{"id":2372,"date":"2015-03-09T23:48:01","date_gmt":"2015-03-09T22:48:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2372"},"modified":"2015-03-09T23:48:16","modified_gmt":"2015-03-09T22:48:16","slug":"im-land-des-nichtlachelns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2372","title":{"rendered":"Im Land des Nichtl\u00c3\u00a4chelns"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Im Land des Nichtl\u00c3\u00a4chelns\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2372\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Am 7. M\u00c3\u00a4rz starb der Comiczeichner Yoshihiro Tatsumi. Die Comic-Geschichtsschreibung w\u00c3\u00a4re unvollst\u00c3\u00a4ndig ohne ihn. Aus gegebenem Anlass das Vorwort zu seinem Storyband &#8222;Existenzen und andere Abgr\u00c3\u00bcnde&#8220; (Carlsen, 320 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-551-78689-0) von mir.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die These klingt gewagt: Ohne Yoshihiro Tatsumi s\u00c3\u00a4he die globale Comickultur heute anders aus. <\/p>\n<p>Kann das stimmen? Immerhin geht es um einen Comiczeichner, den bis vor wenigen Jahren im Westen ebenso wie in Japan praktisch niemand kannte. Wie soll ein quasi Unbekannter einen solch gro\u00c3\u0178en Einfluss genommen haben?<\/p>\n<p>Andererseits wird sp\u00c3\u00a4testens seit der zunehmenden Erschlie\u00c3\u0178ung des gewaltigen Manga-Erz\u00c3\u00a4hlpools durch westliche Verlage und Leser in den letzten Jahren klar, wie sehr gerade Tatsumi mit seinen bodenst\u00c3\u00a4ndigen, realistischen und kontemplativen Erz\u00c3\u00a4hlungen in Japan nicht nur das vorweg nahm, was heute im westlichen Kulturkreis \u00c2\u00bbGraphic Novel\u00c2\u00ab genannt wird, sondern auch dem japanischen Comic selbst entscheidende Impulse gab \u00e2\u02c6\u2019 hin zu mehr Reife, Bodenst\u00c3\u00a4ndigkeit und Realismus. Ohne Tatsumi g\u00c3\u00a4be es keinen modernen Manga, dessen erz\u00c3\u00a4hlerische Kraft l\u00c3\u00a4ngst global strahlt. <\/p>\n<p>In Ermangelung eines besseren Begriffs nannte Tatsumi das, was er dabei schuf, zun\u00c3\u00a4chst \u00c2\u00bbManga ohne Manga\u00c2\u00ab, sp\u00c3\u00a4ter dann \u00c2\u00bbGekiga\u00c2\u00ab. Um sich von dem Klischee zu emanzipieren, Comics seien nur f\u00c3\u00bcr Kinder, publizierte er ab 1958 unter diesem von ihm kreierten Schlagwort und gr\u00c3\u00bcndete damit \u00e2\u02c6\u2019 ohne es zu diesem Zeitpunkt zu ahnen \u00e2\u02c6\u2019 eine neue Schule japanischer Comicerz\u00c3\u00a4hler. Der Begriff ist ein Wortspiel: \u00c2\u00bbManga\u00c2\u00ab bedeutet \u00c2\u00bbdas komische Bild\u00c2\u00ab, Gekiga meint \u00c2\u00bbdas ernste Bild\u00c2\u00ab. Und dass es ernst ist, erkennt man auf den ersten Blick. Kaum einmal l\u00c3\u00a4chelt eine der Figuren in seinen Geschichten. H\u00c3\u00a4ufig blicken sie den Leser direkt an, mit verkniffenem Mund, ein H\u00c3\u00a4ufchen unterdr\u00c3\u00bcckte Depression. <\/p>\n<p>F\u00c3\u00bcr japanische Verh\u00c3\u00a4ltnisse, in denen Comics in der Regel \u00c3\u00bcber hunderte von Seiten konzipiert werden, waren Tatsumis erste