{"id":1188,"date":"2012-06-05T23:46:08","date_gmt":"2012-06-05T22:46:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=1188"},"modified":"2012-06-05T23:46:08","modified_gmt":"2012-06-05T22:46:08","slug":"der-kampf-der-schwulen-superhelden-directors-cut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1188","title":{"rendered":"Der Kampf der schwulen Superhelden (Director&#8217;s Cut)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Der Kampf der schwulen Superhelden (Director&#8217;s Cut)\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1188\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Don&#8217;t ask, don&#8217;t tell: \u00c3\u0153ber Jahrzehnte waren schwule Superhelden h\u00c3\u00b6chstens Randerscheinungen, \u00c3\u00bcber die eher versch\u00c3\u00a4mt erz\u00c3\u00a4hlt wurde. Innerhalb nur eines halben Jahres hat sich das allerdings drastisch gewandelt.<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Im Juli 2011 war die Welt noch einfach. Ob von  DC Comics, Verlag von Figuren wie Superman und Batman, homosexuelle Superhelden zu erwarten seien, fragte da das US-Schwulenmagazin \u00e2\u20ac\u017eAdvocate\u00e2\u20ac\u0153. Dan Didio, Co-Publisher des Verlages, wand sich diplomatisch heraus: wenn das der Fall sein sollte, w\u00c3\u00bcrde man auf jeden Fall eine neue Figur kreieren, statt die Sexualit\u00c3\u00a4t eines bestehenden Helden zu \u00c3\u00a4ndern.<br \/>\n<strong><br \/>\nNicht einmal ein Jahr sp\u00c3\u00a4ter ist diese Aussage Makulatur. <\/strong><\/p>\n<p>Green Lantern ist, wie vergangene Woche bekannt wurde, DC-Comics neuester schwuler Superheld. 2011 wurde die Figur verfilmt. Ryan Reynolds spielte den Testpiloten Hal Jordan, der mit seinem gr\u00c3\u00bcnen Kraftring f\u00c3\u00bcr Ordnung im Universum sorgt.<\/p>\n<p>Nicht Hal Jordan allerdings ist es, der jetzt homosexuell wird. Sondern die Figur des Alan Scott, eine bereits 1940 entwickelte fr\u00c3\u00bche Fassung des Green-Lantern-Helden. Der war seit Jahrzehnten vor allem f\u00c3\u00bcr Gastauftritte gut, aber nicht f\u00c3\u00bcr eine eigene Serie. Bekannt war er nur noch eingefleischten Fans.<\/p>\n<p>F\u00c3\u00bcr den Wandel wurde die Figur entstaubt und &#8211; eigentlich handelt es sich um einen gestandenen Herren \u00c3\u00bcber Sechzig &#8211; drastisch verj\u00c3\u00bcngt.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz wurde die Geschichte \u00c3\u00bcber Tage vorher angek\u00c3\u00bcndigt, nachdem Dan Didio bereits Mitte Mai bei einem \u00c3\u00b6ffentlichen Auftritt entschl\u00c3\u00bcpft war, dass ein DC-Held seine sexuelle Orientierung \u00c3\u00a4ndern w\u00c3\u00bcrde.<\/p>\n<p>Dass es am Ende nur eine Randfigur ist, die eher zuf\u00c3\u00a4llig einen bekannten Heldennamen tr\u00c3\u00a4gt, zeigt deutlich den \u00e2\u20ac\u017eJa, aber\u00e2\u20ac\u0153-Ansatz, mit dem sich nicht nur DC, sondern aktuell mindestens drei amerikanische Comicverlage einerseits um eine Emanzipation ihrer Figuren bem\u00c3\u00bchen, andererseits ihr Publikum nicht verschrecken wollen.<br \/>\n<strong><br \/>\nWarum \u00c3\u00bcberhaupt gerade jetzt? <\/strong><\/p>\n<p>Hintergrund ist vermutlich die Abschaffung der ber\u00c3\u00bcchtigten \u00e2\u20ac\u017eDon&#8217;t ask, don&#8217;t tell\u00e2\u20ac\u0153-Regel, nach der Bi- und Homosexuelle zwar in den US-Streitkr\u00c3\u00a4ften Dienst tun konnten, ihre sexuelle Neigung aber m\u00c3\u00b6glichst geheim halten sollten, durch Pr\u00c3\u00a4sident Obama im September 2011. Die Abschaffung traf auf breite gesellschaftliche Zustimmung, Anzeichen einer gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178eren gesellschaftliche Offenheit gegen\u00c3\u00bcber Homosexualit\u00c3\u00a4t in den USA.