{"id":1399,"date":"2012-08-03T16:40:52","date_gmt":"2012-08-03T15:40:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=1399"},"modified":"2012-08-03T16:40:52","modified_gmt":"2012-08-03T15:40:52","slug":"enten-und-nazis-eine-uberschrift-die-immer-zieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1399","title":{"rendered":"Enten und Nazis (eine \u00c3\u0153berschrift, die immer zieht)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Enten und Nazis (eine \u00c3\u0153berschrift, die immer zieht)\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1399\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Ehapa setzt seine Barks-Hardcover-Edition mit den fr\u00c3\u00bchen d\u00c3\u00bcsteren Donald-Geschichten fort. Au\u00c3\u0178erdem: Luc Orient macht erst einen auf Perry Rhodan, dann auf Indiana Jones. Mit Nazis und so. Drei Comic-Kurzrezensionen.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/barksdd1.jpg\" alt=\"\" \/><!--more--><strong>Carl Barks<br \/>\nDonald Duck <\/strong>(Gesamtausgabe 1)<\/p>\n<p>Ich brauche keinen Anlass, um immer wieder Barks zu lesen. Aber ich nehme ihn gern in Kauf.<\/p>\n<p>So wie in dieser volumin\u00c3\u00b6sen Hardcover-Reihe, indirekte Fortsetzung der<a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=383\"> eigenst\u00c3\u00a4ndigen Reihen mit den Onkel-Dagobert-Geschichten<\/a> und den Enten-Tenpagern von Barks. Wie gehabt chronologisch aufbereitet werden in diesem Fall vor allem die l\u00c3\u00a4ngeren Abenteuergeschichten mit Donald Duck nachgedruckt, die Barks erz\u00c3\u00a4hlt hat. <\/p>\n<p>Davon z\u00c3\u00a4hlen vor allem die fr\u00c3\u00bchen, wie die in diesem Band, zu meinen Lieblingen. Weniger aus dramaturgischen Gr\u00c3\u00bcnden &#8211; der Slapstick ist noch sehr handlungsbestimmend, die Handlung etwas sprunghaft &#8211; sondern aufgrund der Atmosph\u00c3\u00a4re.<\/p>\n<p>Barks leitet, ganz anders als sp\u00c3\u00a4ter, jede der Geschichten mit atmosph\u00c3\u00a4rischen Titelvignetten ein, die &#8211; Polarnacht, Sumpfszenerie &#8211; ihre Herkunft vom B-Movie nicht verleugnen k\u00c3\u00b6nnen. <\/p>\n<p>Wie im B-Movie hat das oberfl\u00c3\u00a4chlich rei\u00c3\u0178erische Abenteuer dann auch nihilistische Untert\u00c3\u00b6ne. Die poetische Odyssee den Nil hinauf wird zur Meditation \u00c3\u00bcber Tod und Auferstehung, das Polarabenteuer endet in der beklemmenden Vision der Schneeblindheit. Und die Schurken schie\u00c3\u0178en noch mit echten Patronen.<\/p>\n<p>Sp\u00c3\u00a4ter selten (aber immer wieder, etwa in \u00e2\u20ac\u017eDer fliegende Holl\u00c3\u00a4nder\u00e2\u20ac\u0153) konfrontierte Barks seine Enten mit soviel Einsamkeit und grimmiger Ausweglosigkeit wie in diesen fr\u00c3\u00bchen Geschichten.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch \u00e2\u20ac\u017ePiratengold\u00e2\u20ac\u0153, der erste von Barks gestaltete Duck-Comic (zusammen mit Jack Hannah, was dieser Band leider verschweigt), aufsehenerregend nicht nur, weil er Bark&#8217;s l\u00c3\u00a4ngster Comic \u00c3\u00bcberhaupt ist.