{"id":2598,"date":"2017-10-18T15:12:42","date_gmt":"2017-10-18T14:12:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=2598"},"modified":"2017-10-19T15:22:18","modified_gmt":"2017-10-19T14:22:18","slug":"albert-methusalix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2598","title":{"rendered":"Albert Methusalix"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Albert Methusalix\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2598\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" src=\"\/i\/asterix-alt.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"164\" \/><strong>Ach, das Altwerden! &#8222;Mit zunehmendem Alter verliert das Leben seinen Reiz&#8220;, gibt im Jubil\u00c3\u00a4ums-Comic <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/asterix-band-zum-50-geburtstag-holzhammer-statt-hinkelstein-a-656663.html\">&#8222;Das Goldene Buch&#8220;<\/a> ein alt gewordener Asterix zu Protokoll. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Ton war neu. Zuvor waren alte M\u00c3\u00a4nner vor allem Gegenstand von Witzen gewesen. Methusalix, mit dreiundneunzig Jahren Dorf\u00c3\u00a4ltester, wird bei seinem ersten Auftritt in &#8222;Asterix bei den Olympischen Spielen&#8220; als Lustgreis dargestellt. Sp\u00c3\u00a4ter verdankt der Leser ihm das unsterbliche Zitat &#8222;Ich hab&#8216; nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier&#8220;. In &#8222;Streit um Asterix&#8220; h\u00c3\u00a4lt er n\u00c3\u00bcchtern fest &#8222;Das wird ja immer sch\u00c3\u00b6ner mit der Jugend von heute!&#8220;<\/strong><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Diesen Jungs geht jeder Sinn f\u00c3\u00bcr P\u00c3\u00bcnktlichkeit ab!&#8220;, kommentieren die alten Herren das sp\u00c3\u00a4te Erscheinen der Jugend auf dem Schlachtfeld in &#8222;Asterix auf Korsika&#8220;. Und &#8222;Ich erinnere mich an die Zeit, als es pausenlos durchging&#8220;, gemeint ist die Klopperei.<\/p>\n<p>Es ist vermutlich die schmerzhafteste Stelle in der gesamten Historie von &#8222;Asterix&#8220;, den Krieger und seinen Kumpel Obelix grau, gebeugt, greisenhaft auf der Bank sitzend zu sehen. Und vielleicht die ehrlichste. 82 Jahre alt war &#8222;Asterix&#8220;-Zeichner Albert Uderzo da. Selbst noch kein Greis, aber die Zeichnerhand wollte l\u00c3\u00a4ngst nicht mehr so, wie der Zeichner wollte, wie er im Interview auch zugab. 2008 war seine Autobiografie erschienen, 2009, zum f\u00c3\u00bcnfzigsten Jubil\u00c3\u00a4um der Figur, jenes finale &#8222;Asterix&#8220;-Abenteuer &#8222;Das goldene Buch&#8220; aus seiner Hand. Und dann war, jedenfalls f\u00c3\u00bcr Uderzo, Schlu\u00c3\u0178.<\/p>\n<p>Wer will es ihm verdenken? Inhaltlich waren die Asterix-Abenteuer zu dem Zeitpunkt nur noch ein fahler Schatten ihrer selbst. Sp\u00c3\u00a4testens seit 1977, als Rene Goscinny \u00c3\u00bcberraschend starb, Autor der ersten vierundzwanzig &#8222;Asterix&#8220;-Alben. Mitten in der Entstehung der Geschichte. Der Verlag zwang Uderzo, das Album trotzdem fertig zu produzieren, das darum mit seitenweise grauem Himmel endet.<\/p>\n<p>Was danach kam, von Uderzo nicht nur gezeichnet, sondern auch getextet, war gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tenteils ein Trauerspiel aus faden Gags und notd\u00c3\u00bcrftig zusammengezimmerten Plots, mit dem er am Ruhm des eigenen Werks kratzte.<\/p>\n<p>Aber andererseits: muss man nicht Uderzo Narrenfreiheit zugestehen, als einen im Wortsinn einzigartigen europ\u00c3\u00a4ischen Comiczeichner, dessen filigraner, nach au\u00c3\u0178en scheinbar so fuseliger, in Wahrheit aber aufger\u00c3\u00a4umter Strich eine Schule f\u00c3\u00bcr sich ist? Was Uderzo da in seinen letzten Alben produziert hat &#8211; vergessen, angesichts der Nase von Cleopatra, dem &#8222;Tock-Tock&#8220; von Obelix!