Stellen wir uns vor, Jesus wäre zurück gekommen.

Und damit meine ich nicht die Ostergeschichte, und auch nicht die sonstige, wie auch immer projektierte Rückkehr des Heilands. Nein, stellen wir uns vor, er wäre nach der Himmelfahrt gleich nochmal umgedreht und nochmal für ein paar Tage auf Erden gewandelt. Und dann nochmal. Und nochmal.

Als Geschichte wäre das gar nicht gut gekommen. Der einzige, der sowas darf, ist Columbo, und das auch nur, weil er Peter Falk ist.

Nun liegt es mir fern, Fix & Foxi mit Jesus oder Peter Falk gleichzusetzen. Aber auffällig ist es schon, wie gering das Interesse an der umpfzigsten Auferstehung dieses Comics ist, der von manchen (die zu faul sind, nach besseren Begriffen zu suchen) als „Kultcomic“ bezeichnet wird, der in den sechziger und siebziger Jahren mal eine ernsthafte Konkurrenz zu den übermächtigen Disney-Comics darstellte, und das noch dazu aus deutscher Produktion (mehr oder weniger – Fix & Foxi-Erfinder Rolf Kauka war bekannt dafür, grade in den Anfangstagen der Reihe preiswerte Zeichnertalente aus dem Ostblock zu engagieren), der aber vor allem in den letzten zwanzig Jahren von massiver Erfolglosigkeit geplagt wird.

Auch historische Bedeutung kann sich eben abnutzen.

Fix & Foxi hat einmal gezeigt, dass es möglich ist, Comics in Massenproduktion in der BRD erfolgreich herzustellen, das ist die historische Leistung des Titels auf dem ansonsten notorisch von Importen geprägten deutschen Comicmarkt. (Martin Jurgeit vermerkt eine Auflage von 400.000 Stück pro Woche auf dem historischen Höchststand mit diesem Konzept.) Spätestens seit dem Ausweichen auf preiswerte spanische Zeichner ab den achtziger Jahren wurde dieses Konzept freilich selbst zu Grabe getragen, und spätestens seit den neunziger Jahren wollte das dann kaum einer mehr lesen – aus dem Wochen- wurde ein Monatstitel, und als in dem ein Bild von Madonna erschien, entzog der ebenso schwer reiche wie schwer konservative Rolf Kauka dem veröffentlichenden Verlag die Lizenz. Das war 1994

Seither wandert die Fix & Foxi-Lizenz herum. 2000 veröffentlichte Ehapa drei Ausgaben der Reihe, ehe die Füchse wie zwei heiße Kartoffeln fallen gelassen wurden. 2003 erschien ein einzelner Band als Hardcover bei Pabel-Moewig, ohne groß Folgen zu haben, 2005 ein weiterer im Rahmen der BILD-Comic-Bibliothek bei Weltbild. In dem Jahr übernahm auch der Tigerpress-Verlag die brachliegende Lizenz. Vier Jahre dauerte das Experiment an, Fix & Foxi zurück an den Kiosk zu bringen, ehe man bei mageren 18.000 abgesetzten Exemplaren letztes Jahr die Läufe streckte – Tigerpress meldete Konkurs an.

Nun also New Ground Publishing, dahinter steckt zumindest zu Teilen der Holtzbrinck-Verlag bzw. Droemer Knaur. Das Heft liegt seit letzten Freitag an den Kiosken aus, mit einer – im Vergleich zu Tigerpress – astronomischen Startauflage von 55.000.

Aber ohne jede Beachtung.

Nun, nicht ganz. Der schon erwähnte Martin Jurgeit hat im Tagesspiegel den oben verlinkten handfesten Artikel geschrieben. Und das ZDF hat zu seiner Sendezeit, die von anderen mitten in der Nacht genannt wird, einen okayen Beitrag ausgestrahlt. Aber sonst? Google News meldet mir 49 Beiträge zur Rückkehr von Fix & Foxi, aus denen acht werden, wenn ich sie anklicke – sieben davon basieren auf ein- und derselben Agenturmeldung. (Das erratische Google hat noch während des Verfassens dieses Eintrages daraus fünf bzw. sieben Beiträge gemacht.)

Als Fix & Foxi zuletzt eingestellt wurde, berichteten fast alle großen und viele kleine Feuilletons und Magazine des Landes eigenständig darüber. Die Welt verfaßte einen Nachruf, die Frankfurter Rundschau, SPON, die Süddeutsche Zeitung – und das sind nur die, nach denen ich gesucht habe bzw. von denen ich wußte.