<\/p>\n<p>Seitdem bem\u00c3\u00bchen sich auch amerikanische Comicverlage um ein schwulenfreundlicheres Antlitz. Vorreiter war ausgerechnet der Verleger der \u00e2\u20ac\u017eArchie\u00e2\u20ac\u0153-Comics. Dabei handelt es sich um eine seit 1939 ununterbrochen erscheinende Palette vorrangig harmloser humoristischer Teenagercomics. <\/p>\n<p>Aufgrund ihres anhaltenden generationen\u00c3\u00bcbergreifenden Erfolges haben sie in den USA einen \u00c3\u00a4hnlich popul\u00c3\u00a4ren Status wie hierzulande die Donald-Duck-Comics. Monatlich werden mehr als eine halbe Million \u00e2\u20ac\u017eArchie\u00e2\u20ac\u0153-Comics verkauft.<\/p>\n<p>Bereits im September 2010 f\u00c3\u00bchrte der Verlag die Figur des schwulen High-School-Absolventen Kevin Keller in die \u00e2\u20ac\u017eArchie-\u00e2\u20ac\u0153-Comics ein. Zu dem Zeitpunkt war die gesellschaftliche Debatte um die Abschaffung von \u00e2\u20ac\u017eDon&#8217;t ask, don&#8217;t tell\u00e2\u20ac\u0153 bereits in vollem Gange. <\/p>\n<p>Keller ist nicht nur Soldatensohn, sondern schreibt sich in den Comics bei erster Gelegenheit in die Arme ein. Im Januar 2012 konnte er seinen Freund Clay heiraten &#8211; die erste Schwulen-Ehe in einem amerikanischen Comicheft \u00c3\u00bcberhaupt.<\/p>\n<p>Dass Marvel Comics Mitte Mai eine Schwulen-Ehe innerhalb ihrer \u00e2\u20ac\u017eX-Men\u00e2\u20ac\u0153-Serie ank\u00c3\u00bcndigten, wirkt wie ein Abklatsch der Keller-Story &#8211; und ist es vermutlich auch. \u00e2\u20ac\u017eAstonishing X-Men\u00e2\u20ac\u0153 #51, Erscheinungstermin 27. Juli 2012, soll die Hochzeit des Mutanten Northstar mit seinem Manager Kyle Jinadu erz\u00c3\u00a4hlen.<\/p>\n<p>Die in den sp\u00c3\u00a4ten Siebzigerjahren von Comicautor John Byrne geschaffene Figur des Northstar gilt als erster schwuler Superheld \u00c3\u00bcberhaupt. Verlagspolitik verhinderte jedoch mehr als zehn Jahre lang, dass das in den Comics offen angesprochen werden konnte. Erst 1992 durfte die Figur sich outen.<\/p>\n<p>Allerdings spielt Northstar ebenso wie \u00e2\u20ac\u017eGreen Lantern\u00e2\u20ac\u0153-Alan Scott eine eher beil\u00c3\u00a4ufige Rolle in den Comicheften. Der einzige Titel mit seinem Namen auf dem Cover war eine vierteilige Miniserie von 1994. <\/p>\n<p><strong>Wieso keine wirklich wichtigen Figuren? <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1050\">Noch in der April-Ausgabe des &#8222;Playboy&#8220;<\/a>hatte der \u00e2\u20ac\u017eBatman\u00e2\u20ac\u0153-Comicautor Grant Morrison unbek\u00c3\u00bcmmert erz\u00c3\u00a4hlt, dass die Figur des Fledermausr\u00c3\u00a4chers zwar heterosexuell angelegt sei, dem ganzen Konzept nach aber unverkennbar schwul. Mit seinen \u00c3\u201eu\u00c3\u0178erungen hatte er weltweit Schlagzeilen gemacht.<\/p>\n<p>Dass nun dennoch nur Figuren aus der dritten Liga f\u00c3\u00bcr die neue sexuelle Offenheit der amerikanischen Comicverlage eintreten m\u00c3\u00bcssen, ist deutliches Zeichen f\u00c3\u00bcr fehlenden Mut der Verlage. Anders als ein schwuler Batman lassen sich Northstar und Alan Scott schnell wieder in den Hintergrund des gewaltigen Figurenarsenals der Verlage schieben, sollten ihre Geschichten nicht beim Publikum ankommen.<\/p>\n<p>Denn es heisst R\u00c3\u00bccksicht auf die Leser zu nehmen. W\u00c3\u00a4hrend \u00e2\u20ac\u017eArchie\u00e2\u20ac\u0153 ein traditioneller Familiencomic mit einer weit diversifizierten Leserschaft ist, werden die Superheldenhefte von Marvel und DC vor allem von heterosexuellen M\u00c3\u00a4nnern \u00c3\u00bcber Dreissig gelesen. <\/p>\n<p>Diese nahmen bereits Morrisons \u00c3\u201eu\u00c3\u0178erungen \u00c3\u00bcber einen schwulen Batman oft mit Unbehagen auf. Superheldencomics sind traditionell Orte heterosexuell-m\u00c3\u00a4nnlicher Wunscherf\u00c3\u00bcllungsfantasien, mit hyperpotenten m\u00c3\u00a4nnlichen Helden und oft mehr als aufreizend bekleideten und anatomisch aufsehenerregenden weiblichen Figuren.<\/p>\n<p>Eine zu starkes Eindringen homosexuellen Alltags in diese Traumwelt k\u00c3\u00b6nnte also das Kernpublikum verschrecken &#8211; und das will angesichts des seit Jahrzehnten schrumpfenden amerikanischen Comicmarktes, der gerade erst 2010 eines der schlimmsten Jahre \u00c3\u00bcberhaupt erlebte, wohl niemand.