<\/p>\n<p>Wo hat er all das eigentlich her? Die Biografie gibt Aufschlu\u00c3\u0178. Geboren 1927 als Kind italienischer Einwanderer, in bitterarmen Verh\u00c3\u00a4ltnissen aufgewachsen, war er kurz Kuhhirt, dann Mechaniker, Trickfilmer und schlie\u00c3\u0178lich Comiczeichner.<\/p>\n<p>Von den Franzosen wurde die Familie relativ schnell eingeb\u00c3\u00bcrgert (&#8222;Frankreich war gastfreundlich&#8220;, kommentiert er in seiner <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/uderzo-autobiografie-papa-asterix-stuerzt-ab-a-608106.html\">Autobiografie<\/a>), von den Nazis wurde der minderj\u00c3\u00a4hrige Albert zur Zwangsarbeit rekrutiert. Nicht nur den Humor, auch die Abneigung gegen Nazis hatte er mit Rene Goscinny gemein, dem Juden polnischer Herkunft, der in Argentinien aufgewachsen war, von dem Teile der Familie im KZ gestorben waren.<\/p>\n<p>Beide waren Fremde in Frankreich, vom Land gut aufgenommen, Internationale im Land der &#8222;Internationale&#8220;. Beide hatten erlebt, wohin die Ideen eines Reichs und \u00c3\u00bcbertriebener Nationalstolz f\u00c3\u00bchren konnte.<\/p>\n<p>Darin finden sich die Wurzeln jenes europ\u00c3\u00a4ischen &#8222;Asterix&#8220;, der meist liebevoll &#8211; au\u00c3\u0178er bei den Deutschen, pardon, &#8222;Goten&#8220; &#8211; die Eigenheiten der europ\u00c3\u00a4ischen Nationen karikiert, der das gallische Dorf als idealisiertes Spiegelbild des osteurop\u00c3\u00a4ischen Schtettl zeichnet, der immer wieder die Einheit der europ\u00c3\u00a4ischen V\u00c3\u00b6lker zeichnet &#8211; gegen grassierenden Imperialismus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/mickey-mouse-gottfredson.jpg\" alt=\"(c) Walt Disney\" \/>Und grafisch? Nat\u00c3\u00bcrlich las er als Kind Comics. Freilich nicht die aus Belgien, wie etwa das damals schon immens erfolgreiche &#8222;Tim &amp; Struppi&#8220;, oder die ersten Nummern von &#8222;Spirou&#8220;. Sondern die aus \u00c3\u0153bersee, vor allem die aus dem Haus Disney.<\/p>\n<p>Das waren noch nicht die &#8222;Donald Duck&#8220;-Geschichten von Carl Barks (die gab es damals noch nicht), sondern die Comicstrips von Floyd Gottfredson mit Micky Maus, der damals tats\u00c3\u00a4chlich eine interessante Figur war: klein, gewitzt, sich von Job zu Abenteuer zu Job hangelnd, ein bescheidener Underdog. Ihm zur Seite der \u00c3\u00bcbergro\u00c3\u0178e, tumbe Goofy. Es f\u00c3\u00a4llt nicht schwer, in diesem Figurenverh\u00c3\u00a4ltnis die Keimzelle von Asterix und Obelix zu sehen, und in Gottfredsons semirealistischem Strich eines der Vorbilder f\u00c3\u00bcr Uderzos Zeichenstil. Sp\u00c3\u00a4ter, in dem Asterix-Album <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/neuer-asterix-band-viel-nichts-um-laerm-a-379674.html\">&#8222;Gallien in Gefahr&#8220;<\/a>, hat Uderzo der Maus ein \u00c3\u00bcberlebensgro\u00c3\u0178es Denkmal gesetzt.<\/p>\n<p>\u00c3\u0153berhaupt, die Vorbilder. Die finden sich nicht in der brummenden frankobelgischen Comicszene der Nachkriegszeit, nicht bei Herg\u00c3\u00a9 (&#8222;Tim &amp; Struppi&#8220;), nicht bei Franquin (&#8222;Gaston&#8220;). Die Vorliebe f\u00c3\u00bcr den realistischen Strich hat er von Milton Caniff (&#8222;Terry and the Pirates&#8220;), den Hang zur kreativen Schriftgestaltung von Walt Kelly (&#8222;Pogo&#8220;). Den Drall zur Persiflage hat er von den fr\u00c3\u00bchen &#8222;MAD&#8220;-Heften.