{"id":2251,"date":"2014-11-17T15:21:00","date_gmt":"2014-11-17T14:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2251"},"modified":"2014-11-17T15:59:55","modified_gmt":"2014-11-17T14:59:55","slug":"geschafft-spirou-nahezu-komplett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2251","title":{"rendered":"Geschafft! &#8222;Spirou&#8220; nahezu komplett"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Geschafft! &#8222;Spirou&#8220; nahezu komplett\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2251\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Da hat man lange drauf warten m\u00c3\u00bcssen: mit dem letzten Band der Kriegsabenteuer von Spirou liegt die frankobelgische Traditionsserie nahezu komplett vor. Der abschliessende Band l\u00c3\u00a4sst sich nat\u00c3\u00bcrlich nicht lesen, ohne die Hintergr\u00c3\u00bcnde der Entstehung zu beachten.<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Mit diesem Band tritt etwas ein, was noch vor wenigen Jahren nicht zu erwarten war: Spirou komplett in deutscher Sprache. Nun, so gut wie jedenfalls. Ein paar Comics lassen sich nur verstreut in Sonderausgaben und Magazinen finden, ein paar wenige fehlen ganz und warten gesammelt auf Ver\u00c3\u00b6ffentlichung als regul\u00c3\u00a4res Album.<\/p>\n<p>Dennoch schliesst die \u00e2\u20ac\u017eNotlandung\u00e2\u20ac\u0153 die letzte gro\u00c3\u0178e L\u00c3\u00bccke, indem es die letzten Episoden vor der zweitweisen Einstellung des Magazin 1943 nachdruckt \u00e2\u20ac\u201c Zensur, Papiermangel und sicher auch eine allgemeine Feindlichkeit gegen alles Nichtdeutsche im besetzten Frankreich und Belgien hatten das Aus f\u00c3\u00bcr das Heft bedeutet.<\/p>\n<p>Man merkt diesen Abenteuern \u00e2\u20ac\u201c und auch den vorigen \u00e2\u20ac\u201c den politischen Hintergrund nicht an, vor dem sie entstanden. Waren in den Abenteuern davor noch vereinzelt Passagen zu finden, die aus heutiger Sicht rassistische Ankl\u00c3\u00a4nge zeigten, die ein Weltbild pr\u00c3\u00a4sentierten, das Elemente aus dem demokratischen Vorkriegseuropa mit denen der unentrinnbaren Naziporpaganda vermengte, fl\u00c3\u00bcchtet Rob-Vel sich hier in eine Fantasie- und M\u00c3\u00a4rchenwelt, die endg\u00c3\u00bcltig jede Verbindung zur Lebensrealit\u00c3\u00a4t der Leser hinter sich l\u00c3\u00a4sst.<\/p>\n<p>Es geht in den Weltraum. Eine Prinzessin muss befreit und einem Unsichtbaren geholfen werden. Das mag aus heutiger Sicht altbacken wirken, damals waren es hochmoderne Enterteinmant-Sujets, die in Unterhaltungsfilmen immer wieder auftauchten.<\/p>\n<p>Vor allem \u00e2\u20ac\u201c aber nicht nur \u00e2\u20ac\u201c in amerikanischen und britischen. Rob-Vel bezieht sich klar auf die anglomaerikanische Tradition der Phantastik, seine Darstellung wissenschaftlicher Labore und pfeiferauchender Genies mit karierter M\u00c3\u00bctze (!) verweisen \u00c3\u00bcberdeutlich auf eine Tradition der Phantastik au\u00c3\u0178erhalb Kontinaleuropas.<\/p>\n<p>War das Subversion? Wohl eher nicht. So wie Rob-Vels Kollegen amerikanische Zeitungsstrips fortf\u00c3\u00bchren mussten, als kriegsbedingt der Nachschub der amerikanischen Syndikate ausblieb, bedient auch der \u00e2\u20ac\u017eSpirou\u00e2\u20ac\u0153 jener Zeit zuersteinmal einen Markt, ein Verlangen des Publikums nach jenen Mustern der Erz\u00c3\u00a4hlung, gradliniger transkontinentaler Unterhaltung.<\/p>\n<p>Sicher holprig. Solange keiner wusste, wie lang, wie oft und ob \u00c3\u00bcberhaupt n\u00c3\u00a4chste Ausgaben des Magazins erscheinen w\u00c3\u00bcrden, war die Entwicklung langer Handlungsb\u00c3\u00b6gen ein Risiko. Naiv, immer mit der Option, die laufende Geschichte schnell zu beenden, ist \u00e2\u20ac\u017eNotlandung auf Zigomus\u00e2\u20ac\u0153 sicher kein Klassiker des Comics. Und sicher sieht das grafisch wenig \u00c3\u00bcberzeugend aus: der Druck, aber auch die Zeichnung musste auf geringwertigstem Papier erfolgen.<\/p>\n<p>Aber man kann das sowieso nicht lesen, ohne sich die Hintergr\u00c3\u00bcnde der Arbeit im von Nazis besetzten Land zu verdeutlichen. Grade vor dem Hintergrund von allgegenw\u00c3\u00a4rtigem Besatzungsterror war \u00e2\u20ac\u017eSpirou\u00e2\u20ac\u0153 Fluchtlekt\u00c3\u00bcre und wom\u00c3\u00b6glich auch willkommene Ablenkung f\u00c3\u00bcr den Zeichner selbst. Ein kreativer Kraftakt nach innen und au\u00c3\u0178en, diesen fr\u00c3\u00b6hlichen Eskapismus noch produzieren zu k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n<p>Bis zum September 1943, der vorl\u00c3\u00a4ufigen Einstellung des Heftes bis Kriegsende. Die Nazis hatten \u00e2\u20ac\u017eSpirou\u00e2\u20ac\u0153 besiegt \u00e2\u20ac\u201c aber nicht f\u00c3\u00bcr lange: zwei Jahre sp\u00c3\u00a4ter sollten Heft und Figur gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178er und sch\u00c3\u00b6ner auferstehen als zuvor und eine neue Epoche des Comics einl\u00c3\u00a4uten.<\/p>\n<p><em>Rob-Vel<br \/>\nSpirou &#038; Fantasio Spezial: Notlandung auf Zigomus<br \/>\nCarlsen Comics, 48 S.; \u00e2\u201a\u00ac12,00<\/em><br \/>\n<strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c53d953b72bb47babfd12fe43ca5fd21\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2251\" title=\" Geschafft! &#8222;Spirou&#8220; nahezu komplett\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Franquin,Spirou,blog;button:compact;\">Da hat man lange drauf warten m\u00c3\u00bcssen: mit dem letzten Band der Kriegsabenteuer von Spirou liegt die frankobelgische Traditionsserie nahezu komplett vor. 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