{"id":2121,"date":"2014-06-04T00:46:47","date_gmt":"2014-06-03T23:46:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2121"},"modified":"2014-06-04T01:10:49","modified_gmt":"2014-06-04T00:10:49","slug":"ralf-konig-02-raumstation-sehnsucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2121","title":{"rendered":"Ralf K\u00c3\u00b6nig (02): Raumstation Sehnsucht"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Ralf K\u00c3\u00b6nig (02): Raumstation Sehnsucht\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2121\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>In diesem Monat wird Ralf K\u00c3\u00b6nig in Erlangen den Max-&#038;-Moritz-Preis f\u00c3\u00bcr sein Lebenswerk erhalten. Einerseits berechtigt, andererseits zu fr\u00c3\u00bch, ist es Anla\u00c3\u0178, nein, Gelegenheit, sich ein wenig mit dem Zeichner und seinem Werk zu besch\u00c3\u00a4ftigen. Weiter geht es mit seinem aktuellen Comicroman.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/raumstationsehnsucht.jpg\" alt=\"\" \/><!--more-->S\u00c3\u00a4tze, hart wie eine Morgenlatte: \u00e2\u20ac\u017eDas Erste, was er aus dem Tiefschlaf emportauchend wahrnahm, war seine prallvolle Blase und sein hart erigierter Schwanz.\u00e2\u20ac\u0153 Der da erwacht, heisst Bary Hodan, und ja, er ist Weltraumfahrer. Das ist kein Scherz.<\/p>\n<p>Macht K\u00c3\u00b6nig jetzt Science Fiction? Es ist nicht auszuschliessen, dass K\u00c3\u00b6nig in fr\u00c3\u00bcher Jugend Hefte des unsterblichen Weltraumfahrers Perry Rhodan gelesen hat, jene unkaputtbar seit \u00c3\u00bcber einem halben Jahrhundert erscheinende Heftromanserie. Schon einer seiner fr\u00c3\u00bchesten Comics ahmte erfolgreich erz\u00c3\u00a4hlerischen Duktus und sogar die damalige Jahreszahl der Handlung in einer Einleitung nach.<\/p>\n<p>Reine Science Fiction ist es zumindest nicht. Jener Bary Hoden ist die Hauptfigur im neuesten Roman der Figur Paul Niem\u00c3\u00b6ser. Und so wie Paul Semi-Alter-ego von K\u00c3\u00b6nig ist, ist Hoden Alter-ego von Paul Niem\u00c3\u00b6ser. <\/p>\n<p>Der Roman, den Niem\u00c3\u00b6ser da schreibt, ist eine Porno-Weltall-Schmonzette, und ausgehend von den ausf\u00c3\u00bchrlichen Textausz\u00c3\u00bcgen jenes fiktiven Romans, die K\u00c3\u00b6nig in die Handlung um diese und jene unerf\u00c3\u00bcllte Sommerliebe flicht, w\u00c3\u00bcnscht man sich, dass alle Porno-Weltall-Schmonzetten so w\u00c3\u00a4ren.<\/p>\n<p>So komisch. So verspielt. Der Trick mit dem Roman im Comic ist nat\u00c3\u00bcrlich nicht neu. K\u00c3\u00b6nig hat ihn von amerikanischen Independent-Comiczeichnern entlehnt. Dave Sim hat es bis zum Exzess in seinem dreitausendseitigen \u00e2\u20ac\u017eCerebus\u00e2\u20ac\u0153 betrieben, Terry Moore fast so ausgiebig in \u00e2\u20ac\u017eStrangers in Paradise\u00e2\u20ac\u0153 (das grade bei Schreiber &#038; Leser neu erscheint).<\/p>\n<p>Das sind nun wirklich nicht die schlechtesten Vorbilder. Der Form gegen\u00c3\u00bcber steht Tennessee Williams, dessen \u00e2\u20ac\u017eGlasemenagerie\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eKatze auf dem heissen Blechdach\u00e2\u20ac\u0153 Vorbild f\u00c3\u00bcr den Inhalt des Comics darstellen. <\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eEndstation Sehnsucht\u00e2\u20ac\u0153 ist damit zugleich neuester Eintrag im Langzeit-Erz\u00c3\u00a4hlprojekt der Beziehung von Konrad und Paul, die inzwischen wohl auch schon fast tausend Seiten in sechs oder mehr B\u00c3\u00bcchern umfasst, formal K\u00c3\u00b6nigs ungew\u00c3\u00b6hnlichstes Buch und eine weitere jener Meta-Erz\u00c3\u00a4hlungen der letzten Jahre, die mit K\u00c3\u00b6nigs Bibel-Adaptionen bzw. -Dekonstruktionen begonnen haben.