<\/p>\n<p>Wie Barks &#038; Hannah hier auf nahezu alle Elemente des Comicerz\u00c3\u00a4hlens verzichten, die zur Entstehungszeit (die Episode erschien 1942) en vogue waren, ist aufsehen erregend. Allenfalls noch Herg\u00c3\u00a9 war zu dieser Zeit vergleichbar gut darin, unter fast v\u00c3\u00b6lligem Verzicht auf Erkl\u00c3\u00a4rtexte und Konzentration auf das Visuelle Abenteuergeschichten im Comic zu erz\u00c3\u00a4hlen.<\/p>\n<p>Eine Episode, die ihrer Zeit voraus war und darum heute noch verbl\u00c3\u00bcffend modern wirkt. <strong>Ein unsterblicher Klassiker.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ehapa Comic Collection, 192 S.; \u00e2\u201a\u00ac 24,99<\/em><\/p>\n<p>+ + + + +<\/p>\n<p><strong>Eddy Paape\/ Greg<br \/>\nLuc Orient <\/strong> (Gesamtausgabe Band 4)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/lucorient4.jpg\" alt=\"\" \/>Kritische Anmerkungen zur \u00e2\u20ac\u017eLuc Orient\u00e2\u20ac\u0153-Serie, die bereits in den sp\u00c3\u00a4ten Sechzigern, als sie startete, veraltet gewirkt haben muss, <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1306\">waren neulich hier zu lesen<\/a>.<\/p>\n<p>Inzwischen rutschen wir in der Gesamtausgabe in die Achtzigerjahre, und die Frage stellt sich: wird&#8217;s besser? N\u00c3\u00b6.<\/p>\n<p>Den Gro\u00c3\u0178teil des Bandes bestreitet ein mehrteiliger Zyklus um den zusammen mit ein paar Kumpels aus der franz\u00c3\u00b6sischen Vergangenheit in der Zukunft gestrandeten Orient, der eine Heimat f\u00c3\u00bcr ein obdachlos gewordenes Alien-Volk finden muss.<\/p>\n<p>Greg zu attestieren, dass er den Zyklus bodenst\u00c3\u00a4ndig schreibt, w\u00c3\u00a4re ein Euphemismus. Am gelungensten ist noch \u00e2\u20ac\u017eDer Ambo\u00c3\u0178 des Blitzes\u00e2\u20ac\u0153, ein W\u00c3\u00bcstenwelt-Abenteuer mit verbl\u00c3\u00bcffenden \u00e2\u20ac\u017ePerry Rhodan\u00e2\u20ac\u0153-Ankl\u00c3\u00a4ngen. Nicht zuletzt weil hier alle paar Seiten die Szenerie wechselt und Eddy Paape dadurch, zwischen W\u00c3\u00bcstenlandschaft und Echsenmonster, seinem Affen Zucker geben kann.<\/p>\n<p>Das banale, aber leidlich spannende Jungsabenteuer fliesst in den Folgeb\u00c3\u00a4nden in den Gro\u00c3\u0178zyklus zur\u00c3\u00bcck, der alle erz\u00c3\u00a4hlerischen Schw\u00c3\u00a4chen der Serie zelebriert: uninspiriertes Schauplatzh\u00c3\u00bcpfen, gewaltige Logikl\u00c3\u00b6cher, einen pappigen Erzschurken, der genauso unvermittelt auftaucht wie verschwindet und einen finalen Deus ex machina.<\/p>\n<p>Nicht zu vergessen die beinahe einzige Frau in der Serie, Lora (tats\u00c3\u00a4chlich: selbst in seinen Massenszenen zeichnet Paape fast ausschlie\u00c3\u0178lich M\u00c3\u00a4nner), die wenig anderes kann, als zusehen und sich retten lassen.<\/p>\n<p>Der Verlauf der Serie ist schlagender Beweis daf\u00c3\u00bcr, dass es <strong>nicht gen\u00c3\u00bcgt, an einem einmal erfolgreichen Konzept festzuhalten.