{"id":1942,"date":"2013-07-31T01:01:31","date_gmt":"2013-07-31T00:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=1942"},"modified":"2013-07-31T01:01:31","modified_gmt":"2013-07-31T00:01:31","slug":"3-auf-1-wenn-die-nacht-am-tiefsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1942","title":{"rendered":"3 auf 1: Wenn die Nacht am tiefsten"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"3 auf 1: Wenn die Nacht am tiefsten\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1942\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Der vierte Band von Loisels &#8222;Gro\u00c3\u0178em Toten&#8220; erhebt die Ratlosigkeit zur Kunst. Das Taucherdrama &#8222;Der Narwal&#8220; geht unter und in Beulieus &#8222;Nachtst\u00c3\u00bcck&#8220; geht nie die Sonne auf. Drei Kurzrezensionen aktueller Comics.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/grossetote4.jpg\" alt=\"\" \/><!--more--><strong>Loisel\/ Malli\u00c3\u00a9<br \/>\nDer gro\u00c3\u0178e Tote 4 &#8211; Sombre<\/strong> (Ehapa)<\/p>\n<p>Es tat gut, dass Loisel von der inneren Verpflichtung losliess, alle seine Comics nicht nur selbst zu skripten, sondern auch zu zeichnen. Dem Leser, weil er pl\u00c3\u00b6tzlich nach Jahren der D\u00c3\u00bcrre regelm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig neue Comics von Loisel bekommt, der eben nicht nur ein hinrei\u00c3\u0178ender Zeichner ist, sondern eben auch ein gro\u00c3\u0178artiger Skripter.<\/p>\n<p>Und ihm selbst, der zur hohen Form des m\u00c3\u00a4rchenhaften, ironischen, nichtsdestotrotz realistischen und charakterorientierten Erz\u00c3\u00a4hlens aufl\u00c3\u00a4uft. Siehe vor allem seine wunderbare Hinterw\u00c3\u00a4ldler-Serie <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=31\">&#8222;Das Nest&#8220; <\/a>(dt. bei Carlsen).<\/p>\n<p>Aber eben auch &#8222;Der gro\u00c3\u0178e Tote&#8220;. Der <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=187\">begann eher entt\u00c3\u00a4uschend<\/a>, mit zu viel \u00c3\u00bcbereinander gewuchteten Fantasyklischees von flitterbunten, flatterhaften Feen- und Elfenreichen.<\/p>\n<p>Sp\u00c3\u00a4testens seit dem dritten Band aber hat sich die Serie freigeschwommen und wagt den seltenen, vielleicht sogar einmaligen Gratgang zwischen dystopischer Endzeitserie und der m\u00c3\u00a4rchenhaften Seite der Fantasy in Form einer &#8211; Liebesgeschichte.<\/p>\n<p>Wollte man diesen Comic nach herk\u00c3\u00b6mmlichen narrativen Ma\u00c3\u0178st\u00c3\u00a4ben bemessen, dem ber\u00c3\u00bchmten &#8222;Worum es geht&#8220;, man m\u00c3\u00bcsste grandios scheitern. (Die Serie dr\u00c3\u00bcckt sich wohl zu Recht um einen informativen Klappentext). <\/p>\n<p>Finsteres plottende Elfen und eine durch Wirtschafts-, Umwelt- und Naturkatastrophen taumelnde Gesellschaft bilden nur den Hintergrund f\u00c3\u00bcr eine Dreiecks-, ach was, Vierecksgeschichte in der franz\u00c3\u00b6sischen Provinz, die mit soviel Liebe zum Detail und glaubw\u00c3\u00bcrdiger Emotion erz\u00c3\u00a4hlt wird wie selten eine im j\u00c3\u00bcngeren franz\u00c3\u00b6sischen Comic.<\/p>\n<p>Dass sie vor dem Hintergrund vollkommen unverst\u00c3\u00a4ndlicher Ereignisse stattfindet, erh\u00c3\u00b6ht die Suspense der verworrenen Lebens- und Liebeswege nur noch. Loisel verm\u00c3\u00a4hlt den franz\u00c3\u00b6sischen Liebesroman, hach und seufz, mit dem Kunstm\u00c3\u00a4rchen und dem Tolkiendrama. <\/p>\n<p>Selten war Ziellosigkeit so sch\u00c3\u00b6n, so mitrei\u00c3\u0178end inszeniert wie hier. Fast w\u00c3\u00bcnscht man sich, dass Loisel nicht weiss, worauf er hinaus will, und einfach immer weiter schreibt.<\/p>\n<p><em>64 S.; \u00e2\u201a\u00ac 12,00<\/em><\/p>\n<p>+ + + + +<\/p>\n<p><strong>Supiot\/ Beuzelin<br \/>\nDer Narwal<\/strong> (Carlsen)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/narwal.jpg\" alt=\"\" \/>Jemand bei Carlsen hat, und das wohl sogar aus verst\u00c3\u00a4ndlichen Gr\u00c3\u00bcnden f\u00c3\u00bcr einen Hamburger Verlag, eine Liebe zum Meer. <\/p>\n<p>Das f\u00c3\u00bchrt zu so wundervollen, wenn auch kaum beachteten Titeln wie <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=788\">&#8222;An Bord der Morgenstern&#8220;<\/a>, Riff Reb&#8217;s existenzialistischem Piratendrama einerseits. Andererseits zu zwar \u00c3\u00a4sthetisch, sonst aber kaum befriedigenden Titeln wie &#8222;Ganz allein&#8220;, dem toll anzuschauenden, aber wenig erf\u00c3\u00bcllenden Leuchtturmdrama von Christoph Chabout\u00c3\u00a9.