Der fleissigste Comiczeichner der Welt

Phänomen Osamu Tezuka: er hat das umfangreichste Einzelwerk eines Comiczeichners überhaupt geschaffen und die japanische Kultur wie kein zweiter geprägt. Ausserhalb Japans kennt ihn kaum jemand.

von Stefan Pannor

Astro BoyEr hat die Manga-Augen erfunden: Osamu Tezuka, der berühmteste japanische Comiczeichner. Ab 1947 gab er seinen Figuren diese großen, stets ein wenig feucht glänzenden Kulleraugen, aus denen sie staunend in die Welt schauten. Unzählige Künstler übernahmen dieses Stilmittel von ihm. Inzwischen findet es sich in so vielen japanischen Comics und Zeichentrickfilmen, dass viele fälschlicherweise glauben, sie wären alleiniges Merkmal japanischer Comics. In Deutschland wurden die Manga-Augen vor allem durch Trickfilmserien wie „Heidi“ ab den achtziger Jahren berühmt.

Osamu Tezuka (1928 – 1989) gilt in Japan heute als „Gott des Manga“. Nicht nur wegen der Augen. Wie kein zweiter hat Tezuka die japanische Alltagskultur der Nachkriegszeit geprägt. Er machte den Comic in Japan hoffähig und brachte den Trickfilm ins Land (indem er seine eigene Bücher verfilmte). Damit begründete er eine der Säulen des modernen japanischen Selbstverständnisses sowie die heute milliardenschwere Industrie der „Anime“.

Sein Lebenswerk ist nahezu unfassbar gewaltig. Read the rest of this entry »

[Pierre] Assouline, 1953 in Casablanca geboren, war bereits vor dem Internet eine Größe des literarischen Lebens in Frankreich. Er arbeitete als Literaturkritiker und Kulturberichterstatter für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und für das Radio, unter anderem für die legendäre sonntägliche Sendung “Le masque et la plume”, in der seit den Fünfzigerjahren das kulturgesinnte Herz Frankreichs schlägt. Ein Jahrzehnt lang war er Chefredakteur der Kulturzeitschrift “Lire”. Daneben hat er mehrere populäre Biografien geschrieben, etwa über Georges Simenon und Hergé. Die zu Daniel-Henry Kahnweiler (“Der Mann, der Picasso verkaufte”) und Henri Cartier-Bresson sind auch auf Deutsch erschienen. Assouline ist überdies ein überaus erfolgreicher Romancier. Einige seiner Romane sind ebenfalls in deutschen Verlagen erschienen, zuletzt “Lutetias Geheimnisse” bei Blessing, wo im Herbst auch der nächste Titel erscheinen wird, “Das Bildnis der Baronin”.

Voilà, ein Homme de lettres, wie er im Buche steht.

Aus Der Freitag: Der Online-Reich-Ranicki

Sind Comics Literatur und lesen Sie selber Comics? Bernhard Wien

Nein, nein, nein.

Marcel Reich-Ranicki in seiner FAZ-Rubrik Fragen Sie Reich-Ranicki.

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Als die Schlümpfe lila wurden …
Politisch entschärfte „Schlumpf“-Ausgabe in den USA

von Stefan Pannor

'The Purple Smurfs', (c) Papercutz/ Peyo

Ein harmloser Comic für Kinder: ein Schlumpf geht in den Wald, wird dort von einem Insekt gestochen und mutiert zum Berserker, der andere Schlümpfe anfällt. Zum Glück weiß Papa Schlumpf Rat und Gegenmittel. Ende gut, alles gut.

Da ist nur ein Problem. Der Schlumpf ist schwarz und sein Sprachvermögen äußerst begrenzt. “Haps!” ist das einzige, was er sagen kann. Höhepunkt der Geschichte: eine ganze Rotte fieser schwarzer Schlümpfe, die die blaue Zivilisation bedroht.

