Archive for März, 2010

Entstanden während der Leipziger Buchmesse für die Deutsche Welle. Dafür ist es doch ganz ordentlich. Hier das Originalmanuskript. Bei der Deutschen Welle ist der Text hier zu finden.

„Faust“-Comic

von Stefan Pannor

Goethe goes Comic: der Berliner Comicautor Flix hat den ersten Teil des „Faust“ zu einer Gegenwartsgeschichte umgearbeitet. Premiere hatte das witzgewaltige Buch auf der Leipziger Buchmesse – der Zeichner las aus seinen Bildern vor.

Mephisto trägt Prada. Nun, beinah: Jeans und Hemd immerhin, den Teufelsfuß in Turnschuhen verborgen. Nur die Hörner sind noch gut zu sehen. „Ich bin die Lösung all Ihrer Probleme“, stellt er sich dem verdatterten Faust vor, gescheiterter Akademiker, Single und arbeitsloser Taxifahrer. Wir schreiben das Jahr 2009, der Ort ist Berlin, in dieser aktualisierten Fassung von Goethes „Faust“-Stoff.

Margarete arbeitet im Bioladen

Premiere hat dieses Buch, das so kreischend gelb gestaltet ist wie die berühmten Reclam-Leseheftchen, aber keine echte Zeile Klassiker enthält, ausgerechnet in Leipzig, dem Ort von Auerbachs Keller, in dem Faust und Mephisto bei Goethe dereinst so markant abstürzten.
Mehrmals während der Leipziger Buchmesse liest Flix alias Felix Görmann, aus seinem „Faust“ vor. Der, das muß man erwähnen, kein Roman, sondern ein Comic ist. Gott hat der Berliner Comiczeichner, Jahrgang 1976, in dieser Geschichte mit Schnauzbart und Pferdeschwanz gezeichnet („Wie mein alter Chemielehrer“, erinnert sich Flix), und die berühmte Wette mit dem Teufel geht der Allmächtige nur ein, weil sein Weltenschöpfungsprogramm gerade abgestürzt ist – auf dem Notebook. Es ist eine Komödie, keine Tragödie, in der Gretchen mit einem hinreißenden Lächeln und einer Knubbelnase in einem Kreuzberger Bioladen Lebensmittel mit gefälschten Biosiegeln verkauft.

Flix liest Stille vor

Comics in Lesungen vorzustellen, ist selten. Das liegt in der Natur der Sache: (mehr …)

Ohne viele Worte, denn auch die Comics sind kurz.

Sascha Krämer & Jörg Krismann
Deutsche Helden 1

Erfolgreich wurde ich dran erinnert, dass es bei Marvel einen Superhelden namens Blitzkrieg gibt. Aus Düsseldorf! Wie uncool ist das denn?

Ansonsten enthält das zum Comicsalon Erlangen vor sechs Jahren erschienene Hefterl (mit drei verschiedenen Covern) vor allem Nachdrucke der gleichnamigen Strips aus der Comixene, denen ich nur leider selbst bei vollständigem Zusammenkratzen all meines Nerdtums und Marvel-Wissens nur bedingt Witz abringen konnte.

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Stephan Hagenow
Einar #1 (Gringo Comics, 1,80 €)

Hagenow ist ein Bruder im Geiste von Levin Kurio und diese Wikinger-Geschichte ist Trash. Das geht schon beim Vorwort los: „Einer dieser Wikinger hieß Einar“, Kalauer komm raus. Stellenweise ganz lustig, weil Hagenow einen deutlichen Hang zur Karikatur hat. Aber insgesamt nimmt es sich doch einen Tick zu ernst. Will ich wissen, ob „Einar sich der Macht seines Vaters beugen“ wird (bzw. es schon getan hat, auch dieses Heft erschien vor diversen Jahren)? (mehr …)

(Der gestern Nacht versandte jüngste Newsletter, den ich für Modern Tales verfasst habe.)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ted Naifeh ist unaufhaltsam! Da ist die Feenland-Serie gemeinsam mit der Bestseller-Autorin Holly Black (Die Spiderwick-Chroniken), eine Superheldenserie für DC – und natürlich der neueste COURTNEY-CRUMRIN-Band, der soeben bei uns auf Deutsch erschienen ist.

