{"id":1447,"date":"2012-09-10T14:32:28","date_gmt":"2012-09-10T13:32:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=1447"},"modified":"2012-09-10T14:32:28","modified_gmt":"2012-09-10T13:32:28","slug":"comics-in-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1447","title":{"rendered":"Comics in Israel"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Comics in Israel\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1447\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Diesen Vortrag \u00c3\u00bcber Entwicklung und Zustand israelischer Comics habe ich auf dem Leipziger Comicgarten gehalten &#8211; gefolgt von einer Gespr\u00c3\u00a4chsrunde mit dem israelischen Zeichner Gabriel S. Moses. Nach dem Break das vollst\u00c3\u00a4ndige Manuskript.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pannor.de\/i\/Sabraman.jpg\" alt=\"\" \/><!--more-->Comics aus Israel sind im deutschen Sprachraum kaum bekannt. Der einzige Titel, der es in den letzten f\u00c3\u00bcnfzig Jahren zu immerhin nennenswerter Bekanntheit gebracht hat, ist \u00e2\u20ac\u017eBlutspuren\u00e2\u20ac\u0153 von Rutu Modan. In der Graphic Novel arbeitet die Zeichnerin den Alltag in Israel auf.<\/p>\n<p>Demgegen\u00c3\u00bcber steht eine nennenswerte Zahl von Comics \u00c3\u0153BER Israel. Ob nun Joe Saccos Aufarbeitung des Konfliktes zwischen Israel und Pal\u00c3\u00a4stina in inzwischen zwei B\u00c3\u00bcchern, Sarah Gliddens \u00e2\u20ac\u017eIsrael verstehen in 60 Tagen oder weniger\u00e2\u20ac\u0153 oder Guy Delisles \u00e2\u20ac\u017eAufzeichnungen aus Jerusalem\u00e2\u20ac\u0153. <\/p>\n<p>Aus Deutschland wird dieser beachtliche Reigen von Comics \u00c3\u00bcber Israel mit dem Band \u00e2\u20ac\u017eCargo\u00e2\u20ac\u0153 erweitert, in dem Berliner Comiczeichner ihre Sicht der Dinge auf israelischen Alltag darstellen.<\/p>\n<p>Dieser Widerspruch zwischen einer Vielzahl Comics \u00c3\u00bcber Israel einerseits und kaum Comics aus Israel andererseits k\u00c3\u00b6nnte zu dem Schlu\u00c3\u0178 f\u00c3\u00bchren, dass es eigentlich keine israelischen Comics gibt.<br \/>\n<strong><br \/>\nUnd ja, das muss gleich zu Anfang eingestanden werden: die israelische Comicszene ist klein. <\/strong><\/p>\n<p>Das liegt daran, dass sie jung ist. Wie in vielen Staaten des vorderasiatischen und arabischen Raumes fand auch in Israel die Entwicklung einer eigenen Comickultur erst sehr sp\u00c3\u00a4t statt. Eingeengt durch das Diktum, Comics seien nur f\u00c3\u00bcr Kinder, beschr\u00c3\u00a4nkte sich grafisches Erz\u00c3\u00a4hlen lange Zeit auf Kinderbuchillustrationen.<\/p>\n<p>Dort, wo Comics stattfanden &#8211; in Kinderzeitschriften &#8211; dienten sie vorrangig p\u00c3\u00a4dagogischen Zwecken. Es waren in der Regel kurze Erz\u00c3\u00a4hlungen, die Kindern die Wichtigkeit der Landesverteidgung vermitteln sollten, oder der freiwilligen Mithilfe in der Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Um es einmal in einen historischen Kontext zu setzen: der Staat Israel wurde nach langen Bem\u00c3\u00bchungen 1948 gegr\u00c3\u00bcndet. Und weder davor noch w\u00c3\u00a4hrend der gesamten ersten 30 Jahre seines Bestehens gab es keine israelischen Comics mit wiederkehrenden Figuren oder Themen. <\/p>\n<p>Comics waren reine Gebrauchserz\u00c3\u00a4hlungen mit einem Figurenpersonal, das immer wieder den erz\u00c3\u00a4hlerischen Zwecken angepasst wurde. Erst 1978 erschien die erste Comicserie in Israel. Es war die um den Superhelden Sabraman, gestaltet von dem damals noch 15j\u00c3\u00a4hrigen Uri Fink.