{"id":290,"date":"2009-03-02T00:51:29","date_gmt":"2009-03-01T23:51:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=290"},"modified":"2009-03-03T13:17:47","modified_gmt":"2009-03-03T12:17:47","slug":"sonntagslekture-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=290","title":{"rendered":"Sonntagslekt\u00c3\u00bcre (2)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Sonntagslekt\u00c3\u00bcre (2)\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=290\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p>Die Post hat meine neuesten Errungenschaften von Urasawa und Tezuka noch nicht geliefert, also musste das geplante Manga-Wochenende verschoben werden &#8211; aber <a href=\"http:\/\/herrhase.kulando.de\/post\/2009\/02\/24\/die-erschreckenden-scheuklappen-der-deutschen-popkultur-freunde\">wo der Kollege Hase sich doch eh grade dar\u00c3\u00bcber beschwert hat, dass keiner mehr so richtig \u00c3\u00bcber frankobelgische Alben redet<\/a> &#8230; ich k\u00c3\u00b6nnte mir freilich vorstellen, dass er sich das Reden <em>so<\/em> nicht vorgestellt hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/engel.jpg\" \/>Ist doch zumindest <strong>Engel <\/strong>ein Beispiel daf\u00c3\u00bcr, weshalb man nicht all zu viele Worte \u00c3\u00bcber frankobelgische Alben aus der Massenproduktion verlieren muss. Die Geschichte \u00c3\u00bcber ein Engels-Trio im Kampf gegen diverse D\u00c3\u00a4monen ist so verdammt saft- und kraftlos, so \u00c3\u00bcber alle Massen routiniert, dass man anstelle dessen auch die j\u00c3\u00bcngste Folge von <strong>Quiz-Taxi<\/strong> besprechen k\u00c3\u00b6nnte.<\/p>\n<p>Es sind gar nicht so sehr die vielen logischen Stolperfallen (die Engelsfrauen haben Br\u00c3\u00bcste, die Engelsm\u00c3\u00a4nner haben keine Genitalien), es ist auch nicht die Erkenntnis, dass keine der handelnden Figuren irgendeine Motivation f\u00c3\u00bcr ihr Handeln hat (es ist halt so, Gut k\u00c3\u00a4mpft gegen B\u00c3\u00b6se, je nun) und es ist auch nicht die absolute Vorhersehbarkeit der Geschichte. Sondern es ist jeglicher individuelle Witz, jegliche \u00c3\u00bcber ausgelutschte Kamellen hinausgehende Form von Humor.<\/p>\n<p><strong>Engel<\/strong> ist eine vorhersehbare, ansehnlich verpackte Actionkom\u00c3\u00b6die ohne den geringsten Versuch, den Leser emotional zu fesseln. [Ehapa Comic Collection, 168 S.; \u00e2\u201a\u00ac 39,95)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/centrum.jpg\" \/>Wie <strong>Engel<\/strong> liegt auch <strong>Die Chroniken von Centrum<\/strong> im sogenannten All-in-One-Format vor &#8211; also eine vollst\u00c3\u00a4ndige Kurzserie in einem Band. Wieso <strong>Die Chroniken von Centrum<\/strong> freilich \u00c3\u00bcberhaupt eine Miniserie verdient haben, muss man mir auch erstmal erkl\u00c3\u00a4ren.<\/p>\n<p>Denn der Stoff vom brutalen Kopfgeldj\u00c3\u00a4ger, der sein Gewissen (wieder-)findet, weil er eine Frau umbringen soll, die er toll findet, ist nicht nur altbekannt. Er reicht auch gerade mal f\u00c3\u00bcr die H\u00c3\u00a4lfte der vorgesehenen 140 Seiten. Den Rest f\u00c3\u00bcllen mehr oder weniger obskure Grausamkeiten, dystopische Ansichten einer ebenso wie die Geschichte fraglos von <strong>Blade Runner<\/strong> inspirierten Welt (um den Begriff des Plagiats zu vermeiden). Das ist viel Jungsspielerei mit all der High-Tech, den Resten vom Cyberpunk, den ganzen blinkenden Leuchttafeln und rasenden Fahrzeugen in einer Welt, in der angeblich extreme Energieknappheit herrscht, und mit all den aufgemotzten Frauen in enger Kleidung.<\/p>\n<p>Ernstzunehmende SF ist es leider nicht, und auch keine gute Literatur, wenn Motivation und Dilemma der Hauptfigur in einem Meer von Blut ersaufen. (Ehapa Comic Collection, 144 S.; \u00e2\u201a\u00ac 39,95).