaliger Ideen. Mit einem Unterschied: wo DC als großer Verlag damals noch ein paar respektable Zeichner hat springen laßen, müssen sich die Autoren beim Kleinverlag Boom! für Hero Squared mit dem begnügen, was übrig bleibt. Das war schon bei den ersten zehn oder so Heften der eher mäßig talentierte Joe Abraham, der sich dann auch noch selber inken mußte. Für die abschließende Trilogie wurde ein No-Name-Zeichner namens Nathan Watson engagiert, der seinen Vorgänger nochmal ordentlich untertrifft und die eigentlich ganz nette Serie um einen Filmfreak und dessen Doppelgänger aus einem anderen Universum, der in Wirklichkeit ein Superheld ist, eher unwürdig zu Ende bringt.

Aber an Watson allein liegt es nicht. Das Garn mit den interdimensionalen Verwicklunge ist abgespult und die Auflösung der Geschichte nur noch das nötige Aufräumen. Wie zwei Wonder Boys spulen Giffen und Matteis hier nochmal ein paar ihrer alten Dialog-Kunststückchen runter, mit Figuren, die zum Teil verblüffend jenen ähneln, die sie damals für die Justice League geschrieben haben. Und wie jede Reunionen, und wenn sie noch so geglückt ist, haftet auch dieser etwas Tragisches an: so gut wie früher wird’s nie wieder.

Diverse
Ente in Antik

Irgendwann, wenn die Geschichte der Graphic Novel in Deutschland geschrieben werden wird, wird man auf Walt Disneys Lustiges Taschenbuch zu sprechen kommen müssen. Das hat seit den sechziger Jahren Leser hierzulande auf all die Dinge geprägt, die mit jeder neuen Graphic-Novel-Welle (aktuell ist es die zweite) als innovativ und neu bezeichnet werden: lange, abgeschloßene Erzählungen, handliche Formate. Mehr Länge, Breite, Tiefe.Okay, lange Erzählungen über Enten und Mäuse.

Aber sonst? Kein Unterschied, oder?

Ohne die Vorreiterrolle des Lustigen Taschenbuch hätte es vermutlich weder die trashigen Superhelden-Taschenbücher der Siebziger- und Achtzigerjahre gegeben noch die Manga-Welle ab 1998, ohne die Prägung von Millionen Lesern auf das kleine und lange Format.

Leider ist es dann schon das einzig interessante an Titeln wie Ente in Antik (das Buch erschien vor einigen Jahren schon mal in einer Reihe mit anderen als Softcover, war damals aber wohl kein besonderer Erfolg, denn die Reihe verschwand nach vier Bänden vom Markt), dass sie sich nun in einer bizarren Wendung der Geschichte an den aktuellen Graphic-Novel-Boom anzuhängen versuchen. Mit nobler Aufmachung (Hardcover und gerundeter Buchrücken) und einem nicht ganz so marktschreierischen Titelbild als bei sonstigen Disney-Publikationen üblich. Die Inhalte - was der Titel sagt: Disney-Comics über die Antike - freilich entsprechen der Standard-Durchschnittskost des Lustigen Taschenbuchs, da ändert auch die edle Aufmachung und der relativ hohe Preis (15 Euro für 400 Seiten) nichts dran.

Didier Convard/ Gilles Chaillet
Vinci

Didier Convard hat mich ja neulich schon geärgert als Autor von Tanatos. Im Vergleich zu Vinci ist das aber wohl ein Meisterwerk. Der dürftige Plot ist schnell runtergeratscht: Leonardo daVinci als Serienkiller, der seine geliebte Mona Lisa rächen will und darum der Reihe nach vier hochangesehene Bürger auf brutalstmögliche Weise umbringt.

Viel Blut, viel hohles Pathos und Dialoge, die so schmalzig sind, dass sie bei den aktuellen Temperaturen vermutlich ausflocken. Dazu ein wenig halbgares Wikipedia-Wissen über da Vincis Erfindungen, lieb- und spannungslos zusammengerührt. Immerhin sind die Stadtansichten der mittelalterlichen Venedig, Mailand und Florenz sehr gelungen. Das rettet die vollkommen ungare Erzählung nur leider auch nicht.

Jason Aaron/ R.M. Guera
Scalped: Dead Mothers/ The Gravel in your Guts

So gehts doch auch! Seit einiger Zeit schon schreibt Jason Aaron dieses Kriminalepos aus den Indianerreservaten, und sie hat ihm die Türen zu einigen gutbezahlten Jobs bei Marvel und DC geöffnet. Davon abgesehen bleibt Scalped immer noch sein bestes Ding bis dato, nicht zuletzt weil das Niemandsland der Reservate eine von der Kriminalliteratur weitgehend unerforschte Gegend ist. So hat Aaron alle Chancen offen, hier eine Erzählung von Schuld und Sühne zu schreiben, wie man sie noch nicht gelesen hat, davon, wie sich zwar die Schwarzen in den USA in den Sechzigerjahren emanzipieren konnten, aber nicht die Roten.

Im Kern geht es darum, Häuptling Red Crow zur Strecke zu bringen, eine Art lokalem Paten des Glücksspiels und der Prostitution, und auf ihn angesetzt wird der verdeckte Ermittler Dashiell (!!!) Bad Horse, der zufällig auch Sohn der Ex-Geliebten von Red Crow ist. In diesem Dreiecksverhältnis (das relativ schnell keins mehr ist) mit permanent hin- und herspringenden Perspektiven analysiert Aaron das Leben in den Reservaten, so lange, bis der Tony-Soprano-Effekt eintritt und dem Leser der fiese, mörderische Red Crow fast schon sympathischer ist als der ermittelnde Bulle - der macht wenigstens was für seine Leute, die zueist in slum-ähnlichen Verhältnissen vegetieren.

Scalped ist, was Kriminalliteratur im besten Falle immer ist: moralisch verwirrend und, ja, im Wortsinne investigativ. Die Frage, wann HBO daraus eine Fernsehserie macht, ist um so drängender, weil ansonsten mit einer deutschen Veröffentlichung dieser Perle nicht zu rechnen ist.