Gekiga aus den 1960er-Jahren zu Anfang gerade einmal sechs bis acht, sp\u00c3\u00a4ter bis zu vierzig Seiten lang. <\/p>\n<p>Tatsumi hatte zu jener Zeit schon mehr als ein Jahrzehnt in Japans aufbl\u00c3\u00bchender Manga-Industrie hinter sich. Er hatte dutzendfach Actionszenarien vor allem aber Kriminalgeschichten entworfen, rei\u00c3\u0178erische Dramolette zwischen zwanzig und hundertzwanzig Seiten Umfang, die er wie am Flie\u00c3\u0178band ausspuckte \u00e2\u02c6\u2019 auf Grund der schlechten Bezahlung war nur so ein Leben als Zeichner m\u00c3\u00b6glich.<br \/>\nWollte man seine Kurzgeschichten an diesen Massenprodukten messen, handeln sie eigentlich von nichts: Es sind winzige narrative Skizzen \u00c3\u00bcber Menschen auf dem Weg zur Arbeit, in U-Bahnen, im B\u00c3\u00bcro, in Kneipen; \u00c3\u00bcber Menschen in unerf\u00c3\u00bcllten Liebesbeziehungen. Obwohl sie in einem Magazin f\u00c3\u00bcr junge Leser ver\u00c3\u00b6ffentlicht wurden, sind sie von unverhohlener Offenheit. Sie zeigen Sex in all seinen Spielarten, aber ohne jede Sch\u00c3\u00b6nzeichnung, thematisieren Alkohol, Drogen, Einsamkeit.<\/p>\n<p>Grafisch wirken sie wie mit rohem Strich gezeichnet, h\u00c3\u00a4ufig auch wie eilig hingeworfen. Starke Linien, wenige Details, sparsame Hintergr\u00c3\u00bcnde bestimmen die Ausarbeitung. Zum Teil ist das sicher den \u00c3\u00b6konomischen Notwendigkeiten geschuldet. Denn Tatsumi musste auch diese Episoden schnell und f\u00c3\u00bcr wenig Geld produzieren; die Honorare waren in experimentellen Bereichen erst recht gering.<br \/>\nUnd doch zeigt sich gerade in der scheinbaren Unvollkommenheit Tatsumis Gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e als Comicerz\u00c3\u00a4hler, der die F\u00c3\u00a4higkeit zur Reduktion auf das Notwendige beherrscht. Darum beeindruckt nicht nur die psychologische Komponente, wenn er seine Figuren durch bittere Dramen jagt, sondern auch die soziale Genauigkeit, mit der er reale Schaupl\u00c3\u00a4tze skizziert \u00e2\u02c6\u2019 Hafengegenden, Seitengassen, drittklassige Wohnr\u00c3\u00a4ume und billige Sake-Kaschemmen. Mit fast einem halben Jahrhundert Abstand gelesen, sind diese Geschichten seltener Anlass, das zwischen Aufbau und Tradition gefangene Japan der Nachkriegszeit sinnlich erfahrbar zu machen.<\/p>\n<p>In seiner detailgetreuen Schilderung lokaler Milieus erweist sich Tatsumi als geistiger Verwandter Will Eisners. Der US-amerikanische Zeichner hatte ab 1940 in seiner Serie \u00c2\u00bbThe Spirit\u00c2\u00ab das urbane Milieu erkundet. Auch formal \u00c3\u00a4hneln seine Arbeiten denen Tatsumis: sechs bis acht Seiten umfassten die Episoden, die in einer Zeitungsbeilage abgedruckt wurden. Wo Eisner allerdings noch auf die ironisch-\u00c3\u00bcberzeichnete Figur des Detektivs Denny Colt als \u00c2\u00bbSpirit\u00c2\u00ab zur\u00c3\u00bcckgreifen musste, um die Episode sowohl den Lesern als auch dem vertreibenden Syndikat schmackhaft zu machen, verzichtete Tatsumi von Beginn an auf eine wiederkehrende Hauptfigur. Eine vergleichbare Losl\u00c3\u00b6sung von Erwartungshaltungen und formalen