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/f4einzig.jpg\" \/>Nicht nur die Franzosen k\u00c3\u00b6nnen entt\u00c3\u00a4uschen. Vor einigen Jahren haben Mark Millar und Bryan Hitch einen der wenigen wirklich essentiellen Superhelden-Comics dieses Jahrzehnts produziert. <strong>The Ultimates<\/strong> bestach 24 permanent zu sp\u00c3\u00a4t kommende Hefte lang durch Gigantomanie und Radikalit\u00c3\u00a4t, durch den offenkundigen Willen, mit den Regeln des Genres, wie sie um die Jahrtausendwende festgeschrieben waren, zu brechen.<\/p>\n<p>Aber auch Revoluzzer werden alt. Das Ergebnis ist dann sowas wie der<strong> Fantastic Four<\/strong>-Sonderband <strong>Einzigartig<\/strong> von eben jenen Millar und Hitch. Ein wenig Zeitreise, ein wenig Gigantomanie (in diesem Fall die Erschaffung einer Erde 2 als Fluchtm\u00c3\u00b6glichkeit vor der baldigen Zerst\u00c3\u00b6rung der Erde) und ein riesiger Roboter ohne Ausschaltknopf, der alle Waffen auf der Erde zerst\u00c3\u00b6ren will.<\/p>\n<p>Das ist zum Teil einfach simpelste Effekthascherei, vor allem aber so gedehnt wie Mr. Fantastic an schlechten Tagen. Mit etwas mehr Tempo, etwas mehr Dichte und Emotionalit\u00c3\u00a4t w\u00c3\u00a4re dies im Rahmen des reinen Entertainment sogar ein gro\u00c3\u0178artiger Comic. So muss der weiterhin gro\u00c3\u0178artige Hitch das Effektspektakel allein auf zu vielen Seiten wuppen, und das schafft er nicht ganz zur vollen Zufriedenheit. (Panini Comics, 100 S.; \u00e2\u201a\u00ac 12.95)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/iron5alb.jpg\" \/>Bleibt also allein <strong>Iron Man<\/strong>, das Wochenende lekt\u00c3\u00bcretechnisch zu retten. Und das schafft er mit <strong>Die f\u00c3\u00bcnf Albtr\u00c3\u00a4ume<\/strong> tats\u00c3\u00a4chlich recht gut. Matt Fraction wird allenthalben als kommender Top-Autor der US-Comics gepriesen. Und auch wenn diese Geschichte um per High-Tech aufgemotzte lebende Bomben insgesamt noch ein wenig zu sehr nach dem gleichen Jungskram riecht wie Andrevons <strong>Chroniken vom Centrum<\/strong>, so l\u00c3\u00a4sst sich doch festhalten, dass Fraction hier ein handlungsm\u00c3\u00a4ssig dichtes Garn gedreht hat und au\u00c3\u0178erdem einen Tony Stark schreibt, der dem Leser gar nicht erst gefallen soll, sondern tats\u00c3\u00a4chlich ebenso clever und menschenfreundlich ist wie arrogant und egoistisch.<\/p>\n<p>Ich sehe, wo bei Fraction die Reise hingehen kann, wenn er sich aus dem moralisch wie narrativ einengenden Korsett der Superhelden-Comics befreien kann. Nur warum Tony Stark, hier von Salvador Larroca gezeichnet, aussehen muss wie ein Latino, will mir nicht in den Kopf. (Panini Comics, 100 S.; \u00e2\u201a\u00ac 12,95)<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=290\" title=\" Sonntagslekt\u00c3\u00bcre (2)\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Die Post hat meine neuesten Errungenschaften von Urasawa und Tezuka noch nicht geliefert, also musste das geplante Manga-Wochenende verschoben werden &#8211; aber wo der Kollege Hase sich doch eh grade...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Post hat meine neuesten Errungenschaften von Urasawa und Tezuka noch nicht geliefert, also musste das geplante Manga-Wochenende verschoben werden &#8211; aber wo der Kollege Hase sich doch eh grade dar\u00c3\u00bcber beschwert hat, dass keiner mehr so richtig \u00c3\u00bcber frankobelgische Alben redet &#8230; ich k\u00c3\u00b6nnte mir freilich vorstellen, dass er sich das Reden so nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/290"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=290"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/290\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}