Ist das rassistisch? In den USA ist die Episode, von Schlumpf-Erfinder Peyo 1963 gezeichnet, noch nie erschienen, im Gegensatz zu vielen anderen. Der Kleinverlag Papercutz wird sie dort diesen Sommer veröffentlichen, erstmals in englischer Sprache überhaupt. Mit einer Änderung. Die bösen Schlümpf darin sind lila. Read the rest of this entry »

Ayroles/ Maiorana
Garulfo

Alain Ayroles: GarulfoWie leicht liesse sich diese Rezension mit Allgemeinplätzen füllen! Etwa der hier: Natürlich ist das Gras auf der anderen Seite des Zaunes immer grüner. Für Garulfo ist diese andere Seite des Zaunes die Menschengegend. Denn Garulfo ist ein Frosch, und als kleiner Hüpfer bewundert er die Menschen. Solange, bis er selbst einer wird.

Oder der hier: Die Umkehrung klassischer Märchenmotive im Comic ist nichts Neues, Serien wie „Fables“ (Vertigo, dt. bei Panini) und ihre Ableger beackern das weite Feld regelmässig. Insofern wäre es ein leichtes, „Garulfo“ als weiteren Mitreiter auf dieser Welle abzutun. Im Kern ist es eine verdrehte Mär vom Froschkönig. Erst will der Frosch ein Mensch sein. Aber als er die Menschen besser kennen lernt, wäre er lieber gern ein Frosch. Nur findet er als wunderschöner Prinz keinen, der ihn küssen – und damit erlösen – will.

Es spricht durchaus für Werke, wenn sie solche Allgemeinplätze beim Kritiker herausfordern. Denn das bedeutet, dass solche Erzählungen etwas sehr Allgemeingültiges ansprechen, hier in diesem Fall eine allgemeingültige Zivilisationskritik (auch wenn der Comic in einer Art Märchenmittelalter spielt). Menschen lügen, betrügen, intrigieren, Sex hat einen viel zu hohen Stellenwert und, ach ja, sie fressen Tiere. Pfui.

So weit, so richtig. Aber auch so bekannt.

Das Besondere an „Garulfo“ liegt tiefer. Read the rest of this entry »

Hubert & Kerascoet
Fräulein Rühr-mich-nicht-an

Fräulein Rühr-mich-nicht-anProstitution als Ausbruch aus einengenden Strukturen: schon Bunuel hat in seinem Film „Belle de Jour“ dieses Thema behandelt. Für seine Heldin, gespielt von Catherine Deneuve, ist der Weg ins Bordell ein Ausweg aus den bürgerlichen Verhaltensnormen und einem grundsätzlich als unbefriedigend empfundenen Leben.

Blanche, die Hauptfigur in „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“ flieht auch ins Bordell, aber aus einem völlig anderen Grund: ihre Schwester wurde ermordet und sie vermutet den Mörder im Dunstkreis des Etablissements. Ausserdem weiss sie nicht, wohin sonst. Die Pointe: sie ist Jungfrau und will es auch bleiben. Read the rest of this entry »

Brian Fies
Und wir träumten von der Zukunft

Brian FiesIn der Tat lässt sich am Comic wie an keinem anderen Medium der Wandel der Zeiten ablesen – von einem unbedingten Fortschrittsglauben zu einem hemmungslosen Zukunftsskeptizismus.

Aus den einstmals strahlenden Superhelden, den stählernen Raumfahrern der europäischen Abenteuer-Comics, den alleserfindenden Wissenschaftlern sind in der Regel gebrochene, düstere Figuren geworden. In heutigen Science-Fiction-Comics dominiert das düstere und beklemmende. Nur noch Daniel Düsentrieb kriegt wirklich alles hin.