Für uns diesmal ein ganz besonderes Erlebnis, denn COURTNEY CRUMRIN & DIE UNGEHEUER DER ALTEN WELT spielt erst in Rumänien und danach in Deutschland! Mitten in Franken trifft die Amerikanerin Courtney auf ein Geschlecht alter Vampire, mit denen sie, wie sie feststellen muß, auch noch verwandt ist! Eine Geschichte von Schrecken und Verlust, aber auch von sehr ehrlicher Liebe – nur nicht da, wo Courtney (oder der Leser) sie erwarten würde.

Neugierig gemacht? Mehr Informationen finden Sie wie immer weiter unten. Für Rezensionsexemplare wenden Sie sich bitte an presse [at] moderntales.de.

Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Pannor/ Presse Modern Tales

INHALT:
Werwölfe und Vampire. In COURTNEY CRUMRIN & DIE UNGEHEUER DER ALTEN WELT erkundet Ted Naifeh die Schrecken der deutschen Wälder
Portrait TED NAIFEH

Alle Texte zum Gratis-Abdruck freigegeben. Beleg erwünscht! (mehr …)

Es ist mir in der Tat gelungen, die Worte „Scheißdreck“ und „Titten“ in das Online-Angebot des Tagesspiegel zu schmuggeln. 😉

Und zwar in diesem Artikel:

Autorencomic
Zum Fremdschämen schön

Saufen, kiffen, keine Frauen abkriegen: Er ist ein Wegbereiter des autobiografischen Comics in Deutschland. Jetzt lädt eine wunderbare Hommage dazu ein, den Autor und Zeichner Levin Kurio neu zu entdecken.

Der Text ist eine (vollends genehmigte) 1:1-Übernahme dieses Blogeintrages, daher auch nur kurz der Verweis darauf.

Enki Bilal
Animal’z


Das einzige Genre, in dem der Comic allen übrigen Medien hinterherhinkt, ist ausgerechnet die Science Fiction. Es mag der Einfachheit geschuldet sein, mit der in der Bilderzählung selbst opulenteste Gadgets durch ein paar einfache Striche in die Handlung eingebracht werden können, oder der Tatsache, daß der Comic lange Jahrzehnte in ein Getto der Jugendunterhaltung eingesperrt war. Anders als im Film und der Literatur mangelt es dem Comic jedenfalls an glaubwürdigen und durchdachten futuristischen Entwürfen.Aus dem Brei der letztlich immer gleichen gezeichneten Raumschlachten und Alienhatzen ragen darum Bilals erdgebundene Science-Fiction-Comics doppelt hervor. Bereits seine „Monster“-Tetralogie, obwohl vollgepfropft mit Klonen, Androiden, Robotern und in einer sowieso durch allerlei futuristische Erfindungen an den Rand des Irrsinns gebrachten Gesellschaft spielend, entzog sich dem rein narrativen Verständnis des Lesers. Bilal erzählte in diesen Bänden keine gradlinige Handlung. Auf rund dreihundert Seiten berichtet die „Monster“-Serie vom Verfall der Zivilisation von innen her, von der grundsätzlichen Auflösung zwischenmenschlicher Bindungen angesichts unbewältiger Vergangenheiten und ungelöster Probleme der Gegenwart.

„Animal’z“ liest sich in diesem Zusammenhang wie ein Nachtrag. Formal eine durchaus typische Endzeitgeschichte – die Menschheit ist aus nicht näher geklärten Umständen verschwunden, übrig geblieben sind nur einige wenige Umherirrende, die sich offenbar bevorzugt auf Schiffen auf dem Meer aufhalten, das Land ist bevölkert von bizarren Mutationen und Monsterzüchtungen – (mehr …)

Pünktlich zur Leipziger Buchmesse präsentiert Tokyopop einen Band mit Erzählungen zu dem Land, das auf der Frankfurter Buchmesse des letzten Jahres Thema war. Verwirrend? Aber so steht es geschrieben.