Heute dagegen? Desinteresse auf breiter Front. Eine kurze Umfrage unter den Redakteuren, für die ich schreibe – kein Interesse, ausgelutscht, alles dazu gesagt. Und das stimmt vielleicht sogar. Die Artikel zur Insolvenz von Tigerpress sind grade mal vier Monate alt. Sind Fix & Foxi vielleicht zu früh auferstanden?

Sicher liegt es auch an der scheinbar eher kleinen Pressearbeit des neuen Verlegers. Zwar wurde das Konzept auf der Frankfurter Buchmesse eventartig vorgestellt. Aber gab es danach noch Pressearbeit? Wurden die Hefte vorab verschickt? Der Erscheinungstermin lag in der kritischen Zone der ersten Januarwoche, wenn die meisten Redaktionen erstmal Liegengebliebenes aus zwischen den Jahren aufarbeiten, wenn die Medienmaschine noch nicht ganz so in Gang ist. Sind Fix & Foxi, wenn sie denn schon in einer so schwierigen Zeit starten, vielleicht zu leise aufgetreten?

Und lag es am Ende vielleicht auch daran, dass das neue Fix & Foxi, jedenfalls auf den ersten Blick, zu wenig Eigenheit ausstrahlt? Ein Heft mit Gimmick, Comic und Wissensteil (mal sehen, wann das jemand „Knowick“ oder so nennt) – was ist der Unterschied zu einem gefühlten Hundert ähnlicher Publikationen?

Fakt ist: in unserer notorisch jubiläumsgeilen Medienlandschaft, in der jeder halbwegs runde Geburtstag von irgendwas lange Artikelstrecken nach sich zieht, in der sich an alles erinnert wird, was sich bewegt oder auch nicht, in einer Medienlandschaft also, in der Retro ein inhaltsbestimmender Trend geworden ist, finden Fix & Foxi nicht statt, obwohl es einen Anlaß dazu gibt.

Und das ist doch faszinierend.

PS: Ein sehr lesenswerter Artikel zur Fix & Foxi-Re-Re-Relaunch-Verkündigung bei Comicgate.

13 Responses to “Manchmal interessiert es keine Sau. „Fix & Foxi“ kommen zurück – unter Ausschluß der Öffentlichkeit”

  1. Steve Jones says:

    Sehr geehrter Herr Pannor, ein schlecht-recherchierteren Artikel habe ich leider noch nicht gelesen.

    Mal für Sie ein paar fakten:
    Ihr Zitat „Das Heft liegt seit letzten Freitag an den Kiosken aus, mit einer – im Vergleich zu Tigerpress – astronomischen Startauflage von 55.000“

    Ein mal Google „Tigerpress Fix Foxi Auflage“ ergibt: http://www.kaukapedia.com/index.php?title=Tigerpress „…auflage des ersten Heftes 200.000…“

    Mit freundlichen Grüßen, Steve Jones

  2. Stefan says:

    Gemeint war natürlich die Schlußauflage von Tigerpress.

  3. Lupo says:

    Dem Artikel -soweit ich ihn verstanden habe- entnehme ich:
    Fix&Foxi-Tigerpress, letzte Ausgabe: 18.000
    Startauflage New Ground: 55.000
    Der Unterschied dieser beiden genannten Auflagen ist mit ‚astronomisch‘ flapsig, aber treffend beschrieben.
    Dass diese beiden Auflagenhöhen in Relation gesetzt wurden, ergibt sich mMn allein schon daraus, dass nur diese beiden Auflagenhöhen genannt wurden.
    Die Information, dass die -in diesem Zusammenhang völlig irrelevante- STARTauflage bei Tigerpress 200.000 betrug hat mich in den Kommentaren jetzt eher verwirrt, als genutzt, da sie mein ursprüngliches Textverständnis in Frage stellte, welches sich dann doch als das richtige erwies…

  4. Gedankenblasen » Blog Archiv » Ein Sack voll Links - 18. 1. 2010 says:

    […] Von den meisten unbemerkt hat es in der letzten Woche schon wieder einen Relaunch des ehemaligen deutschen Vorzeige-Comics Fix und Foxi gegeben. Stefan Pannor kommentiert dies sehr treffend. Manchmal interessiert es keine Sau. “Fix & Foxi” kommen zurück – unter Ausschl… […]

  5. Susumu says:

    18.000 ist allerdings -laut Artikel- die abgesetzte Stückzahl, kann man demnach doch auch nicht unbedingt mit der gedruckten Auflage vergleichen?

  6. Sündenbock says:

    „Sehr geehrter Herr Pannor, ein schlecht-recherchierteren Artikel habe ich leider noch nicht gelesen.“

    Ich schon, aber ich lese auch täglich etwas Zeitung.

