{"id":2245,"date":"2014-11-17T15:01:51","date_gmt":"2014-11-17T14:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2245"},"modified":"2014-11-28T17:30:30","modified_gmt":"2014-11-28T16:30:30","slug":"hotel-hades","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2245","title":{"rendered":"Hotel Hades"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Hotel Hades\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2245\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Sex und Tod sind die zwei Kernthemen des Erz\u00c3\u00a4hlens. Kein Sex, viel Tod: Katharina Greve widmet sich in &#8222;Hotel Hades&#8220; dem Nachleben, vor allem in der Unterwelt. Das Jenseits ist grau &#8211; dieser Comic ist es nicht.<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Das jenseitige Leben, das wissen wir sp\u00c3\u00a4testens seit Wenders&#8216; \u00e2\u20ac\u017eHimmel \u00c3\u00bcber Berlin\u00e2\u20ac\u0153, ist schwarz-weiss, ohne anst\u00c3\u00a4ndigen Kaffee und Zigaretten \u00e2\u20ac\u201c also ein bi\u00c3\u0178chen wie die DDR.<\/p>\n<p>Katharina Greve, trotz diverser Comicarbeiten doch vor allem als Cartoonistin hervorgetreten, treibt die Metapher noch ein St\u00c3\u00bcck weiter. Ihr Jenseits ist, auch wenn es nie so benannt wird, letztlich das alte Ostdeutschland. Ein b\u00c3\u00bcrokratischer, diktatorischer, scheinbar nie endenwollender und dennoch immer gleicher Ort, grau in grau und keiner kommt raus.<\/p>\n<p>Greves Protagonisten sind drei Mordopfer, die, Ironie der Geschichte, lediglich aufgrund einer Verwechslung starben. Florian erschwindelt sich einen Platz im paradiesen Teil des Jenseits, f\u00c3\u00bcr dessen Verk\u00c3\u00b6stigung und Entertainment sich alle anderen Verstorbenen abrackern m\u00c3\u00bcssen, sofern sie nicht in Demenzheime zum endlosen Durchvegetieren abgeschoben werden.<\/p>\n<p>Martha, die Schriftstellerin, muss ewig ihre alten Manuskripte bearbeiten, und Peter wird zum Kartoffelsch\u00c3\u00a4len verdonnert. Selbst dieses relative Gl\u00c3\u00bcck \u00e2\u20ac\u201c besser Pommes als Hades \u00e2\u20ac\u201c erweist sich angesichts der Unm\u00c3\u00b6glichkeit, irgendeine Art von Leben zu f\u00c3\u00bchren, als H\u00c3\u00b6lle an der Friteuse: es gibt kein richtiges Leben im Todsein. <\/p>\n<p>Schlaf ist nicht, Fernsehen und B\u00c3\u00bccher existieren nicht und in der verwirrenden Weitl\u00c3\u00a4ufigkeit der H\u00c3\u00b6lle ist es illusorisch, Freundschaften zu kn\u00c3\u00bcpfen.<\/p>\n<p>Greves grafische Anmutung f\u00c3\u00bcr diesen Comic ist reduziert, sichtlich von der ligne claire inspiriert, nur noch trockener. Freilich ist ihre H\u00c3\u00b6lle auch kein Pand\u00c3\u00a4monium, sondern eher eine Mischung aus Finanzamt und Altersheim, lebensspr\u00c3\u00bchend wie ersteres, abwechslungsreich wie letzteres \u00e2\u20ac\u201c oder andersherum.<\/p>\n<p>Nur gelegentlich schleichen sich Farben in die sonst ganz in Graustufen gehaltene \u00c3\u2013dnis. Das ist, wenn Peter den das Luxusjenseits geniessenden Florian becatern muss. In diesem Teil des Jenseits ist das Buch am schlechtesten. Da schiessen Mutter Theresa und Steve Jobs mit Pfeilen auf W\u00c3\u00bcrste, und Gandhi plauscht mit der Queen \u00e2\u20ac\u201c gewollter Humor, der dem Buch wohl einen politischen Drall geben soll, aber ansonsten eher verkrampft wirkt.<\/p>\n<p>Nein, die besseren, die starken Teile des Buches sind fraglos die qu\u00c3\u00a4lend routinierten Unlebensl\u00c3\u00a4ufe von Greves Protagonisten und die Entwicklung eines in sich selbst verbl\u00c3\u00bcffend schl\u00c3\u00bcssigen, nichtsdestotrotz h\u00c3\u00b6llischen Alltags im unteren Teil des Jenseits.<\/p>\n<p>Am Ende gibt es wenigstens eine Art Gerechtigkeit im Ungerechten. Das macht die drei zuf\u00c3\u00a4lligen Toten auch nicht wieder lebendig. F\u00c3\u00bchrt die Idee vom Tod als gro\u00c3\u0178en Gleichmacher aber wenigstens konsequent zu Ende \u00e2\u20ac\u201c jedenfalls f\u00c3\u00bcr alle, die nicht Gandhi oder Steve Jobs sind.<\/p>\n<p><em>Katharina Greve: Hotel Hades<br \/>\nEgmont Graphic Novel, 128 S.; \u00e2\u201a\u00ac19,99<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/9fc43e4841ef46c9b7ed33370d48ede4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2245\" title=\" Hotel Hades\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Sex und Tod sind die zwei Kernthemen des Erz\u00c3\u00a4hlens. Kein Sex, viel Tod: Katharina Greve widmet sich in &#8222;Hotel Hades&#8220; dem Nachleben, vor allem in der Unterwelt. 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