Diverse
China Girls

China zählt zu den aus hiesiger Perspektive weißen Flecken der Comiclandschaft. Erst seit dem Erlanger Comicsalon 2008 gibt es überhaupt zaghafte Versuche, chinesische Comics nach Deutschland zu importieren. Insbesondere Tokyopo erweist sich hier mit diversen Publikationen als rührig.

Dahinter steckt sehr sicher auch der Wunsch, eine dem Manga-Boom der späten Neunzigerjahre vergleichbare Welle loszutreten. Entsprechend ähnelt sich der Ablauf der Ereignisse: begonnen wurde mit vor allem grafisch gefälligen, mainstream-orientierten Erzählungen, die wenig bis nichts über den Alltag im Land erzählen und dem Medium Comic keine neuen Impulse geben.

Die Anthologie „China Girls“ steht nun an einer Schwelle zu einem möglichen zweiten Schritt, (mehr …)

Was für ein Klopper! Es dürfen Wetten darauf abgeschlossen werden, ob Ulli Lust mit dieser Großtat des Autobio-Comics dieses Jahr sowohl den ICOM-Independent-Preis gewinnt als auch den Max-&-Moritz-Preis des Comicsalon Erlangen.

Ulli Lust
Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens

Die Crux des eigenen Lebens: es hält sich an keine Dramaturgie. Wer seine Autobiografie verfasst, steht oft vor dem Problem, sie in eine Form zu bringen, die das eigene Leben nicht verzerrt, gleichzeitig einen lesbaren, von straff gespannten erzählerischen Bögen getragenen Text mit Spannungshöhepunkten darstellt.

Im Bereich der autobiografischen Comics ist das um so schwieriger, weil diese – anders als literarische Autobiografien – in der Regel von relativ jungen Menschen verfasst werden und selten außergewöhnliche Ereignisse thematisieren, sondern sich stattdessen um normalen Alltag drehen. Vertrau keinem Comiczeichner: von Craig Thompson etwa ist bekannt, dass er um der Dramaturgie willen seine Schwester vollständig aus seiner Erinnerungserzählung „Blankets“ eliminiert hat.

Ulli Lusts „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ paßt in mancher Hinsicht sehr gut neben Thompsons Comic… (mehr …)

Da hat’s mich beim Schreiben des Textes (und eben grade beim Schreiben der Überschrift) immer in den Fingern gejuckt, Autorin und Titel auszutauschen und zu schauen, ob es jemand bemerkt.

Posy Simmonds
Tamara Drewe

Böse gesagt: es geht um den Abschied von Knollennasen. Die ihre hat sich die Titelfigur dieses Comics wegoperieren lassen, und seitdem ist sie nach ihrer Rückkehr aufs Land die herausragende Beauty-Queen zwischen all den Landpomeranzen. Tamara Drewe, die junge Kolumnistin, setzt mit ihrer neu gewonnenen Schönheit, mehr noch aber mit ihrer Naivität einen Reigen aus Sehnsucht, Verzweiflung, Ehebruch und schließlich Tod in Gang.

So radikal, wie sich die Titelfigur von einem der vermeintlichen Markenzeichen des Comics, dem Nasenknubbel, löst, entfernt sich Posy Simmonds auch von den scheinbar vorgeschriebenen Strukturen des Comic an sich. „Tamara Drewe“ ist ein Hybrid aus Bildgeschichte und Roman, wobei Simmonds auch ausführlich von der Collage Gebrauch macht: neben den ineinander verschachtelten Erzähltexten und Comicpanels enthält der Band auch jene fiktiven Kolumnen und weitere Zeitungsausrisse.

Das ist natürlich nicht neu… (mehr …)

Wie nennt man das? Zwischenjubiläum?

Ich bitte um die Zusendung von Zwischenglückwünschen. 😉

Kazuo Kamimura
Furious Love

Manga in Deutschland wird erwachsen. Mit angenehmer Regelmäßigkeit häuft sich die Veröffentlichungen von Stoffen, die ein Mindestmaß an Anspruch auch für Leser über 20 haben, verbunden mit der gleichzeitigen Präsentation in Formaten, für die man sich, wenn man sie öffentlich liest – nun ja, manchmal zumindest weniger schämen muß.

