{"id":301,"date":"2009-03-04T15:21:24","date_gmt":"2009-03-04T14:21:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=301"},"modified":"2009-06-26T10:37:22","modified_gmt":"2009-06-26T09:37:22","slug":"watch-men","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=301","title":{"rendered":"Watch, men?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Watch, men?\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=301\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"\/i\/wm1.jpg\" width=\"200\" height=\"187\" \/>Am Ende geht alles ganz einfach. &#8222;Arschloch!&#8220; schreit Sally Jupiter alias die Superheldin Silk Spectre ihr gegen\u00c3\u00bcber an. Der ist ebenfalls Superheld und hat gerade auf Kosten unz\u00c3\u00a4hliger Toter die Erde vor dem nuklearen Holocaust gerettet.<\/p>\n<p>Es steckt ein unl\u00c3\u00b6sbares Dilemma in dieser kurzen Sequenz. In der gleichen, diesem filmischen Moment zugrunde liegenden Szene folgt eine Debatte \u00c3\u00bcber Recht und Unrecht solchen Handelns. <em>Watchmen<\/em> ist u.a. deshalb ein so gro\u00c3\u0178artiger Comic, weil er sich nicht vor den moralischen Fragen dr\u00c3\u00bcckt, die mit dem gew\u00c3\u00a4hlten Genre &#8211; Superhelden &#8211; automatisch einhergehen.<\/p>\n<p>Im Film? &#8222;Arschloch!&#8220;<\/p>\n<p>Vielleicht ist das die neue Direktheit, die wir alle jetzt brauchen. Vielleicht ist diese Szene aber auch symptomatisch f\u00c3\u00bcr die grosse Schw\u00c3\u00a4che von Snyders Verfilmung eines der zentralen Werke des Mediums Comic.<\/p>\n<p>Nat\u00c3\u00bcrlich, um das noch einmal klar zu stellen, verbietet sich jeder Vergleich eines Films mit dem Werk, dem er zugrunde liegt. Niemand w\u00c3\u00bcrde an David Leans <em>Doktor Schiwago<\/em> bem\u00c3\u00a4keln, dass er nur das Skelett von Boris Pasternaks Roman nimmt und eine zum Teil ganz eigene Handlung drumherum spinnt. Niemand w\u00c3\u00bcrde sich \u00c3\u00bcber Hitchcocks <em>Die V\u00c3\u00b6gel<\/em> beschweren, der Daphne duMauriers ziemlich \u00c3\u00bcberschaubarer Kurzgeschichte unz\u00c3\u00a4hlige neue Dimensionen hinzuf\u00c3\u00bcgt. Also muss auch <em>Watchmen<\/em>, der Film, f\u00c3\u00bcr sich stehen. Egal wie gro\u00c3\u0178, ein gesamtes Medium \u00c3\u00bcberschattend dieser Comic aus dem Jahr 1986 von Alan Moore und Dave Gibbons ist. Es ist das gute Recht aller Beteiligten, dass <em>Watchmen<\/em>, der Film, ihr eigenes Werk ist und nicht Anh\u00c3\u00a4ngsel eines anderen.<\/p>\n<p>Aber da ist dieses &#8222;Arschloch!&#8220;<\/p>\n<p><em><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/wm3.jpg\" \/>Watchmen<\/em> ist ein Film \u00c3\u00bcber moralische Zwiesp\u00c3\u00a4lte. Dar\u00c3\u00bcber, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen und dann doch zu gehorchen, wenn das Gesetz sagt &#8222;Lasst das!&#8220; Er handelt von Superhelden, die versucht haben, die amerikanische Gesellschaft besser zu machen, und dabei vor allem auf Widerstand in der Gesellschaft gestossen sind. Die ihren Job aufgeben, wiel die, die sie sch\u00c3\u00bctzen wollten, nicht mehr von ihnen gesch\u00c3\u00bctzt werden wollen.<\/p>\n<p>Diese Watchmen, die sechs Superhelden, um die sich der Film dreht, entsprechen gar nicht den Vorstellungen vom Superhelden, wie ihn das moderne Kino zelebriert: sie sind nicht so knuffig wie Spider-Man, nicht so macho wie Wolverine, nicht so oberfl\u00c3\u00a4chlich-unergr\u00c3\u00bcndlich wie Batman, nicht so heimelig, wie die Fantastischen Vier es auf der Leinwand waren.<\/p>\n<p>Sie sind weltfremd (Doktor Manhattan), verklemmt (Night-Owl), sadistisch (Rorschach), korrumpiert (Comedian), fremdbestimmt (Silk Spectre) oder gar nicht am Heldendasein interessiert (Ozymandias). Und <em>Watchmen<\/em>, dieses zweieinhalbst\u00c3\u00bcndige Monstrum von Film, arbeitet dies alles klar heraus. In wundersch\u00c3\u00b6nen Bildern, herrlichen Kamerafahrten, einem perfekten Einsatz von Musik. In seinen besten Momenten bietet <em>Watchmen<\/em> die sch\u00c3\u00b6nsten Bilder, die es bis dato in einem Superhelden-Film gab.