    „Mal für Sie ein paar fakten:
    Ihr Zitat “Das Heft liegt seit letzten Freitag an den Kiosken aus, mit einer – im Vergleich zu Tigerpress – astronomischen Startauflage von 55.000″

    Ein mal Google “Tigerpress Fix Foxi Auflage” ergibt: http://www.kaukapedia.com/index.php?title=Tigerpress “…auflage des ersten Heftes 200.000…”“

    Das war jetzt genau EIN Fakt, und das ist, wie oben ausgeführt, hier ziemlich unerheblich.
    Noch dazu klingt es irgendwie komisch, wenn ein Verleger sinngemäß damit herumtönt: „Gar nicht wahr! Wir glauben auch nicht, dass unser Heft ein großer Erfolg wird und verkaufen viel weniger Hefte als unser pleite gegangener Vorgänger!“ Was soll uns dieses Statement denn bitte für eine Botschaft überbringen? Ich verstehe nicht…

    Ich suche seit Tagen nach Meldungen zum neuen Heft, und finde fast gar nichts, stimme also dem Artikel voll zu.

    Was ich nun aber peinlich finde ist, wenn ein Herausgeber sich die Mühe macht, sein eigenes Produkt im Comicforum zu verfolgen (anstatt einfach mal die Verkaufszahlen abzuwarten, das Kind ist ja nun schon mal im Brunnen) und sich dann in einem kleinen Blog unbedingt derart produzieren muß.

    Nun ja, manch einer braucht vielleicht für das bereits vorprogrammierte Scheitern eben eine Entschuldigung, und wenn es im neuen Fix und Foxi-Heft dafür keinen Bastelbogen zu kaufen gibt, schiebt man eben die Schuld auf die unabängigen Journalisten, die mit ihrer „schlecht recherchierten“ Pressearbeit alles ganz böse kaputt machen.

  7. Steve Jones says:

    Die vermeindliche „Schlussauflage“ mit der jetzigen Erstauflage zu vergleichen kann man aber auch, das müssen Sie zugeben, als mindestens grob Fahrlässig oder absichtlich bezeichnen.

  8. Sündenbock says:

    ICH muß gar nichts, Herr Jones.
    Das mal vornweg.
    Grobe Fahrlässigkeit oder Absicht WOBEI?

    So etwas wie eine „Fahrlässige freie Meinungsäußerung“ gibt es in unserem schönen Land nicht. Es wäre absurd, wie „fahrlässiges Überqueren der Straße bei Grün“. Fahrlässig handelt nur, wer etwas Falsches tut, ohne sich dessen bewusst zu sein, der es aber besser wissen musste.
    Ich unterstelle jetzt mal, dass der Autor in der Tat absichtlich schreibt, was er schreibt. Vorsatz spielt aber auch nur bei strafbaren oder schädlichen Handlungen eine Rolle.

    Gott sei Dank hat jemand unseren deutschen Gesetzgebern die weise Eingebung mit auf den Weg gegeben, in Deutschland die Pressefreiheit einzuführen.

    Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, man könne Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Äpfel sind runder, meist härter und bunter. Ganz klarer Vergleich.

    Startauflage, Schlußauflage – Apfel, Birne – To-may-to, To-mah-to

    Hier hat niemand ihr schönes Heft in irgendeiner Weise beschmutzt, also: immer Ruhe bewahren. Bluthochdruck schadet der Gesundheit.

  9. Stefan says:

    Zu den 18.000 Exemplaren:

    „Die Auflage habe sich innerhalb eines Jahres von rund 50.000 auf nur noch 18.000 Hefte verringert und auch das Anzeigenaufkommen sei stark rückläufig.“

    (Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3929257/Fix-und-Foxi-Verlag-Tigerpress-ist-pleite.html)

  10. Lupo says:

    „Die vermeindliche “Schlussauflage” mit der jetzigen Erstauflage zu vergleichen kann man aber auch, das müssen Sie zugeben, als mindestens grob Fahrlässig oder absichtlich bezeichnen.“

    Natürlich war das Absicht. Denn nur dieser Vergleich ist sinnvoll: Die Auflage JETZT mit der letzten DAVOR zu vergleichen. Alles andere wäre ungefähr so aussagekräftig, wie die jetztige Auflage mit der der 50er, 60er, 70er,… Jahre zu vergleichen.

  11. Steve Jones says:

    Herr Anonymer Sündenbock, sie haben vollkommen Recht. Ihre Meinung stimmt.

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  13. Hippie says:

    Dear Mr. Jones,

    just stay loose ;). Fix & Foxy are oldschool and cool.

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