{"id":1884,"date":"2013-06-19T20:44:36","date_gmt":"2013-06-19T19:44:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=1884"},"modified":"2013-06-19T20:44:36","modified_gmt":"2013-06-19T19:44:36","slug":"aktuelle-comicrezension-231-2-x-olivia-vieweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1884","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (231): 2 x Olivia Vieweg"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (231): 2 x Olivia Vieweg\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1884\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Huckleberry Finn aus Halle an der Saale: Olivie Vieweg verlegt Mark Twains klassischen Roman in die ostdeutsche Ein\u00c3\u00b6de. Und in \u00e2\u20ac\u017eEndzeit\u00e2\u20ac\u0153 l\u00c3\u00a4sst sie ausgerechnet Th\u00c3\u00bcringen von einer Zombieinvasion \u00c3\u00bcberrollen.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/endzeit.jpg\" alt=\"\" \/><!--more-->Eigentlich ist doch noch alles wie immer: die scheu\u00c3\u0178lich engen blaubepelzten Regionalz\u00c3\u00bcge fahren zwischen Jena und Weimar, man trifft sich, kommt ins Reden&#8230;<\/p>\n<p>Nat\u00c3\u00bcrlich, der Comic heisst \u00e2\u20ac\u017eEndzeit\u00e2\u20ac\u0153, also wird an der scheinbaren Normalit\u00c3\u00a4t irgendwas nicht stimmen. Und richtig, die zwei jungen Frauen in Olivia Viewegs Erz\u00c3\u00a4hlung &#8211; die eine mit Kartoffelsaat unterwegs, die andere macht was mit Medien &#8211; leben in der Zombie-Apokalypse. Drei Jahre permanenter Weltuntergang, leben in Bunkern und hinter abgez\u00c3\u00a4unten Sicherheitsarealen.<\/p>\n<p>Es ist die vielleicht irritierendste Eigenart des Menschen, sich mit allem einzurichten, auch mit dem Ende der Zivilisation. Die \u00e2\u20ac\u017eEndzeit\u00e2\u20ac\u0153-Heldinnen haben sich eingerichtet im Leben zwischen Untoten. Alles an diesem Weltuntergang ist unspektakul\u00c3\u00a4r normal geworden, nur dass im freien Land zwischen den St\u00c3\u00a4dten die Untoten hausen.<\/p>\n<p>Wie Vieweg die darstellt, kommt vertraut vor. Die kriechenden und hinter Gittern sabbernden Zombies scheinen sehr direkt aus Kirkmans die aktuelle Zombiewelle ausl\u00c3\u00b6sender Comicserie <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=938\">\u00e2\u20ac\u017eThe Walking Dead\u00e2\u20ac\u0153<\/a> \u00c3\u00bcbernommen. <\/p>\n<p>Sie verpflanzt sie in die Th\u00c3\u00bcringer Ein\u00c3\u00b6de, die unter der Sonnenglast besonders bedr\u00c3\u00bcckend wirkt. Das staubtrockene Land, in ganzseitigen Panel dargestellt, ist die eigentliche Attraktion des Comics, \u00c3\u00a4sthetisch wie narrativ. Manchmal gelingen Vieweg so trostlos sch\u00c3\u00b6ne Landschaftsaufnahmen, das man ausrufen m\u00c3\u00b6chte: \u00e2\u20ac\u017eDie Menschen sind weg? Na endlich!\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/huckfinn.jpg\" alt=\"\" \/>\u00c3\u0153berhaupt, Landschaft. Die spielt auch eine zentrale Rolle in ihrer j\u00c3\u00bcngst bei Suhrkamp erschienen Adaption von Mark Twains \u00e2\u20ac\u017eHuckleberry Finn\u00e2\u20ac\u0153. Vieweg verpflanzt den Roman aus dem Mississippi-Delta w\u00c3\u00a4hrend der amerikanischen Sklavenhalterzeit in die Neuzeit und nach Halle an der Saale. Das ist in seiner n\u00c3\u00bcchternen und trockenen Natur ganz Gegenthese zum schw\u00c3\u00bclen amerikanischen S\u00c3\u00bcden. <\/p>\n<p>Huck Finn ist hier Waisenkind unter den Fittichen eines Hallenser Stra\u00c3\u0178enkind-Projektes. Nigger-Jim wird zur weiblichen Jin, der (mutma\u00c3\u0178lich) minderj\u00c3\u00a4hrigen Prostituierten, die vor ihrem Zuh\u00c3\u00a4lter wegrennt. Beide wollen mit dem Flo\u00c3\u0178 die Saale runter, bis zur Elbe und nach Hamburg, wo Jin Verwandte hat.