{"id":2118,"date":"2014-06-04T00:40:26","date_gmt":"2014-06-03T23:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2118"},"modified":"2014-06-04T01:10:04","modified_gmt":"2014-06-04T00:10:04","slug":"ralf-konig-01-der-fruhe-konig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2118","title":{"rendered":"Ralf K\u00c3\u00b6nig (01): Der fr\u00c3\u00bche K\u00c3\u00b6nig"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Ralf K\u00c3\u00b6nig (01): Der fr\u00c3\u00bche K\u00c3\u00b6nig\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2118\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>In diesem Monat wird Ralf K\u00c3\u00b6nig in Erlangen den Max-&#038;-Moritz-Preis f\u00c3\u00bcr sein Lebenswerk erhalten. Einerseits berechtigt, andererseits zu fr\u00c3\u00bch, ist es Anla\u00c3\u0178, nein, Gelegenheit, sich ein wenig mit dem Zeichner und seinem Werk zu besch\u00c3\u00a4ftigen. Begonnen mit zwei Nachdrucken fr\u00c3\u00bcher und fast fr\u00c3\u00bcher Strips.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/jungekoenig.jpg\" alt=\"\" \/><!--more-->Es gibt Fr\u00c3\u00bchwerke, die lassen bereits erahnen, was f\u00c3\u00bcr ein Meister da erwachsen wird. Das gleich vorweg: \u00e2\u20ac\u017eSchwul-Comix 1\u00e2\u20ac\u0153, Ralf K\u00c3\u00b6nigs erste gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ere Solover\u00c3\u00b6ffentlichung geh\u00c3\u00b6rt nicht dazu.<\/p>\n<p>Dass dem Band dennoch ein legend\u00c3\u00a4rer Ruf vorauseilt, liegt daran, dass er, 1980 erschienen, seit dreissig Jahren nicht nachgedruckt wurde, anders als die drei Folgeb\u00c3\u00a4nde der \u00e2\u20ac\u017eSchwul-Comix\u00e2\u20ac\u0153 (gelegentlich unter anderem Titel), und nur als Raubdruck oder zu hohen Sammlerpreisen erh\u00c3\u00a4ltlich war. <\/p>\n<p>Nur Ausz\u00c3\u00bcge fanden sich, h\u00c3\u00a4ufig stark verkleinert, in Ausstellungskatalogen, bio- und autobiografischen B\u00c3\u00a4nden.<\/p>\n<p>Liest man die Comics, wird verst\u00c3\u00a4ndlich, weshalb Ralf K\u00c3\u00b6nig das Album so lange nicht nachgedruckt haben wollte. Schon im Vergleich zum nur kurz danach entstandenen \u00e2\u20ac\u017eSchwul-Comix 2\u00e2\u20ac\u0153 &#8211; beide Teile zusammen bilden hier den Auftakt einer Edition mit K\u00c3\u00b6nig-Fr\u00c3\u00bchwerken bei M\u00c3\u00a4nnerschwarm  &#8211; wirken die Strips und Cartoons unreif, nicht nur grafisch. Im Vergleich zu dem, was von K\u00c3\u00b6nig danach folgte, wirken sie befremdlich.<\/p>\n<p>Es sind zum Teil Sexfantasien, zum Teil Strips, die wohl noch ein wenig mit dem eigenen Coming-out hadern (jedenfalls gibt es verbl\u00c3\u00bcffend viele echte und Schein-Heteros, die mit homosexuellen Erlebnissen hadern, in den fr\u00c3\u00bchen Comics), mindestens ein Drogencomic ist dabei, das Finale eines anderen Strips rippt ganz offen Fassbinder.