{"id":2299,"date":"2014-12-12T18:07:23","date_gmt":"2014-12-12T17:07:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2299"},"modified":"2014-12-12T18:07:23","modified_gmt":"2014-12-12T17:07:23","slug":"die-stadt-die-es-nicht-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2299","title":{"rendered":"Die Stadt, die es nicht gibt"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Die Stadt, die es nicht gibt\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2299\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>&#8222;Entenhausen &#8211; Weltstadt an der Gumpe&#8220;: die Comicanthologie will uns eine Stadt nahebringen, deren ureigenster Charakter die Uneindeutigkeit ist. Darum enth\u00c3\u00a4lt der Band nicht nur einen, sondern gleich zwei Stadtpl\u00c3\u00a4ne.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/entenhausen.jpg\" alt=\"\" \/><!--more-->Das Besondere an Entenhausen war seit je seine fluide Topologie. Nicht nur, was die Lage der markanten Geb\u00c3\u00a4ude, hier vor allem des Geldspeichers, und den Verlauf von Fl\u00c3\u00bc\u00c3\u0178en und Stra\u00c3\u0178en angeht.<\/p>\n<p>Sondern auch, was den Charakter der Stadt betrifft. Entenhausen ist, folgt man den Berichten in den Comics, ein Zentrum von Schwerindustrie und Medienwirtschaft, eine politisch agile Gro\u00c3\u0178stadt mit Kleinstadtcharme, eine Hafenstadt mit ruralem Charakter, eine altmodische Stadt mit modernem Hochgeb\u00c3\u00a4udebau.<\/p>\n<p>Die Eigenheit Entenhausens, seinen Charakter offenbar je nach Betrachter zu \u00c3\u00a4ndern, macht die Erstellung eines Plans der Stadt nicht nur unm\u00c3\u00b6glich, sondern obsolet. Dennoch finden sich gleich zwei Pl\u00c3\u00a4ne in diesem Buch, profunder Beleg des Problems: zum einen eine in den Achtziger- oder fr\u00c3\u00bchen Neunzigerjahren f\u00c3\u00bcr das Micky-Maus-Magazin erstellte Karte, die eher willk\u00c3\u00bcrlich eine markante Pl\u00c3\u00a4tze an beliebigem Ort darstellt und der Stadt insgesamt Gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e und Charakter einer altmodischen Siedlerstadt gibt.<\/p>\n<p>Zum anderen die von J\u00c3\u00bcrgen Wollina auf Basis barksscher Quellen vor einigen Jahren erstellte Karte, die Entenhausen als urbanen Moloch charakterisiert, von gigantischem Umfang, um Platz zu finden f\u00c3\u00bcr all jene Besonderheiten der Stadt, wie sie berichtet sind.<\/p>\n<p>Der Tourist w\u00c3\u00a4re mit beiden Karten aufgeschmissen. Entenhausen verweigert sich der Kartografierung, und zwar aus gutem Grund: die Stadt will immer wieder neu entdeckt werden. Ihre extreme Wandelbarkeit, nein besser, ihre beinahe quantenphysikalische Uneindeutigkeit, hat sich auf die Einstellung ihrer B\u00c3\u00bcrger \u00c3\u00bcbertragen, die hunderte von Berufen haben und in mehreren davon sogar Meister ihres Fachs sein und trotzdem am n\u00c3\u00a4chsten Tag vergessen sein k\u00c3\u00b6nnen. So wie die Stadt sich permanent neu darstellt und erfindet, m\u00c3\u00bcssen auch die Entenhausener B\u00c3\u00bcrger sich immer wieder neu erfinden.<\/p>\n<p>Nur in Ausnahmef\u00c3\u00a4llen, etwa im Fall des Geldspeichers und des Denkmals von Emil Erpel gelingt es den B\u00c3\u00bcrgern, eine st\u00c3\u00a4dtische Einrichtung von Bestand zu schaffen \u00e2\u20ac\u201c auff\u00c3\u00a4lligerweise ist in beiden F\u00c3\u00a4llen eine gro\u00c3\u0178e Menge Geld beteiligt.<\/p>\n<p>Dar\u00c3\u00bcber hinaus unterliegen zum Beispiel Rathaus, Stadion, Wohnh\u00c3\u00a4user permanentem architektonischem Wandel (ein Gl\u00c3\u00bccksfall f\u00c3\u00bcr die Ansichtskartenindustrie). Jede Darstellung Entenhausens und seiner B\u00c3\u00bcrger kann daher also nur Momentaufnahme sein \u00e2\u20ac\u201c das Stadtportr\u00c3\u00a4t \u00e2\u20ac\u017eEntenhausen \u00e2\u20ac\u201c Weltstadt an der Gumpe\u00e2\u20ac\u0153 also nur einer von potentiell unendlich vielen Beitr\u00c3\u00a4gen \u00c3\u00bcber das Leben in dieser Stadt.<\/p>\n<p>Das w\u00c3\u00a4re bei der Lekt\u00c3\u00bcre zu ber\u00c3\u00bccksichtigen, die h\u00c3\u00a4ufig das Privatleben einzelner B\u00c3\u00bcrger in den Vordergrund stellt und trotz aller Selbsthehauptung, etwas \u00c3\u00bcber das Leben in Entenhausen zu erz\u00c3\u00a4hlen, notwendigerweise nur St\u00c3\u00bcckwerk ist. Als solches freilich solides St\u00c3\u00bcckwerk, oder wenn man es anders formulieren will: ein solider Ziegel aus einem deutlich gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178eren Geb\u00c3\u00a4ude.<\/p>\n<p><em>Carl Barks, Don Rosa, William van Horn u.a.: Entenhausen \u00e2\u20ac\u201c Weltstadt an der Gumpe<br \/>\nEgmont Comic Collection, 416 S.; \u00e2\u201a\u00ac 29,95<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/2566d2fd057949a380d1e52b42780e5c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2299\" title=\" Die Stadt, die es nicht gibt\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">&#8222;Entenhausen &#8211; Weltstadt an der Gumpe&#8220;: die Comicanthologie will uns eine Stadt nahebringen, deren ureigenster Charakter die Uneindeutigkeit ist. 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