{"id":113,"date":"2007-12-05T20:35:48","date_gmt":"2007-12-05T19:35:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=113"},"modified":"2007-12-28T14:41:41","modified_gmt":"2007-12-28T13:41:41","slug":"aktuelle-comicrezension-63-david-kendall-hrsg-the-mammoth-book-of-best-war-comics","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=113","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (61): David Kendall (Hrsg.) &#8218;The Mammoth Book of Best War Comics&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (61): David Kendall (Hrsg.) &#8218;The Mammoth Book of B...\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=113\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p>Ein Buch, dass auch f\u00c3\u00bcr mich \u00c3\u00bcberraschend kam. Erschien es doch bei einem britischen Belletristikverlag, der bisher kaum etwas mit Comics zu tun hatte &#8211; und die wenigen Versuche waren eher kaum der Rede wert. Ansonsten aber einer der besten B\u00c3\u00a4nde des Jahres.<\/p>\n<p>Der vorliegende Text entstand wie stets f\u00c3\u00bcr die Leipziger <em>Comic Combo<\/em> und f\u00c3\u00bcr <em>satt.org<\/em>, Sie finden ihn also <a href=\"http:\/\/www.satt.org\/comic\/07_11_war-comics.html\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/comic-combo-leipzig.de\/forum\/wbb2\/thread.php?threadid=154\">hier<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>David Kendall (Hrsg.)<br \/>\n<strong>The Mammoth Book of Best War Comics<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.satt.org\/grafiken7\/best-war.jpg\" title=\"Mammoth Book of Best War Comics\" alt=\"Mammoth Book of Best War Comics\" width=\"230\" \/><br \/>\nEs sollte ein Spaziergang nach Paris werden. Die deutsche Kriegspropaganda versprach 1914 bei Ausbruch des 1. Weltkriegs einen leichten Sieg. Dieser \u00e2\u20ac\u017eSpaziergang\u00e2\u20ac\u0153 endete wenige Wochen darauf sechzig Kilometer vor Paris an der Marne und wandelte sich dort in einen vierj\u00c3\u00a4hrigen zerm\u00c3\u00bcrbenden Grabenkrieg.<\/p>\n<p>Schon immer machte sich Kriegspropaganda das Bild vom gloriosen Soldaten zunutze, der ohne eine Schramme und mit dem Vaterland im Herzen durch die \u00c3\u0153bermacht der Feinde m\u00c3\u00a4ht. Als die USA in den 2. Weltkrieg eintraten, standen auch deren Comicfiguren stramm. Micky Maus, Donald Duck, Superman und viele weitere wurden als Vorbilder in ihren Geschichten auf die Schlachtfelder der Welt geschickt. Legend\u00c3\u00a4r ein Comic, in dem Superman auf nur zwei Seiten erst Hitler, dann Stalin festnimmt, vor ein internationales Tribunal stellt und den Weltkrieg eigenh\u00c3\u00a4ndig beendet. Das war 1943, zwei Jahre vor dem wirklichen Ende, f\u00c3\u00bcr das es keinen Superman gab.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Comic fand der strahlende Soldat der Kriegspropaganda f\u00c3\u00bcr Jahrzehnte seine zweite Heimat. Nach 1945 machten sich unz\u00c3\u00a4hlige Verlage an die Abarbeitung der Vergangenheit. Und an die Aufarbeitung der neuen Zeit. Korea und Vietnam boten neuen Stoff f\u00c3\u00bcr falsche Geschichten \u00c3\u00bcber Heldentum. Die Hauptfiguren jener oft jahrzehntelang laufenden Serien trugen martialische Namen wie \u00e2\u20ac\u017eSgt. Rock\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eNick Fury\u00e2\u20ac\u0153. In England gab es die \u00e2\u20ac\u017eCombat Picture Library\u00e2\u20ac\u0153 und die \u00e2\u20ac\u017eWar Picture Library\u00e2\u20ac\u0153, die in fast endloser monatlicher Abfolge ein im wahrsten Sinn des Wortes blutleeres Bild vom Krieg repetitierten. (Und in Deutschland gab und gibt es die \u00e2\u20ac\u017eLandser\u00e2\u20ac\u0153-Romanheftchen, kein Comic, aber ebenso geschichtsklitternd.)