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war ein grafisch nahezu doppelter Uderzo, einer der realistische Abenteuercomics (wie die Fliegercomic-Serie &#8222;Tanguy &amp; Laverdure&#8220;) ebenso \u00c3\u00bcberzeugend zeichnen konnte wie die Funny-Eskapaden eines Asterix und seiner vielen komischen Vorl\u00c3\u00a4ufer.<\/p>\n<p>Es w\u00c3\u00a4re sowieso ungerecht, Uderzo auf den knubbeligen Gallier zu reduzieren. Viele der Comics davor, der Indianer &#8222;Umpah-Pah&#8220;, der Reporter &#8222;Luc Junior&#8220;, der Pirat &#8222;Pitt Pistol&#8220; &#8211; alle stehen tief und zu Unrecht im Schatten des &#8222;Asterix&#8220;. Der war zu Anfang nur einer unter vielen, <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.spiegel.de\/einestages\/50-jahre-asterix-gaststars-in-gallien-a-948572.html\">schnell in einer Nacht mit viel Pastis ausgebr\u00c3\u00bctet<\/a>, in einem der Arbeiterschlie\u00c3\u0178f\u00c3\u00a4cher des Pariser Vororts Bobigny, in dem Uderzo damals wohnte.) Vielleicht darum zu Anfang etwas schludrig im Aussehen. Lange Zeit zeichnete Uderzo &#8222;Tanguy &amp; Laverdure&#8220; und &#8222;Umpah-Pah&#8220; parallel zu &#8222;Asterix, produzierte jeden Tag eine fertige Albenseite &#8211; ein ungeheurer Aufwand.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/marcel-uderzo-die12tatendesasterix.jpg\" alt=\"(c) Les Editions Albert Ren\u00c3\u00a9\" \/>Er h\u00c3\u00a4tte es leichter haben k\u00c3\u00b6nnen. Sein Bruder Marcel, ebenfalls Comiczeichner, geh\u00c3\u00b6rt zu den wenigen, die Alberts Zeichenstil glaubw\u00c3\u00bcrdig nachahmen k\u00c3\u00b6nnen. Marcel hat neben einer &#8222;Asterix&#8220;-Kurzgeschichte die Comicadaption des Films &#8222;Asterix erobert Rom&#8220; gezeichnet. Albert hat beide Comics mit einem Wiederver\u00c3\u00b6ffentlichungsverbot belegt, von &#8222;Asterix erobert Rom&#8220; sp\u00c3\u00a4ter sogar eine eigene Bilderbuchfassung erstellt, um die Spuren dieses Comics ganz zu tilgen. Die Br\u00c3\u00bcder eint eine innige Feindschaft: Marcel ist das einzige Mitglied der Familie Uderzo, das in Alberts Autobiographie praktisch nicht erw\u00c3\u00a4hnt wird.<\/p>\n<p>Wie \u00c3\u00bcberhaupt der sp\u00c3\u00a4te Albert eher als Streithammel, denn als Comiczeichner von sich reden gemacht hat. Er f\u00c3\u00bchrte <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/asterix-schoepfer-uderzo-der-globale-gallier-a-479307.html\">Prozesse gegen alles, was auf -ix endet<\/a> und gegen seine eigene Tochter, gegen die deutschen Comiczeichner Ralf K\u00c3\u00b6nig und Walter Moers. Ach, wie gesagt, das Altwerden! Im Comic gen\u00c3\u00bcgt ein kr\u00c3\u00a4ftiger Fausthieb, ausgerechnet gef\u00c3\u00bchrt gegens einen Sch\u00c3\u00b6pfer Albert Uderzo, und Asterix ist wieder jung. Im wahren Leben wird Albert Uderzo heute 90 Jahre alt, drei Jahre j\u00c3\u00bcnger als Methusalix.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Manuskriptfassung. Urspr\u00c3\u00bcnglich publiziert auf EINES TAGES\/ SPIEGEL-Online.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2612\">Noch was Sch\u00c3\u00b6nes zu &#8222;Asterix&#8220;.<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/442cbf6703ce4564a73dd26949936ad6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=2598\" title=\" Albert Methusalix\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Asterix,Disney,Gottfredson,Mickey Mouse,Uderzo. Goscinny,blog;button:compact;\">Ach, das Altwerden! &#8222;Mit zunehmendem Alter verliert das Leben seinen Reiz&#8220;, gibt im Jubil\u00c3\u00a4ums-Comic &#8222;Das Goldene Buch&#8220; ein alt gewordener Asterix zu Protokoll. Der Ton war neu. 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