Zw\u00c3\u00a4ngen gelang Eisner erst 1978 mit seiner Graphic Novel \u00c2\u00bbEin Vertrag mit Gott\u00c2\u00ab \u00e2\u02c6\u2019 zu einem Zeitpunkt zu dem Tatsumi bereits mehr als einhundert seiner kurzen Gekiga ver\u00c3\u00b6ffentlicht hatte. <\/p>\n<p>Innerhalb der Manga-Historie ist Tatsumi ein Zeichner der zweiten Generation \u00e2\u02c6\u2019 der ersten, die fast vollst\u00c3\u00a4ndig mit Manga aufgewachsen ist. Geboren 1935 in der Pr\u00c3\u00a4fektur Osaka, beschreibt er als pr\u00c3\u00a4gendes Element seiner Kindheit den abrupten Friedensschluss. Die Bombardements, erz\u00c3\u00a4hlt er sp\u00c3\u00a4ter, kamen so pl\u00c3\u00b6tzlich zum Stillstand, dass nur noch der Gesang der Zikaden zu h\u00c3\u00b6ren war.<br \/>\nWeit mehr Einfluss auf seine Entwicklung nahm f\u00c3\u00bcr ihn allerdings das Wiederaufbl\u00c3\u00bchen der Kulturindustrie. 1947 hatte der junge Zeichner Osamu Tezuka, nur knapp sieben Jahre \u00c3\u00a4lter als Tatsumi, \u00c2\u00bbDie neue Schatzinsel\u00c2\u00ab ver\u00c3\u00b6ffentlicht, und damit unbewusst den modernen Manga erfunden. Typische japanische Comics hatten bis zu diesem Zeitpunkt vor allem aus kurzen Geschichten bestanden. Dominant war eine dem westlichen Comicstrip \u00c3\u00a4hnelnde Vier-Bild-Erz\u00c3\u00a4hlung, die in der Regel auf eine simple Pointe hinauslief.<\/p>\n<p>Die aus heutiger Sicht wenig originelle \u00c2\u00bbNeue Schatzinsel\u00c2\u00ab verbl\u00c3\u00bcffte damals auf Grund des Umfangs von 120 Seiten sowie der erstmaligen Verwendung kinematographischer Erz\u00c3\u00a4hltechniken, einem verbl\u00c3\u00bcffenden Spiel mit der Erz\u00c3\u00a4hlzeit \u00e2\u02c6\u2019 allein die \u00c3\u2013ffnungssequenz, in der der Held zum Hafen f\u00c3\u00a4hrt, erstreckt sich \u00c3\u00bcber zwanzig Seiten \u00e2\u02c6\u2019 und der Wahl extremer Perspektiven.<\/p>\n<p>Tezukas Buch sollte, nicht zuletzt wegen seines gigantischen Verkaufserfolgs, den Manga nachhaltig pr\u00c3\u00a4gen, ihn aber ebenso f\u00c3\u00bcr mehr als ein Jahrzehnt auf reine Unterhaltung f\u00c3\u00bcr Kinder festlegen. Als Tatsumi selbst zun\u00c3\u00a4chst erst kurze, ab 1954 auch l\u00c3\u00a4ngere Geschichten zeichnete, geschah das fast selbstverst\u00c3\u00a4ndlich in dem von Tezuka vorgegebenen Muster: einfache, auf Gags und Action getrimmte Geschichten, hergestellt in m\u00c3\u00b6glichst hohem Tempo. Tezuka war Vorbild: Er schuf acht bis zehn neue B\u00c3\u00a4nde pro Jahr.<\/p>\n<p>Schnell zeigten sich Tatsumi die Grenzen seines Daseins als Mangaka auf. Der japanische Mangamarkt war damals vorrangig lokal aufgestellt, B\u00c3\u00bccher wurden weniger zum Verkauf als zum Verleih produziert. Leihb\u00c3\u00bcchereien, in denen man die B\u00c3\u00a4nde f\u00c3\u00bcr wenige Yen lesen konnte, bildeten das Verteilersystem. Die Gewinnspannen waren gering, die B\u00c3\u00bccher mussten m\u00c3\u00b6glichst kosteng\u00c3\u00bcnstig produziert werden. F\u00c3\u00bcr seinen ersten Manga in Buchl\u00c3\u00a4nge sollte Tatsumi 12.000 Yen Honorar erhalten, ein japanischer Berufseinsteiger der untersten Gehaltsklasse verdiente 8.000 Yen