<\/p>\n<p>Es w\u00c3\u00a4re nun leicht, ein simples Urteil zu f\u00c3\u00a4llen. Vorbild f\u00c3\u00bcr die Handlung um Paul, der mit seiner schwangeren Schwester und deren Liebhaber den Hochsommer in deren heisser Dachwohnung verbringen muss, ist fraglos \u00e2\u20ac\u017eDie Katze auf dem heissen Blechdach\u00e2\u20ac\u0153. Und der Plot um Konrad, der von einem hypersch\u00c3\u00bcchtern-schwulen Verehrer angemacht wird, stammt aus der \u00e2\u20ac\u017eGlasmenagerie\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n<p>Das ist Literatur, kann das Feuilleton schreien. Und K\u00c3\u00b6nig, sp\u00c3\u00a4testens seit seiner Mitarbeit im FAZ-Feuilleton geadelt, muss nat\u00c3\u00bcrlich Literatur machen. Das erwartet man doch von ihm, oder? Aber wie passt Bary Hoden bzw. Perry Rhodan, einer der Inbegriffe trivialer Unterhaltung (neben Jerry Cotton und John Sinclair) da rein? <\/p>\n<p>Tats\u00c3\u00a4chlich ist \u00e2\u20ac\u017eRaumstation Sehnsucht\u00e2\u20ac\u0153 unter der hochkomischen Oberfl\u00c3\u00a4che der sexuellen Irrungen und Wirrungen &#8211;  mit viel nackter Haut, vielen Erektionen und Dialogen, die man wom\u00c3\u00b6glich besser nicht in der Stra\u00c3\u0178enbahn laut vorliest &#8211; ein literarisches Spiegelkabinett, das alle Vorurteile \u00c3\u00bcber hohe und niedere Literatur aushebelt. <\/p>\n<p>Der Bary-Hoden-Teil ist genauso Bestandteil jener Spiegelungen, als Bild einer Literaturform, die wie alle Literatur von Menschen erz\u00c3\u00a4hlt, nur auf manchmal vertrackt kodifizierte Art, weil manche Menschen in diesen Heften halt nymphomane Operns\u00c3\u00a4ngerandroiden sind. Oder wenigstens Aliens.<\/p>\n<p>Was  manchmal viel mehr Spass machen kann. Der innigst begehrte, aber unerreichbare hetero-Schwager wird in dieser Fantasie zum mindestens bisexuellen Weltraumfahrer. Im \u00e2\u20ac\u017eBary Hoden\u00e2\u20ac\u0153 schreibt sich Paul, K\u00c3\u00b6nigs halbes Alter-ego, das Happy-end zurecht, dass er in echt nicht kriegen kann, weil es ihm Tennessee Williams, K\u00c3\u00b6nigs inhaltliches Vorbild, und ach, das Leben an sich,  nicht gestatten. Die Weltraumschmonzette, so komisch, gelegentlich peinlich sie ist, und so gewollt trivial, ist Pauls Seelenstrip und Erl\u00c3\u00b6sung zugleich.<\/p>\n<p>Es ist K\u00c3\u00b6nig hochanzurechnen, dass er die Trivialliteratur nicht verr\u00c3\u00a4t, nicht als minder neben Williams dastehen l\u00c3\u00a4sst, nur weil uns manchmal Welten von ihr trennen. \u00e2\u20ac\u017eRaumstation Sehnsucht\u00e2\u20ac\u0153 ist damit nicht nur ein hochkomischer Comic, eine lustige Science-Fiction-Parodie, sondern auch eine Liebeserkl\u00c3\u00a4rung an jede Art von Literatur. <\/p>\n<p>Und wie das so in der Literatur ist: der letzte Dialog geht so, wie das ist, wo man nach dem Lesen hingeht. \u00e2\u20ac\u017eBett? &#8211; \u00e2\u20ac\u017eBett.\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n<em><br \/>\nRaumstation Sehnsucht<br \/>\nRowohlt, 160 S.; \u00e2\u201a\u00ac 19,95<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.comic-combo.at\/index.php?mode=search&#038;keywords=Raumstation+Sehnsucht\">&#8212;>HIER KAUFEN< ---<\/a><\/a><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5a3ea639faa641c188e50a795e73a5c0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p><strong>Ralf K\u00c3\u00b6nig:<\/strong><\/p>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2118\">01: Der fr\u00c3\u00bche K\u00c3\u00b6nig<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2121\">02: Raumstation Sehnsucht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2124\">03: Das Interview, Teil 1<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2127\">04: Das Interview, Teil 2<\/a><\/li>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2121\" title=\" Ralf K\u00c3\u00b6nig (02): Raumstation Sehnsucht\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">In diesem Monat wird Ralf K\u00c3\u00b6nig in Erlangen den Max-&#038;-Moritz-Preis f\u00c3\u00bcr sein Lebenswerk erhalten. 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