<\/p>\n<p><strong>Und dann ist da der Druck der konservativen Interessensgruppen. <\/strong><\/p>\n<p>Bereits als Kevin Kellers Hochzeitscomic im Januar erschien, rief die Gruppierung One Million Moms, ein Ableger der erzkonservativen christlichen American Family Association, zum Boycott von Toys&#8217;R&#8217;Us auf. Neben Spielzeug f\u00c3\u00bchrt die Kette in den USA auch die \u00e2\u20ac\u017eArchie\u00e2\u20ac\u0153-Comics.<\/p>\n<p>Ohne Erfolg allerdings. Toys&#8217;R&#8217;Us behielt die Hefte im Angebot. Der Comic war trotz drastisch erh\u00c3\u00b6hter Auflage innerhalb weniger Tage vergriffen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Protestaufruf der One Million Moms k\u00c3\u00b6nnte bereits im Keim erstickt worden sein. \u00e2\u20ac\u017eWarnung: DC Comics k\u00c3\u00bcndigt an, dass Green Lantern schwul ist\u00e2\u20ac\u0153, hiess es noch am Freitag auf deren Facebookseite. Damit verbunden war ein Aufruf an die Anh\u00c3\u00a4nger, DC und Marvel anzumailen, die Entscheidung r\u00c3\u00bcckg\u00c3\u00a4ngig zu machen.<\/p>\n<p>\u00c3\u0153ber hundert Facebook-User innerhalb weniger Minuten f\u00c3\u00bchlten sich allerdings gar nicht gewarnt. \u00e2\u20ac\u017eGay Superheroes rules!\u00e2\u20ac\u0153 lautete einer der Kommentare, der Tenor der \u00c3\u00bcbrigen Kommentatoren gleichklingend. One Million Moms l\u00c3\u00b6schte daraufhin nicht nur den Ursprungseintrag. Kurz darauf war ihr gesamter Facebook-Auftritt weg. <\/p>\n<p>Nur via Twitter folgte eine kurze Mitteilung: die Seite sei noch die ganze Woche offline, weil die eine Million M\u00c3\u00bctter mit au\u00c3\u0178erschulischem Bibel-Unterricht besch\u00c3\u00a4ftigt seien.<\/p>\n<p><em>Unredigierte, ungek\u00c3\u00bcrzte Manuskriptfassung <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/schwule-superhelden-dc-und-marvel-zeigen-vorsichtig-homosexualitaet-a-836799.html\">des gleichnamigen Artikels auf SPIEGEL-Online<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Verwandte Artikel:<\/strong><\/p>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1050\">Als Batman mal wieder schwul war<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1062\">Captain America im Traumland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=545\">Bleihhagel und Blutgesaller<\/a><\/li>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/a20c94fd88fd4d3c8db1ffe08f61a99f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1188\" title=\" Der Kampf der schwulen Superhelden (Director&#8217;s Cut)\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Batman,Green Lantern,schwul,blog;button:compact;\">Don&#8217;t ask, don&#8217;t tell: \u00c3\u0153ber Jahrzehnte waren schwule Superhelden h\u00c3\u00b6chstens Randerscheinungen, \u00c3\u00bcber die eher versch\u00c3\u00a4mt erz\u00c3\u00a4hlt wurde. Innerhalb nur eines halben Jahres hat sich das allerdings drastisch gewandelt.<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Don&#8217;t ask, don&#8217;t tell: \u00c3\u0153ber Jahrzehnte waren schwule Superhelden h\u00c3\u00b6chstens Randerscheinungen, \u00c3\u00bcber die eher versch\u00c3\u00a4mt erz\u00c3\u00a4hlt wurde. Innerhalb nur eines halben Jahres hat sich das allerdings drastisch gewandelt. Don&#8217;t ask, don&#8217;t tell: \u00c3\u0153ber Jahrzehnte waren schwule Superhelden h\u00c3\u00b6chstens Randerscheinungen, \u00c3\u00bcber die eher versch\u00c3\u00a4mt erz\u00c3\u00a4hlt wurde. Innerhalb nur eines halben Jahres hat sich das allerdings drastisch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[143,157,145],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1188"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1188"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1188\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1195,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1188\/revisions\/1195"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}