<\/p>\n<p>In seinen schlechtesten Momenten heisst es &#8222;Arschloch!&#8220;.<\/p>\n<p>Da ist etwa diese Fickszene von Silk Spectre und Night Owl \u00c3\u00bcber den Wolken von Manhattan. Eben haben die beiden Helden eine ganze Menge Menschen aus einem brennenden Haus gerettet. Verfolgt man die Handlung, wird ganz klar: dies ist eine Szene \u00c3\u00bcber die Fetischisierung von Heldentum und Gewalt. Diese beiden Menschen brauchen den Kick des Abenteuers f\u00c3\u00bcr ihren Sex. Kurz zuvor hat der Film beide gezeigt, wie sie vergeblich versuchten, miteinander Sex zu haben. Da hatten sie noch keine Heldentat begangen. Es ist eine sehr traurige, verst\u00c3\u00b6rende Szene, die von Entfremdung handelt und davon, dass nicht die beiden miteinander Sex haben, sondern ihre Figuren, ihre Rollen &#8211; Ersatzhandlung. (Der musikalische Kommentar &#8211; Leonard Cohens verzweifeltes <em>Halleluja<\/em> &#8211; immerhin passt zur Intention des gezeigten, aber nicht zu den Bildern.)<\/p>\n<p>Was man dagegen sieht, ist elegisch. Minutenlang choreographiert Snyder attraktive K\u00c3\u00b6rper und gl\u00c3\u00a4nzenden Kost\u00c3\u00bcmlack in h\u00c3\u00b6chster \u00c3\u00a4sthetischer \u00c3\u0153berh\u00c3\u00b6hung. Es wird offenbar: Snyder hat gar nicht begriffen, was er da eigentlich filmt.<\/p>\n<p>Und daher dieses &#8222;Arschloch!&#8220; Es ist die direkteste Abk\u00c3\u00bcrzung, die am moralischen Dilemma vorbei zum n\u00c3\u00a4chsten sch\u00c3\u00b6nen Bild f\u00c3\u00bchrt. Snyder geht es keinen Moment lang darum, <em>Watchmen<\/em>, den Comic, zu verfilmen. Snyder, der vom gestylten Musikvideo kommt und schon mit <em>300<\/em> gezeigt hat, dass es ihm nur um Bilder geht, will das komplexe, verschachtelte Epos der unfassbar neurotischen Superhelden auf einen gewaltigen Musikclip reduzieren. Auf Bilder. Darum zitiert er Kubrick und Coppola. Darum sind selbst die mitunter ellenlangen Kampfszenen noch von viel zu verf\u00c3\u00bchrerischer \u00c3\u201esthetik. Wo die Geschichte die Helden dekonstruiert &#8211; und das Drehbuch, das sich \u00c3\u00bcber weite Strecken sehr eng an die Vorlage h\u00c3\u00a4lt, tut dies gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tenteils sehr gut &#8211; \u00c3\u00bcberh\u00c3\u00b6ht Snyder sie wiederum. Um der verf\u00c3\u00bchrerisch sch\u00c3\u00b6nen Bilder willen, schafft er einen Zwiespalt, der dem Film nicht gut tut.<\/p>\n<p>W\u00c3\u00a4re dies ein ganz normales Hollywood-Superhelden-Epos, es w\u00c3\u00bcrde fraglos in jeder Hinsicht Ma\u00c3\u0178st\u00c3\u00a4be setzen. Aber so vermag nicht einmal das &#8222;Arschloch&#8220; von Silk Spectre die \u00c3\u0153berh\u00c3\u00b6hung der Figuren nicht ironisch zu brechen. Wie die Glasscheibe, durch die der Comedian zu Beginn des Films st\u00c3\u00bcrzt, zersplittert <em>Watchmen<\/em> in eine &#8222;gewollt&#8220; und ein &#8222;getan&#8220;. Was bleibt, sind viele wundersch\u00c3\u00b6ne Scherben und ein uneinheitliches Ganzes.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/wm2.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=301\" title=\" Watch, men?\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Am Ende geht alles ganz einfach. &#8222;Arschloch!&#8220; schreit Sally Jupiter alias die Superheldin Silk Spectre ihr gegen\u00c3\u00bcber an. Der ist ebenfalls Superheld und hat gerade auf Kosten unz\u00c3\u00a4hliger Toter die...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Ende geht alles ganz einfach. &#8222;Arschloch!&#8220; schreit Sally Jupiter alias die Superheldin Silk Spectre ihr gegen\u00c3\u00bcber an. 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