{"id":2565,"date":"2017-04-07T16:20:29","date_gmt":"2017-04-07T15:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2565"},"modified":"2017-04-07T16:59:13","modified_gmt":"2017-04-07T15:59:13","slug":"was-quakt-denn-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2565","title":{"rendered":"Was quakt denn da?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Was quakt denn da?\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2565\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/wasquakt.jpg\" alt=\"Was quakt denn da?\" \/><strong>Der Tierwelt Entenhausens widmet sich ein Sonderband der Disney-Comics. Wer nicht begreift, warum das problematisch ist, f\u00c3\u00bcr den gibt es &#8222;Donald Duck f\u00c3\u00bcr Duckies&#8220; &#8211; eine Einleitung in den Entenkosmos.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tiere sind, nat\u00c3\u00bcrlich, ein heikles Thema, wenn es um Entenhausen geht. Denn vermutlich kein Ort der Welt tr\u00c3\u00a4gt seinen Namen so zu recht. Kein Mannheim, kein Stra\u00c3\u0178burg, kein Bitterfeld sind so m\u00c3\u00a4nnlich, mit Stra\u00c3\u0178 geschm\u00c3\u00bcckt oder bitter, wie Entenhausen von Enten dominiert wird. Mindestens von einer: Dagobert Duck, die reichste Ente der Welt. (Man beachte die feine Distinktion, auf die er selbst wert legt: nicht der reichste Mensch und nicht die reichste Person, sondern die reichste Ente!)<\/p>\n<p>Entenhausen ist, wo Enten hausen, ja, wo sie sich manchmal sogar einen Hund als Haustier halten.<\/p>\n<p>Dass sich Figuren wie Dagobert und Donald Duck selbst als Enten begreifen (nicht aber manche ihrer lieben Mitb\u00c3\u00bcrger als Schweine, Hunde und G\u00c3\u00a4nse) wirft irritierende Probleme auf. Fraglos ist Entenhausen eine multikulturelle Gesellschaft, in der \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst verschiedene Wesen sehr friedfertig zusammenleben k\u00c3\u00b6nnen. Allerdings scheinen eben immer noch da, wo alle gleich sind, manche gleicher sind, um George Orwell zu zitieren. Jeder ist B\u00c3\u00bcrger &#8211; nicht alle sind Ente.<\/p>\n<p>Und manch einer ist einfach nur Tier. Die Fieselschweiflinge, allen voran Tick, Trick und Track, erforschen seit Jahren Feld, Wald und Flur. Zu ihren selbstgestellten Aufgaben geh\u00c3\u00b6rt offenbar nicht nur die Beobachtung der Fauna, sondern manchmal auch deren Rettung und sogar deren Z\u00c3\u00a4hmung. Sie, die Enten, retten Geier und dressieren Hasen. Sie gehen in den Zirkus und erstehen ein Kamel.<\/p>\n<p>Nur vor B\u00c3\u00a4ren nehmen sie Rei\u00c3\u0178aus. Seit Carl Barks erster Dagobert-Geschichte (hier nicht enthalten) kann man B\u00c3\u00a4ren als sowas wie die Erzfeinde der Enten ansehen. Echte und falsche B\u00c3\u00a4ren tauchen regelm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig in den Erz\u00c3\u00a4hlungen auf. <\/p>\n<p>Kein Wunder. Die echten B\u00c3\u00a4ren symbolisieren die reine, undomestizierte Natur. Ein Eindringen der Enten in ihren Lebensbereich, meist H\u00c3\u00b6hlen, nehmen sie als St\u00c3\u00b6rfaktor wahr, die zivilisierten, endnaturisierten Enten m\u00c3\u00bcssen vertrieben werden, nicht erlegt. Die falschen B\u00c3\u00a4ren dagegen erweisen sich meist sehr z\u00c3\u00bcgig als Scharade, als unzureichende Nachahmung der Natur, von der sich die domestizierten Enten in ihren Villen und Reihenh\u00c3\u00a4usern entfernt haben.<\/p>\n<p>Thomas Hobbes w\u00c3\u00bcrde hier wohl vom Naturzustand reden: das Noch-Tier trifft auf das Nicht-mehr-Tier &#8211; beide sind entsetzt und des anderen Feind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/duckies.jpg\" alt=\"Donald f\u00c3\u00bcr Duckies\" \/>Nicht jeder versteht diesen Spannungszustand &#8211; nicht einmal jeder Experte. In &#8222;Donald f\u00c3\u00bcr Duckies&#8220; begr\u00c3\u00bcsst der Vorwortschreiber den Leser mit der Erkenntnis, dass einem auch in Entenhausen nicht &#8222;die gebratenen Enten in den Mund&#8220; fliegen. Das ist nat\u00c3\u00bcrlich sehr zu hoffen, denn w\u00c3\u00a4hrend G\u00c3\u00a4nsebraten und \u00c3\u00a4hnliche Kulinarien in einer Welt, die zwischen zweierlei Tier unterscheidet, gerade noch ertr\u00c3\u00a4glich erscheinen mag, ist doch die gebratene Ente in Entenhausen ein Ausdruck bittersten Zynismus.<\/p>\n<p>Oder ist das Ausdruck einer spezifischen Form des Rassismus, der sich die Enten ausgesetzt sehen und der manche &#8211; wie Gustav Gans &#8211; sogar zwingt, ihr Ente-Sein zu verleugnen? Ist Dagobert Ducks innerer Zwang zum Erfolg auch Ausdruck der ewigen Fremdheit, sei sie nun real oder empfunden, in einer Stadt, in der Enten weiterhin Minderheit sind?<\/p>\n<p>Die Kultur bestimmt eben doch das Bewusstsein &#8211; in diesem Fall sollte es daf\u00c3\u00bcr gesch\u00c3\u00a4rft werden, dass Enten nicht gebraten geh\u00c3\u00b6ren, dass Tiere und Nicht-mehr-Tiere unseren Respekt verdient haben, von Dummies ebenso wie von Duckies<\/p>\n<p><em>Was quakt denn da? Enten in freier Wildbahn, Egmont, 192 S.; 20,00 EUR<br \/>\nDonald Duck f\u00c3\u00bcr Duckies, Egmont, 320 S.; 16,99 EUR<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2565\" title=\" Was quakt denn da?\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Der Tierwelt Entenhausens widmet sich ein Sonderband der Disney-Comics. Wer nicht begreift, warum das problematisch ist, f\u00c3\u00bcr den gibt es &#8222;Donald Duck f\u00c3\u00bcr Duckies&#8220; &#8211; eine Einleitung in den Entenkosmos.<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tierwelt Entenhausens widmet sich ein Sonderband der Disney-Comics. Wer nicht begreift, warum das problematisch ist, f\u00c3\u00bcr den gibt es &#8222;Donald Duck f\u00c3\u00bcr Duckies&#8220; &#8211; eine Einleitung in den Entenkosmos. Der Tierwelt Entenhausens widmet sich ein Sonderband der Disney-Comics. 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