<\/p>\n<p>Das ist manchmal obsz\u00c3\u00b6n, in seiner unbefangenen Art sicher, wie der Autor im Vorwort sagt, \u00e2\u20ac\u017erotzig\u00e2\u20ac\u0153. Das ist manchmal sehr lustig (\u00e2\u20ac\u017eIch glaub mich fickt &#8217;ne Ameise\u00e2\u20ac\u0153). Aber gut kann man das noch nicht nennen. <\/p>\n<p>K\u00c3\u00b6nig liegt hier noch dichtauf an seinen damaligen Vorbildern. Nicht nur die im Vorwort erw\u00c3\u00a4hnten Tardi und Druillet, sondern sicher auch die Comicstrips aus der sp\u00c3\u00a4ten \u00e2\u20ac\u017ePardon\u00e2\u20ac\u0153 bzw. fr\u00c3\u00bchen \u00e2\u20ac\u017eTitanic\u00e2\u20ac\u0153, vor allem FK Waechter und Chlodwig Poth, scheinen als Inspiration durch. Der Titel, \u00e2\u20ac\u017eSchwul-Comix\u00e2\u20ac\u0153, ist nat\u00c3\u00bcrlich ein Rip-Off des Underground-Magazins \u00e2\u20ac\u017eU-Comix\u00e2\u20ac\u0153. <\/p>\n<p>Aber auf andere Art gut ist es dennoch, dass diese fr\u00c3\u00bchen Comics hier abgedruckt sind, in Combo mit dem kurz danach erschienen zweiten Teil. Zusammen verdeutlichen sie, wie stark, wie schnell sich K\u00c3\u00b6nig in dieser Zeit entwickelte. Nicht nur der grafische Sprung ist atemberaubend, auch der Inhaltliche. <\/p>\n<p>Sp\u00c3\u00a4testens ab 1984, mit \u00e2\u20ac\u017eSchwul Comix 2\u00e2\u20ac\u0153, seinem insgesamt grade mal vierten Buch, zeigt sich K\u00c3\u00b6nig grafisch fast ausgereift, inhaltlich selbstbewusst und mit genug Lebenserfahrung versehen, um die schwule Szene realistisch karikieren zu k\u00c3\u00b6nnen. Man kann es auch auf eine simple Feststellung reduzieren: da sind sie, die Knollennasen!<\/p>\n<p>Dennoch sollte man beide hier versammelten B\u00c3\u00bccher aufmerksam lesen, nicht nur den zweiten Teil. Es finden sich, verstreut, roh, manchmal krude, Themen und Ideen, die tragend in sp\u00c3\u00a4teren B\u00c3\u00bcchern werden sollten. <\/p>\n<p>Der Mini \u00e2\u20ac\u017eDie M\u00c3\u00b6rderschw\u00c3\u00a4nze\u00e2\u20ac\u0153 ist ohne Frage die Ur-Idee von \u00e2\u20ac\u017eKondom des Grauens\u00e2\u20ac\u0153. Diverse Sequenzen aus dem schwulen Alltag fanden in deutlich pointierterer Form bei \u00e2\u20ac\u017eKonrad &#038; Paul\u00e2\u20ac\u0153 Eingang. Es gibt einen ersten AIDS-Comic und tats\u00c3\u00a4chlich sogar einen Strip zur Sch\u00c3\u00b6pfung des Menschen. Gelegentlich reimt K\u00c3\u00b6nig, und das klingt nat\u00c3\u00bcrlich wie Wilhelm Busch.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eDer junge K\u00c3\u00b6nig\u00e2\u20ac\u0153 schliesst als solches die Klammer, das bisherige Werk verst\u00c3\u00a4ndlich zu machen. Es l\u00c3\u00a4sst nachvollziehbar werden, wie Themen und Ideen im Werk des besten deutschen Comicerz\u00c3\u00a4hlers der Nachkriegszeit sich langsam entwickelten, aber wie eben vieles fast von Anfang an angelegt war. <\/p>\n<p>Dass das ganze editorisch hervorragend aufbereitet ist, mit einem langen Vorwort und Randnotizen von K\u00c3\u00b6nig, mit raren fr\u00c3\u00bchen und teilweise unver\u00c3\u00b6ffentlichten Strips, ist das Sahneh\u00c3\u00a4ubchen auf dem Band.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/konradpaul.jpg\" alt=\"\" \/>Ganz anders leider als bei der schon vor einigen Monaten erschienenen \u00e2\u20ac\u017eKonrad und Paul\u00e2\u20ac\u0153-Gesamtausgabe, die nicht nur im direkten Vergleich abf\u00c3\u00a4llt. Die tr\u00c3\u00a4gt den Untertitel \u00e2\u20ac\u017eIst der Ruf erst ruiniert\u00e2\u20ac\u0153, und das nicht ganz zu Unrecht.