<\/p>\n<p>Oder zu &#8222;Der Narwal&#8220;, einer Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Tauchermilieu, die, um es gleich mal abzuk\u00c3\u00bcrzen, qualitativ n\u00c3\u00a4her an Chabout\u00c3\u00a9s Comic ankern als an Riff Reb&#8217;s.<\/p>\n<p>Die Kurzgeschichte ist eine der sch\u00c3\u00b6nsten, wenn auch missachtetsten Erz\u00c3\u00a4hlformen \u00c3\u00bcberhaupt, im Comic wurde sie von Meistern wie Wally Wood, Will Eisner oder Hugo Pratt zum Glanz gebracht.<\/p>\n<p>An letzterem orientiert sich &#8222;Der Narwal&#8220; \u00c3\u00bcberdeutlich, an den kurzen, glatten Strichen, den horizontal angelegten Gesichtern der Figuren. Auch mehr als eine Spur Mignola schwingt mit, vor allem bei den Hintergr\u00c3\u00bcnden, bei der Darstellung der Unterwasserwelt.<\/p>\n<p>Und es sieht einfach toll aus. Aber das wars eben. Die Geschichten um den Auftragstaucher Robert Narwal, der mal in kriminelle Machenschaften ger\u00c3\u00a4t, mal selbst welche anst\u00c3\u00b6\u00c3\u0178t oder sie zu verhindern sucht, sind leider als Kriminalgeschichten vollkommen \u00c3\u00bcberraschungsfrei, charakterlich kaum interessant. <\/p>\n<p>Die Autoren verpassen ihrer Figur zwar expos\u00c3\u00a9haft einen Job, eine Familie und eine Exfreundin, nur um das alles dann zu ignorieren. Was sie dem Narwal nicht mitgeben, ist ein Innenleben, der es dem Leser gestattet, sich emotional an den auch grafisch unauff\u00c3\u00a4llig gestalteten Titelhelden zu binden.<\/p>\n<p>Selten war eine Titelfigur so ohne Inhalt. Auch die Gegenspieler, h\u00c3\u00a4ufig Schatzj\u00c3\u00a4ger unter Wasser, bleiben gesichtslos, austauschbar. Am Schlu\u00c3\u0178 der wenigsten Geschichten bleibt eine nennenswerte Pointe.<\/p>\n<p>So ist &#8222;Der Narwal&#8220; ob seiner \u00c3\u00a4sthetischen Qualit\u00c3\u00a4ten grade so seichte Strandlekt\u00c3\u00bcre, f\u00c3\u00bcr diesen Behuf aber freilich zu teuer und zu kurz.<\/p>\n<p><em>96 S.; \u00e2\u201a\u00ac 19,90<\/em><\/p>\n<p>+ + + + +<\/p>\n<p><strong>Jimmy Beaulieu<br \/>\nNachst\u00c3\u00bcck<\/strong> (Schreiber &#038; Leser)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/nachtst\u00c3\u00bcck.jpg\" alt=\"\" \/><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1656\">&#8222;Ein philosophisch pornografischer Sommer&#8220; <\/a>von Beaulieu war ob seiner h\u00c3\u00bcbsch verpackten Inhaltsleere eine Entt\u00c3\u00a4uschung, die man jedem Autor zugestehen muss, zumal f\u00c3\u00bcr seinen Erstling. &#8222;Nachtst\u00c3\u00bcck&#8220; vom gleichen Autor und Zeichner zeigt, dass die Inhaltsleere Methode hat.<\/p>\n<p>Das bi\u00c3\u0178chen Plot l\u00c3\u00a4sst sich auf einem Ziarettenpaper fassen: zwei Frauen liegen im Bett und erz\u00c3\u00a4hlen sich Geschichten. Zwischendrin ziehen sie sich aus und haben Sex.<\/p>\n<p>Nun ist der Scheherezade-Plot, auch in seiner pornografischen Abwandlung (fast immer reden die beiden Frauen von Sex) immer noch einer der sch\u00c3\u00b6nsten und tragf\u00c3\u00a4higsten. Leider haben die wenigsten der Geschichten, die hier erz\u00c3\u00a4hlt werden, einen Anfang oder ein Ende.<\/p>\n<p>Sie wirken wie Reste, unbeendete Fragmente ganz anderer Erz\u00c3\u00a4hlungen, die Beaulieu in sein instabiles Erz\u00c3\u00a4hlkorsett gepresst hat. Schon der &#8222;philosophisch pornografische Sommer&#8220; hinterliess diesen Eindruck. In &#8222;Nachtst\u00c3\u00bcck&#8220; hat er sich noch verst\u00c3\u00a4rkt. Beaulieu will erz\u00c3\u00a4hlen, weiss aber einfach nicht, was und wovon.<\/p>\n<p>Das ist schade, und man kann ihm, grade weil er ein begabter, hocheleganter Zeichner ist, nur w\u00c3\u00bcnschen, dass er beim n\u00c3\u00a4chsten Buch Hilfe eines Szenaristen in Anspruch nimmt.<\/p>\n<p><em>112 S.; \u00e2\u201a\u00ac 14,95<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d776f484c3a74dd7a632f8357f923a28\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1942\" title=\" 3 auf 1: Wenn die Nacht am tiefsten\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Beaulieu,Graphic Novel,Leuchtturm,Loisel,Meer,Narwal,See,blog;button:compact;\">Der vierte Band von Loisels &#8222;Gro\u00c3\u0178em Toten&#8220; erhebt die Ratlosigkeit zur Kunst. 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