Brian Fies greift diesen Gedanken in seinem jüngsten Buch auf, indem er in Form einer Bildgeschichte die Entwicklung des Zukunftsglaubens der vergangenen siebzig Jahre nachzeichnet. Fies wurde vor einigen Jahren bekannt durch den Comic „Mutter hat Krebs“, dem realistischen und traurigen Abriss des langsamen Sterbens seiner Mutter in Form von Comicstrips. „Und wir träumten von der Zukunft“ liest sich wie ein positiver Gegenentwurf zu dem tragischen Vorgänger. Read the rest of this entry »

Francois Schuiten/ Benoit Peeters
Die Sandkorntheorie
Die Comics aus dem Zyklus der „Geheimnisvollen Städte“ zählten schon immer zu den rätselhaftesten Erzählungen überhaupt. Nahezu jeder Band handelt von irrationalen, selten auch nur versuchsweise erklärten Ereignissen in einer meist vollkommen rationalen Welt. Das und der extrem kalkulierte, unterkühlte Strich der Geschichten (neben dem sich Hergé mit seiner „ligne claire“ wie ein wilder Revoluzzer ausnimmt), der in vollkommenem Kontrast zur Irrationalität der Ereignisse steht, machen die Geschichten um obskure Städte, fantastische Stadtplaner und durchgeknallte Städtebauer zu einem schwer kategorisierbaren (und damit auch schwer verkäuflichen) Titel. Oder kurz: diese Comics sind so originell und originär, dass es schlicht keine Schublade für sie gibt. Der Kunde aber braucht seine Schubladen.

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Das Blut aus der Geschichte saugen
„American Vampire“: Stephen King analysiert zwei Sollbruchstellen der amerikanischen Geschichte mit seinem neuesten Comic

von Stefan Pannor

Stephen King - American VampireEs beginnt, wie oft bei Stephen King, mit einem Schriftsteller. „Ich habe nur einen Roman in meinem Leben geschrieben – ‘Böses Blut’ – aber das hat genügt, um mich reich zu machen“, beginnt der fiktive Autor Will Bunting seine Erzählung von dem Desperado Skinner Sweet, der in Colorado in den letzten Tages des wilden Westen nach einem gescheiterten Bankraub in Gefangenschaft von einem Vampir gebissen und darauf selbst zum Blutsauger wird.

Es ist die Erzählung einer Erzählung. Sie handelt vordergründig davon, wie Will Bunting eines Tages seinen Roman schreiben wird. Aber auch davon, welche vorgeblich realen Ereignisse er in diesem Buch schildern wird. Kings finaler Dreh: „American Vampire“, diese Geschichte über Blutsauger und Bücher, ist kein Buch, sondern ein Comic.

Natürlich ist das eine Sensation. Es ist der erste wirklich nach einem originalen Skript von King gezeichnete Comic, sieht man einmal von zwei Seiten in einem „X-Men“-Comic der achtziger Jahre ab – einem Benefizbuch für die Afrika-Hungerhilfe.

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Eine Bande von Verrückten
Jimmy Gownleys Comicserie AMELIA IST DIE GRÖSSTE! kreuzt die „Peanuts“ mit „Calvin & Hobbes“!

Jimmy Gownley - AmeliaKleines Mädchen, großes Mundwerk: in ihren brüllend komischen Comics berichtet die neunjährige Amelia aus ihrem ungewöhnlichen Alltag.

Dass ihre Eltern frisch geschieden sind, ist für die kleine Amelia kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Denn sie zieht mit ihrer Mutter in eine Kleinstadt, zu ihrer Tante Tanner, einem ehemaligen Rockstar, und vielen neuen Freunden, einer abgedrehter als der andere.

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Vampire in Franken
Mit COURTNEY CRUMRIN ins europäische Gruselabenteuer

Ihr viertes Abenteuer führt die amerikanische Zauberschülerin Courtney Crumrin direkt nach Franken – und gegen Vampire, die sympathischer sind, als sie sein sollten.Man sagt von Courtney Crumrin, dass nachts die Monster vor ihr reißaus nehmen.

Courtney CrumrinVier Bände mit der sympathisch-unsympathischen Heldin liegen bereits vor. Im jüngsten, COURTNEY CRUMRIN & DIE UNGEHEUER DER ALTEN WELT, reist die amerikanische Zauberschülerin weit in die Fremde – nach Europa. Ihre Fahrt führt sie dabei in die tiefen Wälder Rumäniens und über die Pflasterstraßen Frankens!

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