{"id":2249,"date":"2014-11-17T15:15:29","date_gmt":"2014-11-17T14:15:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2249"},"modified":"2014-11-17T15:15:29","modified_gmt":"2014-11-17T14:15:29","slug":"dieser-comic-ist-kein-comic","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2249","title":{"rendered":"Dieser Comic ist kein Comic"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Dieser Comic ist kein Comic\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2249\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Das Leben von James Joyce als Comic: sicher  kann man aus dem Sujet des schreibenden Europabummlers von literarischem Weltrang eine gute Geschichte machen. Alfonso Zapicos Comicbiographie von Joyce scheitert jedoch schon an grundlegenden Formalien.<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Der Comic, sagt eine der diversen Definitionen des Mediums, sei eine Kombination aus Bild und Text zum Zwecke des Erz\u00c3\u00a4hlens. Wenn diese Definition stimmt \u00e2\u20ac\u201c und sie taugt wohl so sehr und so wenig wie viele andere \u00e2\u20ac\u201c m\u00c3\u00bcssen wir bei Zapicos Joyce-Biografie die Frage stellen, ob es \u00c3\u00bcberhaupt ein Comic ist.<\/p>\n<p>Nat\u00c3\u00bcrlich, es ist alles da: die Bilder, die Texte, die Sprechblasen. Das ist ein Comic, oder? Dass Joyces Leben auch nicht viel spannender war als das der meisten Schrifsteller \u00e2\u20ac\u201c in der Regel sitzen sie eben am Schreibtisch und schreiben \u00e2\u20ac\u201c daf\u00c3\u00bcr kann Zapico nichts. Er macht das Beste daraus, dass die interessantesten Episoden in Joyces Leben ein paar eher leidlich belegte Anekdoten am Rande sind, etwa dass er Lenin im Caf\u00c3\u00a9 begegnet sein soll, und dass Joyces Leben ansonsten vor allem davon handelte, vom Rest der Welt nicht verstanden oder abgelehnt zu werden.<\/p>\n<p>Aber auch wenn rein oberfl\u00c3\u00a4chlich alles da ist \u00e2\u20ac\u201c es f\u00c3\u00bcgt sich sehr oft nicht. \u00c3\u0153ber Joyces Aufenthalt in Rom heisst es, er hielte sich \u00e2\u20ac\u017e\u00c3\u00bcber die Vorg\u00c3\u00a4nge in Irland auf dem Laufenden\u00e2\u20ac\u0153. Dazu sieht man Joyce \u00e2\u20ac\u201c aus einem Fenster schauen.<\/p>\n<p>Ein Bild von Ezra Pound habe in Joyce \u00e2\u20ac\u017eeinen Hoffnungsschimmer\u00e2\u20ac\u0153 entfacht. Bild: ein tr\u00c3\u00bcbseliger Joyce. Joyce bekommt ein Stipendium &#8211; \u00e2\u20ac\u017eund so konnte Joyce abseits des Kriegsgeschehens schreiben\u00e2\u20ac\u0153. Bild: ein spazierengehender Joyce.<\/p>\n<p>Und so geht das immer weiter. Mag sein, dass es tats\u00c3\u00a4chlich manchmal schwer war, die naturgem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 abstrakten Abl\u00c3\u00a4ufe zu bebildern \u00e2\u20ac\u201c h\u00c3\u00a4ufig werden Schilderungen aus Joyces Leben schlicht mit Stadtansichten illustriert \u00e2\u20ac\u201c in Panels wie diesen kommt es ganz offen zu Reibung zwischen Text und Bild.<\/p>\n<p>Das ist kein Comic. \u00c3\u0153ber die Erstausgabe des \u00e2\u20ac\u017eUlysses\u00e2\u20ac\u0153 erz\u00c3\u00a4hlt der Comic, Henri Matisse habe sie illustriert, ohne den Text gelesen zu haben. Die Ironie dieser Schilderung scheint dem Zeichner entgangen zu sein.<\/p>\n<p>(Hinderlich auch die \u00c3\u0153bersetzung. Der spanische Comic scheint auf englischsprachigen Quellen zu beruhen. Darum ist etwa von Ivan Turgenew \u00e2\u20ac\u201c statt Iwan Turgenew \u00e2\u20ac\u201c die Rede. <\/p>\n<p>Und C.G. Jungs \u00c3\u201eu\u00c3\u0178erung \u00c3\u00bcber Joyce und dessen Tochter, sie seien \u00e2\u20ac\u017elike two people going to the bottom of a river, one falling and the other diving\u00e2\u20ac\u0153- zwei Personen, die zum Grund eines Flu\u00c3\u0178es streben, eine tauchend und eine fallend &#8211; wird aus dem Umweg \u00c3\u00bcber das Spanische, sie seien \u00e2\u20ac\u017ewie zwei Personen am Boden eines Flusses. Aber w\u00c3\u00a4hrend Joyce tauchte, ging Lucia immer weiter unter.\u00e2\u20ac\u0153)<\/p>\n<p>So ist diese Comicbiografie am Ende eher unfreiwillig komisch als gut \u00e2\u20ac\u201c andererseits hielt Joyce selbst seinen unverdaulichen Brocken \u00e2\u20ac\u017eFinnegans Wake\u00e2\u20ac\u0153 ja auch f\u00c3\u00bcr ein \u00c3\u00bcberaus komisches Buch, w\u00c3\u00a4hrend viele andere es einfach f\u00c3\u00bcr schlecht hielten.<\/p>\n<p><em>Alfonso Zapico<br \/>\nJames Joyce \u00e2\u20ac\u201c Portr\u00c3\u00a4t eines Dubliners<br \/>\nEgmont Graphic Novel, 224 S.; \u00e2\u201a\u00ac 19,99<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/e857cba1c4594a86b9b4d5f06742d766\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2249\" title=\" Dieser Comic ist kein Comic\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Das Leben von James Joyce als Comic: sicher kann man aus dem Sujet des schreibenden Europabummlers von literarischem Weltrang eine gute Geschichte machen. 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