monatlich. Sp\u00c3\u00a4ter versuchte der Verleger noch, Tatsumi um ein Drittel dieses Betrags zu prellen. <\/p>\n<p>Tatsumis w\u00c3\u00b6chentliches Pensum betrug in der Regel zwanzig Seiten. Den Manga \u00c2\u00bbBlack Blizzard\u00c2\u00ab mit einem Umfang von 120 Seiten zeichnete er im Jahr 1956 sogar in 21 Tagen. Die Geschichte zweier aneinander gefesselten M\u00c3\u00a4nner auf der Flucht vor der Polizei, nimmt auf verbl\u00c3\u00bcffende Weise das Thema des 1958 entstandenen Hollywoodfilms \u00c2\u00bbFlucht in Ketten\u00c2\u00ab voraus.<\/p>\n<p>Ansonsten verlief die Fresskette eher andersherum: Weil nicht nur Tatsumi, sondern auch seine Kollegen unter permanentem Lieferdruck standen, kopierten sie aus den Inhalten aktueller Filme. Als Vorlagen dienten Werke des Regisseurs Alfred Hitchcock sowie Filme der franz\u00c3\u00b6sischen Nouvelle Vague, aber auch einheimische Streifen, Krimis, Romanzen und Dramen befl\u00c3\u00bcgelten die Inspiration der Zeichner.<br \/>\nDer Lohn f\u00c3\u00bcr die M\u00c3\u00bche war gering. In seiner Autobiografie schildert Tatsumi, wie die Verlage aus Furcht vor h\u00c3\u00b6heren Honorarforderungen die Auflagenzahlen seiner Werke vor ihm geheim hielten. Als bei einer Anti-Manga-Pressekampagne einer von Tatsumis Kollegen namentlich ins Visier der Zeitungen geriet, fand er \u00c3\u00bcber Monate keine Auftraggeber. Und die Verlage griffen zu noch drastischeren Ma\u00c3\u0178nahmen: Um die Zeichner anzutreiben und besser kontrollieren zu k\u00c3\u00b6nnen, quartierten sie ihre jungen Talente in eigens angemieteten Wohnh\u00c3\u00a4usern ein.<\/p>\n<p>Und dennoch reifte Tatsumi in dieser Zeit heran \u00e2\u02c6\u2019 in pers\u00c3\u00b6nlicher wie auch k\u00c3\u00bcnstlerischer Hinsicht. In der zweiten H\u00c3\u00a4lfte der 1950er-Jahre geriet er in das Umfeld von Zeichnern und Verlegern, die von den US-Krimi-Pulps beeinflusst waren. Besonders der Krimiautor Mickey Spillane wurde mit seinen Hard-boiled-Romanen zum indirekten Vorbild f\u00c3\u00bcr eine ganze Reihe von Zeichnern, die es sich zum Ziel setzten, Geschichten aus ungew\u00c3\u00b6hnlichen Perspektiven zu erz\u00c3\u00a4hlen. <\/p>\n<p>Tatsumi insbesondere experimentierte mit der Erz\u00c3\u00a4hlzeit. Die Ereignisse in \u00c2\u00bbBlack Blizzard\u00c2\u00ab spielen sich innerhalb von weniger als zw\u00c3\u00b6lf Stunden ab; Erz\u00c3\u00a4hl- und Lesezeit sollten so deckungsgleich wie m\u00c3\u00b6glich sein.<\/p>\n<p>In diesem Umfeld unterbezahlter Kreativit\u00c3\u00a4t wurden erstmals im japanischen Comic realistische Stoffe entwickelt. Manga, der kein Manga ist, Manga ohne Manga, schlie\u00c3\u0178lich \u00c2\u00bbGekiga\u00c2\u00ab als eigenst\u00c3\u00a4ndiger Begriff ist Ausdruck dieses Reifeprozesses. Dabei ist Gekiga weniger ein Genre als eine Perspektive. Unter der Idee, m\u00c3\u00b6glichst real und ernsthaft zu erz\u00c3\u00a4hlen, finden im Gekiga neben Krimi- und Gegenwartsthemen auch historische Stoffe Platz. Sp\u00c3\u00a4testens seit auch Osamu Tezuka in den 1960er-Jahren Gekiga produzierte, l\u00c3\u00a4utete der von Tatsumi erfundene Begriff das ein, was unter Manga-Historikern heute das \u00c2\u00bbGoldene Zeitalter\u00c2\u00ab des japanischen Comic genannt wird. Klassiker wie Tezukas \u00c2\u00bbAdolf\u00c2\u00ab, Sanpei Shiratos \u00c2\u00bbKamui\u00c2\u00ab und Goskei Kojimas \u00c2\u00bbLone Wolf &#038; Cub\u00c2\u00ab kennzeichnen diese Epoche.