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ehapa Comic Collection, 200 S.; \u00e2\u201a\u00ac 29,99<\/em><\/p>\n<p>+ + + + +<\/p>\n<p><strong>Eddy Paape\/ Greg<br \/>\nLuc Orient<\/strong> (Gesamtausgabe Band 5)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/lucorient5.jpg\" alt=\"\" \/>Und Finale. Fast m\u00c3\u00b6chte man es Nachklapp nennen, denn ausser einer albenlangen Geschichte enth\u00c3\u00a4lt der Band nur diverse Kurzgeschichten (von denen eine nicht mal entfernt mit Luc Orient zu tun hat) und ein Fragment.<\/p>\n<p>Das Album ist nat\u00c3\u00bcrlich das Interessanteste, schon wegen seines Sujets: Luc Orient bei den Nazis. Es stammt aus der Sp\u00c3\u00a4tphase von Greg, und das erkl\u00c3\u00a4rt vielleicht, weshalb der angejahrte Autor seitenweise Dinge erkl\u00c3\u00a4ren muss, die sich selbst m\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig versierten Lesern sofort erschlie\u00c3\u0178en.<\/p>\n<p>Dass also Orient in die Vergangenheit des Dritten Reichs zeitreisen muss, weil es da ein Foto gibt, auf dem er zu sehen ist; dass es sogar eine Akte dazu gibt, die zwar schon lange bekannt ist, aber noch von keinem der anwesenden Wissenschaftler gelesen wurde, und dass Orient eigentlich nur die in der Akte verzeichneten Stationen ablatschen muss, um heil wieder Nachhause zu kommen.<\/p>\n<p>Das ganze ist ein dr\u00c3\u00b6ges Pulp-Abenteuer irgendwo im \u00e2\u20ac\u017eIndiana Jones\u00e2\u20ac\u0153-Fahrwasser, das sich grafisch etwas zu sehr in Gestapo-Uniformen verliebt. Und Lora? Ach, die muss halt mal wieder gerettet werden. Kreativit\u00c3\u00a4tsbonus: diesmal vor der Wehrmacht statt vor Aliens.<\/p>\n<p>Zu bem\u00c3\u00a4ngeln ist neben diversen chronologischen Inkonsistenzen der zus\u00c3\u00a4tzlich den band f\u00c3\u00bcllenden Erkl\u00c3\u00a4rtexte die deutsche Redaktion: weder war das Fragment \u00e2\u20ac\u017eDie Mauer\u00e2\u20ac\u0153 bisher unver\u00c3\u00b6ffentlicht (es erschien im \u00e2\u20ac\u017eZack\u00e2\u20ac\u0153-Umfeld) noch ist es sinnvoll, die 16 Seiten Manuskript von Greg zur Geschichte stur im franz\u00c3\u00b6sischen Original zu ver\u00c3\u00b6ffentlichen.<\/p>\n<p>Das ist kein Fehler. \u00c3\u201ehnlich verfuhr der Verlag bereits bei \u00e2\u20ac\u017eJerry Spring\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eJeff Jordan\u00e2\u20ac\u0153. Es ist \u00c3\u00a4rgerlicher Geiz an falscher Stelle bei einem Band, der trotz drastisch verminderten Umfanges dasselbe kostet wie alle anderen B\u00c3\u00a4nde der Reihe. <em>Kein sch\u00c3\u00b6ner Abschlu\u00c3\u0178.<\/em><br \/>\n<em><br \/>\nEhapa Comic Collection, 144 S.; \u00e2\u201a\u00ac 29,95<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/93745cd984ac415c984910654d12fae2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1399\" title=\" Enten und Nazis (eine \u00c3\u0153berschrift, die immer zieht)\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Barks,Duck,Enten,Gesamtausgabe,Luc Orient,Paape,blog;button:compact;\">Ehapa setzt seine Barks-Hardcover-Edition mit den fr\u00c3\u00bchen d\u00c3\u00bcsteren Donald-Geschichten fort. 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