<\/p>\n<p>Ganz ohne Frage, \u00e2\u20ac\u017eKonrad und Paul\u00e2\u20ac\u0153 ist ein gro\u00c3\u0178artiger Strip und die Episode \u00e2\u20ac\u017eWas bleibt\u00e2\u20ac\u0153  wom\u00c3\u00b6glich der beste One-Pager, den ein deutscher Comiczeichner gemacht hat. Auch wenn die Serie als Ganzes klar im Alltag der Neunzigerjahre verankert ist, ist sie doch emotional, in ihrem realistischen Gestus und in ihren Pointen kaum gealtert. <\/p>\n<p>Das alles neu aufzulegen, nachdem die vorherigen beiden Albeneditionen vergriffen waren, ist eine hervorragende Idee. <\/p>\n<p>Aber doch bitte nicht so lieblos. Tats\u00c3\u00a4chlich enth\u00c3\u00a4lt der Band im Kern die drei Originalalben, die ihrerzeit wiederum in sehr unchronologischer Folge alle, vielleicht auch nur fast alle, \u00e2\u20ac\u017eKonrad und Paul\u00e2\u20ac\u0153-Strips aus der Magazinver\u00c3\u00b6ffentlichung nachdruckten. Statt nun die Strips chronologisch zu ordnen und so die Entwicklung der Serie f\u00c3\u00bcr den Leser nachvollziehbar zu machen, bleibt es beim Chaos zwischen kruden Fr\u00c3\u00bchwerken und reifen Strips. Es tun sich Br\u00c3\u00bcche auf, in der grafischen und inhaltlichen Kontinuit\u00c3\u00a4t, die vermeidbar gewesen w\u00c3\u00a4ren. Qualitativ ist es eine Achterbahnfahrt.<\/p>\n<p>Das ist unangenehm. Dass die Ausgabe trotz anderweitiger Aussage des Verlags nicht komplett ist, dagegen schlicht \u00c3\u00a4rgerlich. Zwar gibt es einen neuen einleitenden Kurzcomic von K\u00c3\u00b6nig. Daf\u00c3\u00bcr fehlt der Vierseiter, der die urspr\u00c3\u00bcngliche Albenedition einleitete, ebenso wie diverse Cartoons, Skizzen, Scribbles (von teilweise unver\u00c3\u00b6ffentlichten Strips) und derlei aus der zweiten, kleinformatigen Albenedition.<\/p>\n<p>Damit stellt der Band einen R\u00c3\u00bcckschritt dar. Und es ist wohl nicht damit zu rechnen, dass die M\u00c3\u00a4ngel demn\u00c3\u00a4chst behoben werden. \u00e2\u20ac\u017eKonrad und Paul\u00e2\u20ac\u0153 sollte man gelesen haben. Aber in dieser Ausgabe kann man es nur bedingt empfehlen.<\/p>\n<p><em>Der junge K\u00c3\u00b6nig, Bd. 1<br \/>\nM\u00c3\u00a4nnerschwarm, 180 S.; \u00e2\u201a\u00ac 26,00<\/p>\n<p>Konrad und Paul: Ist der Ruf erst ruiniert<br \/>\nEgmont, 160 S.;  \u00e2\u201a\u00ac 25,00<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.comic-combo.at\/Deutsche-Comics\/Album-J-L\/Album-Konrad-und-Paul-Ist-der-Ruf-erst-ruiniert::64097.html\">&#8212;>HIER KAUFEN< ---<\/a><\/a><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5a3ea639faa641c188e50a795e73a5c0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p><strong>Ralf K\u00c3\u00b6nig:<\/strong><\/p>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2118\">01: Der fr\u00c3\u00bche K\u00c3\u00b6nig<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2121\">02: Raumstation Sehnsucht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2124\">03: Das Interview, Teil 1<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2127\">04: Das Interview, Teil 2<\/a><\/li>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2118\" title=\" Ralf K\u00c3\u00b6nig (01): Der fr\u00c3\u00bche K\u00c3\u00b6nig\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Ralf K\u00c3\u00b6nig,blog;button:compact;\">In diesem Monat wird Ralf K\u00c3\u00b6nig in Erlangen den Max-&#038;-Moritz-Preis f\u00c3\u00bcr sein Lebenswerk erhalten. 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