<\/p>\n<p>Wie es auch anders geht, zeigte etwa Keiji Nakazawa ab 1972 in seinem Manga-Epos \u00e2\u20ac\u017eBarfuss durch Hiroshima\u00e2\u20ac\u0153, das die Kriegs- und Nachkriegszeit Japans eindringlich, detailliert und ehrlich schilderte. In Europa waren es K\u00c3\u00bcnstler wie Jaques Tardi, die ab den Siebzigern die blutige Vergangenheit des Kontinents ohne falschen Pathos aufarbeiteten. Und Will Eisner erinnerte sich in seinen langen Comicromanen an die eigene Zeit in mehreren Kriegen.<\/p>\n<p>Das von David Kendall herausgegebene \u00e2\u20ac\u017eMammoth Book of Best War Comics\u00e2\u20ac\u0153 wagt auf 500 Seiten einen \u00c3\u0153berblick \u00c3\u00bcber das Genre der Kriegscomics. Kendall f\u00c3\u00b6rdert Perlen zutage. Etwa Nakazawas sechzigseitige Urfassung von \u00e2\u20ac\u017eBarfuss durch Hiroshima\u00e2\u20ac\u0153 von 1963 mit dem Titel \u00e2\u20ac\u017eI SAW IT\u00e2\u20ac\u0153 (\u00e2\u20ac\u017eIch sah es\u00e2\u20ac\u0153). Oder eine winzige Episode \u00c3\u00bcber einen vietnamesischen Reisbauern aus der Anthologie-Serie \u00e2\u20ac\u017eBlazing Combat\u00e2\u20ac\u0153, wegen der diese Serie nicht mehr an US-Army-Newsstands verkauft werden durfte. Das f\u00c3\u00bchrte zum Ende der Serie.<\/p>\n<p>Mit Alex Toth, Will Eisner, Archie Goodwin und anderen versammelt der Band einige der wichtigsten Comick\u00c3\u00bcnstler des 20. Jahrhunderts. Der Band umfasst \u00c3\u00bcber vier Jahrzehnte Comicschaffen. Es ist oft keine sch\u00c3\u00b6ne Lekt\u00c3\u00bcre &#8211; aber eine gute. Das Kernst\u00c3\u00bcck des Bandes aber ist, ausgerechnet und passend, dem namenlosen Comick\u00c3\u00bcnstler \u00c3\u00bcberlassen. \u00e2\u20ac\u017eLandings in Sicily\u00e2\u20ac\u0153, erschien anonym inmitten des Pathoswulstes der \u00e2\u20ac\u017eCombat Picture Library\u00e2\u20ac\u0153. Wer die Geschichte schrieb und zeichnete, ist heute nicht mehr eruierbar. Die vollkommen unpr\u00c3\u00a4tenti\u00c3\u00b6se Comicnovelle erz\u00c3\u00a4hlt davon, wie die US-Army New Yorker Mafiosi engagiert, um schon vor der Invasion in Sizilien einen Widerstand vor Ort aufzubauen. \u00e2\u20ac\u017eDenken Sie daran\u00e2\u20ac\u0153, sagt der Offizier zum Mafia-Boss, \u00e2\u20ac\u017eauf Verrat steht bei uns die Todesstrafe.\u00e2\u20ac\u0153 &#8211; \u00e2\u20ac\u017eLustig\u00e2\u20ac\u0153, sagt der Mafiosi\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017ebei uns auch.\u00e2\u20ac\u0153 (stefan pannor)<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=113\" title=\" Aktuelle Comicrezension (61): David Kendall (Hrsg.) &#8218;The Mammoth Book of Best War Comics&#8216;\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Ein Buch, dass auch f\u00c3\u00bcr mich \u00c3\u00bcberraschend kam. 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