{"id":2353,"date":"2015-02-06T17:22:21","date_gmt":"2015-02-06T16:22:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2353"},"modified":"2015-02-11T17:35:19","modified_gmt":"2015-02-11T16:35:19","slug":"karl-denke-spannend-vasmers-bruder-nicht-so","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2353","title":{"rendered":"50 Schatten von Schwarz"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"50 Schatten von Schwarz\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2353\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>&#8222;Vasmers Bruder&#8220; schliesst die Reihe von Peer Meters Comicbiografien realer deutscher Serienm\u00c3\u00b6rder ab. Wie jeder der B\u00c3\u00a4nde wei\u00c3\u0178 auch dieser grafisch zu \u00c3\u00bcberzeugen. Im Gegensatz zu den vorhergehenden B\u00c3\u00a4nden schw\u00c3\u00a4chelt dieser freilich massiv.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/vasmersbruder.jpg\" alt=\"\" \/><!--more-->2010 waren in Erlangen diverse Originalseiten des damals noch unvollendeten Comics zu sehen. Schon damals war klar: das wird ein Monster. Nicht nur zu lesen. Sondern auch zu zeichnen und zu drucken.<\/p>\n<p>Bassewitz&#8216; Seiten, deutlich gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178er als im Buchformat und hinter Glas, zeigten vor allem eins: eine Orgie aus verschiedenen Schwarz- und Graut\u00c3\u00b6nen. (Wer behauptet, es g\u00c3\u00a4be nur ein Schwarz, hat die Seiten nicht gesehen.)<\/p>\n<p>Als wollte er dem Blatt das Weiss austreiben, waren sie meisterliche Beispiele daf\u00c3\u00bcr, wie man ohne Licht erz\u00c3\u00a4hlt. Und das in einer Geschichte, die mehrheitlich im verschneiten Polen spielt.<\/p>\n<p>Das der Band erst vier Jahre sp\u00c3\u00a4ter erschien, d\u00c3\u00bcrfte auch damit zu tun haben. Mit Bassewitz&#8216; atemberaubenden Perfektionismus, nahzeulichtlose photorealistische Schattenkompositionen zu entwerfen. Und mit der Schwierigkeit, das lesbar zu drucken.<\/p>\n<p>Die Edition bei Carlsen tut ihr Bestes, und wenn sie scheitert, dann daran, dass sie \u00c3\u00bcber die grafische Komponente hinaus kein besonders guter Comic ist. Peer Meter ist Experte f\u00c3\u00bcr Serienm\u00c3\u00b6rder, das hat er in \u00e2\u20ac\u017eHaarmann\u00e2\u20ac\u0153 mit Isabel Kreitz und \u00e2\u20ac\u017eGift\u00e2\u20ac\u0153 mit Barbara Yelin belegt. Beide Titel zeigten allerdings bereits seine Abh\u00c3\u00a4ngigkeit vom Zeichner: die Szenarios selbst waren eher spr\u00c3\u00b6de, dokumentarisch, kaum auf Erz\u00c3\u00a4hlung ausgelegt.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eVasmers Bruder\u00e2\u20ac\u0153 stellt das Extrem dieser dokumentarischen Darstellung dar. Da, wo jede Handlung sich aufl\u00c3\u00b6st zugunsten ein paar spr\u00c3\u00b6der Fakten \u00e2\u20ac\u201c und viel Seitenschinderei drumrum.<\/p>\n<p>Das ist die Rahmenhandlung um einen jungen Mann (der titelgebende Vasmer), der seinen Bruder sucht, ausgerechnet in der Stadt, in der Karl Denke Jahrzehnte vorher seine Morde begangen hat, bleibt alles skizzenhaft, roh, nicht zu Ende ausfabuliert. Die erzwungene Rahmenhandlung sowieso, deren Verkn\u00c3\u00bcpfung mit Denkes Morden von Anfang an gewollt scheint.<\/p>\n<p>Das mag man noch einsehen. Dieser Vasmer ist fiktiv, einer der seltenen F\u00c3\u00a4lle, in denen Meter die sicheren Pfade der historischen Realit\u00c3\u00a4t verl\u00c3\u00a4sst. <\/p>\n<p>Genauso skizzenhaft aber Denkes Morde, sein Leben, sein Umfeld, also der wohl eigentliche Zweck des Comics. Vieles wird erst im Nachwort erkl\u00c3\u00a4rt. Wozu brauche ich einen Comic, wenn ich ein Nachwort brauche, um ihn zu verstehen? Karl Denke bleibt eine Schattengestalt. Das f\u00c3\u00bcgt sich in die Grafik des Bandes. L\u00c3\u00a4sst mich zumindest aber doch unbefriedigt nach der Lekt\u00c3\u00bcre zur\u00c3\u00bcck. Nicht aus Blutgier, sondern weil ich von einem Buch mehr erwarte, als ich aus Wikipedia lernen kann.<\/p>\n<p>&#8222;Vasmers Bruder&#8220; scheitert an sich selbst. An seiner unbr\u00c3\u00bcderlichen Zwiegespaltenheit, zwei Geschichten miteinander zu verkn\u00c3\u00bcpfen, die nichts miteinander zu tun haben.<\/p>\n<p>Und doch, Bassewitz&#8216; atemberaubende Seiten, die dem Betrachter buchst\u00c3\u00a4blich R\u00c3\u00a4ume er\u00c3\u00b6ffnen, auch wenn es meist sehr dunkle und tiefe R\u00c3\u00a4ume sind \u00e2\u20ac\u201c nein, schlechtfinden kann ich \u00e2\u20ac\u017eVasmers Bruder\u00e2\u20ac\u0153 nicht. Er ist eine Erfahrung. Aber auch ein sehr m\u00c3\u00a4\u00c3\u0178iger Comic.<\/p>\n<p><em>Peer Meter\/ David von Bassewitz: Vasmers Bruder<br \/>\nCarlsen Comics, 176 S., \u00e2\u201a\u00ac 17,90<\/em><\/p>\n<p>+ + + + +<\/p>\n<p><strong>Verwandte Texte:<\/strong><\/p>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=1171\">Gift\/ Haarmann<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2102\">2 x True Crime<\/a><\/li>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/2a7495a4e7dc4bc1a908e74a77ee39c9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2353\" title=\" 50 Schatten von Schwarz\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">&#8222;Vasmers Bruder&#8220; schliesst die Reihe von Peer Meters Comicbiografien realer deutscher Serienm\u00c3\u00b6rder ab. 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