<\/p>\n<p>Zu dem Zeitpunkt hatte Tatsumi sich bereits weiterentwickelt \u00e2\u20ac\u201c und m\u00c3\u00b6glicherweise war es das, was seinen l\u00c3\u00a4ngerfristigen Ruhm verhinderte. Im Gegensatz zu einem K\u00c3\u00bcnstler wie Will Eisner, der sich stets auch als eigene Marke produzierte, stand f\u00c3\u00bcr Tatsumi der Gekiga, der Comic an sich im Vordergrund \u00e2\u02c6\u2019 und das hatte Folgen: Eine Vielzahl von Klassikern des Manga w\u00c3\u00a4ren ohne seine Vorarbeit nicht denkbar; die japanischen Gekigaka nahmen mit ihrer Arbeit um Jahre und Jahrzehnte das vorweg, was sich sp\u00c3\u00a4ter im Westen als \u00c2\u00bbGraphic Novel\u00c2\u00ab entwickeln sollte; die von ihm kreierte Schule begann global Wellen zu schlagen und beeinflusste K\u00c3\u00bcnstler wie Frank Miller.<br \/>\nW\u00c3\u00a4hrend all dieser von ihm angesto\u00c3\u0178enen Entwicklungen produzierte Tatsumi stur weiterhin seine Kurzdramen, die zumeist in Magazinen mit geringer Auflage erscheinen. In Publikationen wie dem legend\u00c3\u00a4ren \u00c2\u00bbGaro\u00c2\u00ab, das in den 1970er-Jahren zu einem Sammelbecken hochexperimenteller K\u00c3\u00bcnstler wurde, die stilistisch wie inhaltlich weit hinter sich lie\u00c3\u0178en, was auf dem japanischen Markt als Manga galt und in dessen inoffzieller Nachfolgerpublikation \u00c2\u00bbAX\u00c2\u00ab, zu dessen regelm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178igen Kontributoren der inzwischen beinahe 80-j\u00c3\u00a4hrige Zeichner und Autor heute noch z\u00c3\u00a4hlt.<\/p>\n<p>Tatsumis kurze Episoden sind die reine Form des modernen Comic. Sie verzichten auf erz\u00c3\u00a4hlerische wie auf graphische Schn\u00c3\u00b6rkel, auf Serienfiguren, bauchnabelhafte Selbstinszenierung (auch wenn sich immer wieder typische Selbstportr\u00c3\u00a4ts in den Geschichten finden, erkennbar an der markanten Haartolle und der Stupsnase im breiten Gesicht) und nicht zuletzt auf eine allein dem Ziel, der Pointe dienenden Dramaturgie. Viele der Episoden stehen dem Journalismus n\u00c3\u00a4her als der reinen Belletristik, indem sie trotz aller fiktiven Elemente Gegenwart rekonstruieren. Es ist kaum fassbar, dass solch moderne Comics, wie es sie im Westen erst seit knapp zwei Jahrzehnten gibt, vor einem halben Jahrhundert bereits in Japan entstanden sind. Es gilt, mit Yoshihiro Tatsumi einen Vorreiter der graphischen Literatur zu entdecken und wiederzuentdecken, und das schleunigst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/f6f58b1dbf1542cda6776ba88b4f154c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2372\" title=\" Im Land des Nichtl\u00c3\u00a4chelns\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Am 7. M\u00c3\u00a4rz starb der Comiczeichner Yoshihiro Tatsumi. 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