Auffällig ist dabei, wie stark sich vor allem Carlsen Comics, wohl in dem Versuch, Trends zu setzen, aus dem Fundus der Gekiga bedient. Das ist der in den fünfziger Jahren entstandene realistische japanische Comic, der seine inhaltliche Verwandschaft zu den amerikanischen Pulp-Krimis der vierziger und fünfziger Jahre nicht leugnen kann. Was Wunder, war doch nicht nur der amerikanische Hard-boiled-Schreiber Mickey Spillane mit seiner stakkatoartigen Erzählweise erklärtes Vorbild dieser japanischen Zeichnerszene. Auch die Produktionsbedingungen waren ähnliche: für wenig Geld mußte schnell, vor allem aber pünktlich geliefert werden, für Magazine, die ihre Leser wöchentlich mit harten, blutigen, sexuell aufgeladenen Geschichten köderten, und ihren Zeichnern wenig dafür zahlten, in einem konstanten, die Preise drückenden Wettbewerb.

Kunst entstand so auch, denn diese Zeichner waren trotz der miserablen Arbeitsbedingungen oft begeistert bei der Sache. Aber darum ging es nicht. Wie keine andere japanische Zeichnerszene lieferten die Gekiga-Männer (Frauen konnten sich in diesem Genre nicht etablieren) Erzählungen aus dem Bauch, die schnell, direkt und ohne Umschweife zur Sache kamen, und die oft genug die Lebenssituation und die Gefühle derjenigen reflektierten, die diese Comics produzierten. Es war das Aufkommen des Realismus im Manga – Gekiga gab dem japanischen Comic, der bis dahin auf eskapistische Kindergeschichten konzentriert war, die nötige Bodenhaftung und hatte damit dauerhafte Auswirkung auf die gesamte japanische Comiclandschaft.

Was uns zu „Furious Love“ führt. Der handelt vordergründig vom berühmten Maler Hokusai (1760 – 1849), einem der Säulenheiligen der japanischen Malerei. Aber das ist natürlich alles nur Trickserei. Kazuo Kamimura, hierzulande vor allem als Zeichner der drei Bände „Lady Snowblood“ bekannt, die angeblich oder auch nicht Quentin Tarantino zu „Kill Bill“ inspiriert haben sollen, hat kein Interesse an einer historisch akkuraten Darstellung des Lebens des Malers.

Statt dessen schildert Kamimura Geschichten, die ganz offensichtlich dem eigenen Erleben entnommen sind: wie man in den Künstlerkreisen vordergründig Freundschaften pflegt und sich zu Besäufnissen trifft, während hinten rum einer das Werk des anderen (und dessen Verkäufe) argwöhnisch begutachtet. Wie zunehmend die Verlage die Kontrolle über den Bildausstoß (und die Bezahlung der Künstler) übernehmen und damit auch die Inhalte diktieren. Wie einzelne Künstler sich mit dem Zeichnen von Pornografie widerwillig über die Zeiten bringen und andere sich durch die Tage hungern.

„Furious Love“ ist eine Mischung aus Tragik und luftmachenden Eulenspiegeleien, die die dargestellten Künstler in diesem Episodencomic, der eigentlich keine klar definierte Handlung hat, sich und ihren Verlegern spielen. Wobei die größte Eulenspiegelei sicher die ist, dass es Kamimura geglückt ist, ein derart zum Schluß auf fast tausend Seiten angewachsenes hemmungsloses Auskotzen über die japanische Manga-Industrie, nur notdürftig verkleidet als Historien-Comic, tatsächlich veröffentlichen zu können.

Auch in Deutschland konnte dieser Manga wohl nur durch Trickserei platziert werden. Titel und Cover verweisen eher auf eine tragische Liebesgeschichte, als auf das, was es ist: ein ganz sicher nicht erzählerisch herausragender, dafür aber direkter, mitunter derber Einblick in die japanische Comicindustrie für den, der die Erzählung zu entschlüsseln vermag. (stefan pannor)

Carlsen Manga, 360 S.; €14,90

Bei der Gelegenheit verweise ich gleich mal auf verwandte Texte hier:

Das Forum der Comic Combo zieht um, darum hängen die jüngsten Texte für den Shop ein wenig im Limbo fest. Um nicht noch länger zu warten, präsentiere ich sie vorab schon mal hier.

