{"id":1411,"date":"2012-08-15T16:32:35","date_gmt":"2012-08-15T15:32:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=1411"},"modified":"2012-08-16T09:18:31","modified_gmt":"2012-08-16T08:18:31","slug":"dem-krieg-nachzeichnen-zum-tod-von-joe-kubert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1411","title":{"rendered":"Dem Krieg nachzeichnen. Zum Tod von Joe Kubert"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Dem Krieg nachzeichnen. Zum Tod von Joe Kubert\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1411\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Mit elf Jahren fing er an Comics zu zeichnen. In den F\u00c3\u00bcnfzigerjahren erdete er die  Bildergeschichten in den amerikanischen Comicheften, indem er ihnen realistische Kriegscomics entgegensetzte. Er hat Graphic Novels \u00c3\u00bcber Bosnienkrieg und Holocaust ver\u00c3\u00b6ffentlicht. Joe Kubert starb am Montag im Alter von 85 Jahren.<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Joe Kubert war 73 Jahre alt, da fand er heraus, dass er heimatlos ist. Yzeran, sein polnisches Shtettl, war im Zweiten Weltkrieg von den Nazis zerst\u00c3\u00b6rt worden, die Einwohner get\u00c3\u00b6tet oder ins Warschauer Ghetto verschleppt. Kubert sah den Eintrag im Museum.<\/p>\n<p>Kubert war 1926 geboren worden. Noch im selben Jahr wanderten seine Eltern mit dem zwei Monate alten Sohn in die USA aus. W\u00c3\u00a4ren sie geblieben, w\u00c3\u00a4re es ihnen und dem Kind so gegangen wie allen anderen Einwohnern Yzerans.<\/p>\n<p>Das bittere \u00e2\u20ac\u017eWas w\u00c3\u00a4re, wenn\u00e2\u20ac\u0153-Spiel fand seinen Niederschlag in der Graphic Novel \u00e2\u20ac\u017eYossel\u00e2\u20ac\u0153. Ver\u00c3\u00b6ffentlicht 2004, schildert sie den Lebensweg des Kubert, den es nicht gab. In der Erz\u00c3\u00a4hlung wird der Knabe Yossel aus dem Heimatdorf verschleppt und kommt beim Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 um. Yossel ist eine jiddifizierte Form von Joe.<\/p>\n<p>Im realen Leben war Joe Kubert zu diesem Zeitpunkt bereits ein vielbesch\u00c3\u00a4ftigter Comiczeichner. Mit elf Jahren \u00c3\u00bcbernahm er die ersten Auftr\u00c3\u00a4ge, das Reinzeichnen der Vorzeichnungen anderer K\u00c3\u00bcnstler. Daf\u00c3\u00bcr bekam er f\u00c3\u00bcnf Dollar pro Seite, f\u00c3\u00bcr die damalige Zeit und sein Alter ein aufsehenerregendes Honorar.<\/p>\n<p>Comichefte waren zu dieser Zeit, 1938, eine heisse Sache. Die ersten Superheldencomics waren grade erschienen. Kubert, der bei seinen Eltern in New York wohnte, machte seine ersten Schritte in einem kreativen Umfeld, in dem auch sp\u00c3\u00a4tere Altmeister wie Will Eisner, Stan Lee oder Jack Kirby sich grade erst zu etablieren begannen.<\/p>\n<p>Ab 1942 erschienen die ersten Comics von Kubert als Hauptzeichner. Haupts\u00c3\u00a4chlich Superhelden. Sein zeichnerisches Hauptthema fand er erst 1959. In dem Jahr erschien ein von Kubert gezeichneter und Bob Haney verfasster Comic um einen anonymen Milit\u00c3\u00a4rsergeanten im Zweiten Weltkrieg mit dem Spitznamen &#8218;The Rock&#8216;. Er etablierte sich innerhalb weniger Monate als Hauptfigur einer langlebigen monatlichen Serie.<\/p>\n<p>Rock war das Wunschbild des amerikanischen Platoon-Soldaten: hart, aber fair, unerbittlich, aber nicht sadistisch. In den Comics fand er vor allem im Zweiten Weltkrieg Einsatz, in einem nie enden wollenden Kampf gegen Nazideutschland.<\/p>\n<p>Es war das ideale Sujet f\u00c3\u00bcr Kubert, den ausgewanderten polnischen Juden. F\u00c3\u00bcr Sergeant Rock entwickelte er einen virilen, realistischen Strich, der deutlich bodenst\u00c3\u00a4ndiger war als die knallig-bunten Superhelden-Bilderwelten seiner Kollegen. <\/p>\n<p>Die Rock-Comics, bei aller inhaltlichen Naivit\u00c3\u00a4t und eingeschr\u00c3\u00a4nkt durch die Autorit\u00c3\u00a4t des Comics Code, der allzu drastische Kampfszenen verbot, waren einer der fr\u00c3\u00bchesten realistischen Kriegscomics und schon durch ihren Erfolg pr\u00c3\u00a4gend f\u00c3\u00bcr nachfolgende Zeichner. <\/p>\n<p>Nicht nur als Zeichner hat Kubert Spuren hinterlassen. 1976 gr\u00c3\u00bcndete er die Joe Kubert School of Cartoon and Graphic Art, ein intensiver dreij\u00c3\u00a4hriger Lehrgang zum Comiczeichner. Neben pr\u00c3\u00a4genden Zeichnern der Achtziger- und Neunzigerjahre wie John Totleben (\u00e2\u20ac\u017eSwamp Thing\u00e2\u20ac\u0153) und Alex Maleev (\u00e2\u20ac\u017eDaredevil\u00e2\u20ac\u0153) haben dort auch seine S\u00c3\u00b6hne Adam und Andy abgeschlossen &#8211; heute zwei der gefragtesten Zeichner f\u00c3\u00bcr Marvel- und DC-Comics.<\/p>\n<p>Das Thema des Krieges hat den Zeichner ein Leben lang nicht losgelassen. 1996 erschien \u00e2\u20ac\u017eFax aus Sarajevo\u00e2\u20ac\u0153. Der mehrhundertseitige Comic arbeitet den Bosnienkrieg auf, basierend auf realen Berichten, die Kuberts Agent Ervin Rustemagic dem Zeichner geschickt hatte &#8211; per Fax, weil das die einzige funktionierende Kommunikationsm\u00c3\u00b6glichkeit war. Und 2004 schlie\u00c3\u0178lich \u00e2\u20ac\u017eYossel\u00e2\u20ac\u0153, die Nicht-Biografie des Heimatlosen.<\/p>\n<p>Kubert war aktiv bis ins hohe Alter. Im Juni war ein zusammen mit seinem Sohn Andy gestaltetes \u00e2\u20ac\u017eWatchmen\u00e2\u20ac\u0153-Prequel erschienen. F\u00c3\u00bcr Herbst war eine \u00e2\u20ac\u017eJoe Kubert Presents\u00e2\u20ac\u0153-Heftserie angek\u00c3\u00bcndigt. Bis zuletzt arbeitete er immer an drei Projekten gleichzeitig. Vergangene Nacht starb er im Alter von 85 Jahren. <\/p>\n<li><em>Manuskriptfassung des <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/nachruf-auf-joe-kubert-comic-zeichner-von-sgt-rock-ist-tot-a-849801.html\">auf SPIEGEL-Online ver\u00c3\u00b6ffentlichten<\/a> Nachrufs.<\/em>\t<\/li>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/88685d82427d40dc92b0b736d68fd7be\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/> Verwandte Beitr\u00c3\u00a4ge:<\/p>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=433\">David oder Goliath sein. 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