<br \/>\n<strong><br \/>\nR\u00c3\u00bcckblickend kann diese Serie als Geburtsstunde des modernen israelischen Comics betrachtet werden. <\/strong><\/p>\n<p>Sie steht f\u00c3\u00bcr den Anfang der Entwicklung einer eigenst\u00c3\u00a4ndigen Szene, die sich ab den 1980er Jahren entwickelte und fr\u00c3\u00bchzeitig aufspaltete. Einerseits die direkt in der Tradition von \u00e2\u20ac\u017eSabraman\u00e2\u20ac\u0153 stehenden Comicerz\u00c3\u00a4hler, die Comics als reines Unterhaltungsmedium betrachten.<\/p>\n<p>Andererseits die vor allem im Umfeld junger alternativer Bl\u00c3\u00a4tter hochgekommenen Comicerz\u00c3\u00a4hler, die sich darum bem\u00c3\u00bchten, die Comicklischees des Landes zu brechen. Etwa Dudu Geva, der die Figuren und Inhalte der Kindercomics nahm und sie in ein erwachsenes Umfeld versetzte, in dem simple L\u00c3\u00b6sungsans\u00c3\u00a4tze scheitern m\u00c3\u00bcssen.<\/p>\n<p>Rund um Geva und dessen Epigonen entwickelte sich das, was man in Ermangelung eines besseren Begriffes Underground nennen muss  und letztlich zum modernen israelischen Comic f\u00c3\u00bchrte. Es waren die Macher von Comicheften in Kleinauflage, Kleinverleger und Betreiber von Comicblogs, die sich seit rund 20 Jahren intensiv bem\u00c3\u00bchen, Israel eine eigene Comiclandschaft zu verschaffen.<\/p>\n<p>Zu diesen K\u00c3\u00bcnstlern geh\u00c3\u00b6rt auch Gabriel Moses. Hierzulande bekannt wurde er durch seine Graphic Novel \u00e2\u20ac\u017eSpunk\u00e2\u20ac\u0153, die sich mit der israelischen Punk- und Hardcore-Szene auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Die Darstellung weits verbl\u00c3\u00bcffende Parallelen zur Comicszene auf. Israel, schreibt Moses, sei  &#8222;allgemein kein kulturfreundliches Land&#8220;. Und weiter: &#8222;Punk Rock gibt es noch nicht sehr lange in Israel. Immer wieder h\u00c3\u00b6re ich von Skatern, dass sie noch 1995 direkt vom Fernseher aus die Songs aus Skateboard-Filmen mitgeschnitten haben.&#8220;<\/p>\n<p>Indirekte Hauptfigur von &#8222;Spunk&#8220; ist JJ bzw. Yarden Y\u00c3\u00a1akobi. Sie ist 15 und &#8222;so fucking Punk, dass sie dir in jeder Menschenmenge sofort aufgefallen w\u00c3\u00a4re&#8220;. JJ tr\u00c3\u00a4umt vom Bombenlegen, fickt das System und die halbe Stadt und wird vor ihrem sechzehnten Geburtstag sterben &#8211; sie ist ein m\u00c3\u00a4nnlicher Idealtypus einer Teenage-Revoluzzerin.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Spunk&#8220; ist weniger ein Comic im herk\u00c3\u00b6mmlichen Sinn als vielmehr ein permanenter Strom von Assoziationen und Bildern. <\/strong><\/p>\n<p>In fiktiven Blogeintr\u00c3\u00a4gen, Slogans, Buttons, in schlierigen, flirrenden Bildern und Detailausschnitten entwirft Moses ein Portrait des M\u00c3\u00a4dchens, ihrer Handlungen &#8211; und indirekt eines der israelischen Gegenkultur. Eine Szene im permanenten Ausnahmezustand: &#8222;Klar, hier gibt es immer Krieg. Tagt\u00c3\u00a4glich sterben die Menschen hier an der Front oder auf der Stra\u00c3\u0178e. Mit 18 wirst du einberufen, ob du willst oder nicht.&#8220;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/3cc5f997a8a04c5b892027bcee865ccf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1447\" title=\" Comics in Israel\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Blutspuren,Comicgarten,Isarel,j\u00c3\u00bcdisch,Rutu Modan,blog;button:compact;\">Diesen Vortrag \u00c3\u00bcber Entwicklung und Zustand israelischer Comics habe ich auf dem Leipziger Comicgarten gehalten &#8211; gefolgt von einer Gespr\u00c3\u00a4chsrunde mit dem israelischen Zeichner Gabriel S. Moses. 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