Die Links reiche ich nach geglücktem Umzug rüber. Versprochen. 🙂

Francois Bourgeon
Das Mädchen von Bois-Caiman

Es hat ihm wohl keine Ruhe gelassen. Ende der siebziger Jahre schrieb und zeichnete der Franzose Francois Bourgeon die Albenreihe „Reisende im Wind“ über die Zeit der letzten großen Sklaventransporte in die USA Ende des 18. Jahrhunderts. Mit der darin vorexerzierten historischen wie grafischen Genauigkeit und Detailfreude etablierte er sich als eines der herausragenden Talente des europäischen Comic. Gleichzeitig ließen sich die fünf Teile als eine durchgängige Erzählung lesen statt als Abfolge einzelner Abenteuer. Beeinflußt fraglos vom großen Hugo Pratt, experimentierte Bourgeon mit dem Umfang der Comicerzählung, die zu jener Zeit in Frankreich ebenso wie in den USA in ein einengendes Seitenkorsett gesperrt war, und wies dem europäischen Comic damit auch formal neue Wege.

Dreissig Jahre später greift Bourgeon den Faden wieder auf, in einer Erzählung, die sowohl als Epilog wie auch als Fortsetzung begriffen werden kann. Achtzig Jahre nach den Ereignissen der ursprünglichen Serie erzählt er sowohl in Rückblenden vom weiteren Schicksal der Hauptfigur Isabeau aus der originalen Serie, als auch von dem ihrer Enkelin gleichen Namens während des Sezessionskrieges. Dabei könnte der Kontrast größer nicht sein: die hundertjährige Isabeau ist weiterhin weltoffen und lehnt die Sklaverei ab, die junge Frau dagegen glühende Verfechterin einer Rassentrennung und überzeugt, dass man die Schwarzen kleinhalten müsse, damit sie das weiße Amerika nicht überrennen.

Es ist das Problem nahezu jeder Fortsetzung, daß sie ohne das Original schlecht funktioniert. So auch hier. „Das Mädchen von Bois-Caiman“ ist ein Nachklapp, der sich erst nach Kenntnis der ursprünglichen Reihe erschließt. Aber was für ein Nachklapp!

Zum einen zeigt sich Bourgeon weiterhin auf der Höhe seiner Kunst als Zeichner. Gestützt ganz offenbar auf einer Vielzahl zeitgenössischer Illustrationen, Stiche und auch bereits Fotografien, entwirft er ein atemberaubendes Bild vom amerikanischen Süden im Bürgerkrieg aus unzähligen Einzelillustrationen. Wie oft bei Bourgeon steht weniger die Erzählung im Vordergrund, und mehr der Ort, an dem sie spielt, und den der Zeichner mit sicherem Gespür für Details rekonstruiert.

Darüber hinaus verwirrt Bourgeon den Leser, indem er eine offenkundig unsympathische, rassistische Frau zur Hauptfigur, ja sogar zur Heldin der Erzählung macht. Als Autor verweigert sich Bourgeon zumindest im ersten teil seiner neuen Geschichte dem besseren Wissen der Nachgeborenen, dass Sklaverei abzulehnen ist, und schafft mit Isabeau und den weiteren handelnden Personen (nahezu allesamt Nachkommen des Personals der ersten Albenserie) Figuren, die dem Denken ihrer Zeit verhaftet sind.

Nicht nur die grafische, sondern auch die geistige Rekonstruktion einer vergangenen Epoche ist also das Ziel des Zweiteilers. Das ist gegenüber der mitunter etwas besserwisserischen ersten Serie nochmals eine Steigerung. Und vielleicht ist es das, was Bourgeon, gereift und altersweise, mit der Rückkehr zu diesem Titel erreichen wollte. (stefan pannor)

Splitter Verlag, 80 S.; € 17,80