<\/p>\n<p>Nach Norden, wie bei Twain. Aber erstmal bleibt man tief im Osten, zwischen Halle und Wettin. Und wieder spielt die Landschaft, hier die Flu\u00c3\u0178landschaft der Saale, die eigentliche Hauptrolle. Huck und Jin schaukeln sich einen der langweiligsten Fl\u00c3\u00bcsse Deutschlands runter, Olivia Vieweg inszeniert das als angsterregende Ein\u00c3\u00b6de.<\/p>\n<p>Aber nicht deshalb kommt \u00e2\u20ac\u017eHuck Finn\u00e2\u20ac\u0153 als besserer der beiden Comics von Olivia Vieweg daher. Twains Roman gilt ganz zu Recht als eine der gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ten Errungenschaften der amerikanischen Kultur. Naturgem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 sind die Dialoge, die sich eng an die Vorlage halten, hier gelungener als die manchmal doch etwas pappig wirkenden \u00e2\u20ac\u017eEndzeit\u00e2\u20ac\u0153-Gespr\u00c3\u00a4che (\u00e2\u20ac\u017eWir wollen ein St\u00c3\u00bcck Vernetzung zur\u00c3\u00bcckgewinnen\u00e2\u20ac\u0153). <\/p>\n<p>Es ist ein gro\u00c3\u0178artig gemachtes Erz\u00c3\u00a4hlbett, mit komplexer, glaubw\u00c3\u00bcrdiger Motivation der beiden Hauptfiguren und einem wenn auch nicht so kraftvoll wie der Mississippi treibenden Handlungsflu\u00c3\u0178, das Olivia Vieweg vor allem mit ihren lyrischen Naturbildern, genauso aber mit realistischer gegenw\u00c3\u00a4rtiger Figurenzeichnung ausf\u00c3\u00bcllt. K\u00c3\u00b6rpersprache und Kleidung der Protagonisten sind im kraftvoll vereinfachten Strich von Vieweg manchmal komisch, immer aber realistisch, deutlich vom Manga beeinflusst und doch im Hier und Jetzt anzusiedeln.<\/p>\n<p>Nichts gegen \u00e2\u20ac\u017eEndzeit\u00e2\u20ac\u0153, es ist ein sympathischer kleiner Comic. Aber \u00e2\u20ac\u017eHuck Finn\u00e2\u20ac\u0153 zeigt doch, wie kraftvoll und stark Olivie Vieweg erz\u00c3\u00a4hlen kann und welches Potential noch in ihr steckt.<\/p>\n<p><em><br \/>\nEndzeit: Schwarzer Turm, 76 S.; \u00e2\u201a\u00ac 16,80<\/p>\n<p>Huck Finn: Suhrkamp, 144 S.; \u00e2\u201a\u00ac 19,99<\/em><\/p>\n<p>+ + + + +<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.comiccombo.de\/Deutsche-Comics\/Album-D-F\/Album-Endzeit::45881.html\">ENDZEIT hier kaufen!<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.comiccombo.de\/Deutsche-Comics\/Graphic-Novel\/Comic-Huck-Finn::64483.html\">HUCK FINN hier kaufen!<\/a><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/50b2d00723524cb2a9946fc72bf3ee8c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1884\" title=\" Aktuelle Comicrezension (231): 2 x Olivia Vieweg\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Markt Twain,Schwarzer Turm,Suhrkamp,Vieweg,Zombies,blog;button:compact;\">Huckleberry Finn aus Halle an der Saale: Olivie Vieweg verlegt Mark Twains klassischen Roman in die ostdeutsche Ein\u00c3\u00b6de. 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