{"id":396,"date":"2009-12-20T12:53:48","date_gmt":"2009-12-20T11:53:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=396"},"modified":"2009-12-20T12:57:12","modified_gmt":"2009-12-20T11:57:12","slug":"aktuelle-comicrezension-144-jeff-jordan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=396","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (144): &#8218;Jeff Jordan&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (144): &#8218;Jeff Jordan&#8216;\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=396\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p>Einen fr\u00c3\u00b6hlichen vierten Advent &#8211; mit einem Klassiker der Comics, besprochen vor kurzem <a href=\"http:\/\/www.comic-combo-leipzig.de\/forum\/wbb2\/thread.php?threadid=527\">hier<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p> <strong>Maurice Tillieux<br \/>\nJeff Jordan Gesamtausgabe 1<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.comic-combo-leipzig.de\/_dev\/xtc\/images\/product_images\/popup_images\/35020_0.jpg\" width=\"200\" \/>M\u00c3\u00a4nner ohne Eigenschaften gibt es im frankobelgischen Comic genug. Weder Tim noch Spirou etwa kann man tiefergehende Charakterz\u00c3\u00bcge nachweisen. Sie funktionieren als Helden \u00c3\u00bcber ihr Tun, als Tr\u00c3\u00a4ger der Handlung, nicht als Tr\u00c3\u00a4ger von Gedanken.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick unterschiedet auch Jeff Jordan sich nicht gro\u00c3\u0178 von denen. Ein junger, \u00c3\u00bcberaus dynamischer Privatdetektiv, mit abgeschlossenem Jurastudium und einem Sinn f\u00c3\u00bcr Gesch\u00c3\u00a4ftsm\u00c3\u00b6glichkeiten im Bereich der Verbrechensbek\u00c3\u00a4mpfung. Viel mehr ist kaum \u00c3\u00bcber ihn bekannt..<\/p>\n<p>Zudem sind seine Abenteuer oberfl\u00c3\u00a4chlich gesehen Massenware. Inhaltlich unterscheiden sich die sechzehn von Maurice Tillieux geschriebenen und gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tenteils auch gezeichneten Geschichten, die sich allesamt um das Fangen eher harmloser Gauner drehen, nicht von anderen vergleichbaren Serien ihrer Zeit, der F\u00c3\u00bcnfziger- und Sechzigerjahre, als die Kinder- und Jugendcomics in Frankreich in Magazinen wie \u00e2\u20ac\u017eSpirou\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eTintin\u00e2\u20ac\u0153, sp\u00c3\u00a4ter auch in \u00e2\u20ac\u017ePilote\u00e2\u20ac\u0153 ihre hohe Zeit hatten. Die Plots und Handlungsverwicklungen sind selten \u00c3\u00bcberraschend, die Aufl\u00c3\u00b6sungen immer den Ma\u00c3\u0178regeln der Redaktion nach gewaltfrei und unblutig und gelegentlich haarstr\u00c3\u00a4ubend konstruiert. Jordan wird begleitet von dem etwas t\u00c3\u00bcdeligen Bullen und dem Gauner mit dem goldenen Herz. Das kennt man ja.<\/p>\n<p><!--more-->Was freilich Tillieuxs Geschichten von vergleichbaren Serien erhebt und auch heute noch relevant macht, ist ihr unvergleichliches Spiel mit der Form. Tillieux, der grafisch ziemlich genau in der Mitte zwischen Herg\u00c3\u00a9 und Franquin steht, einerseits einem klaren, reduzierten Realismus huldigt, andererseits teils bis ins Extrem mit Atmosph\u00c3\u00a4re und Gef\u00c3\u00bchl aufgeladene Bilder produziert, spielt wie kein anderer mit Timing und Tempo der Erz\u00c3\u00a4hlung und nimmt dabei viele Erz\u00c3\u00a4hlmethoden voraus, die erst zwanzig Jahre sp\u00c3\u00a4ter in Europa Konjunktur haben sollten.<\/p>\n<p>Vor allem die Erz\u00c3\u00a4hlzeit hat es ihm angetan.Zwei der vier Geschichten im ersten Band dieser Gesamtausgabe beschreiben im Kern die Ereignisse weniger Stunden. H\u00c3\u00b6hepunkt der Dekompression: zwei vier bzw. sechs Seiten lange Sequenzen, in denen die Geschehnisse von gerade einmal f\u00c3\u00bcnfzehn Minuten bis aufs gerade noch ertr\u00c3\u00a4gliche Ma\u00c3\u0178 auseinander gezerrt werden und so &#8211; unser Held befindet sich nat\u00c3\u00bcrlich gerade in lebensbedrohlicher Situation &#8211; eine nachgerade atemberaubende Spannung erzielt wird.<\/p>\n<p>Suspense wie bei Hitchcock, k\u00c3\u00b6nnte man diese Erz\u00c3\u00a4hlweise zusammen fassen. Ein Klischee, das hier sogar ausnahmsweise einmal stimmt. Teilt doch Tilieux noch eine Eigenart mit dem britischen Regisseur: der Verzicht auf Dialog, wo nur irgend m\u00c3\u00b6glich. Wie kaum ein anderer Zeichner seiner Generation und Herkunft verl\u00c3\u00a4\u00c3\u0178t sich Tilieux auf das Bild als Vermittler der Geschichte. Mitunter \u00c3\u00bcber mehrere Seiten f\u00c3\u00a4llt in den Geschichten kein Wort. Wenn andere Kritiker &#8211; etwa im Vorwort der vorliegenden Ausgabe &#8211; festhalten, der Autor sei ein Meister des komischen Dialoges gewesen, dann verschweigen sie, dass seine Figuren eines noch viel besser konnten: in bedrohlichen Situationen die Klappe halten.<\/p>\n<p>Tilieux nahm damit die Mittel des europ\u00c3\u00a4ischen Autorencomic um zehn bis zwanzig Jahre voraus. Nicht umsonst wird er gerade von den K\u00c3\u00bcnstlern dieses Bereichs so verehrt. \u00c3\u201ehnlich wie sein Kollege Will Eisner mit dem \u00e2\u20ac\u017eSpirit\u00e2\u20ac\u0153 steht Tillieux mit \u00e2\u20ac\u017eJeff Jordan\u00e2\u20ac\u0153 an einer Schnittstelle zwischen massentauglicher Unterhaltung und innovativer Erz\u00c3\u00a4hlkunst, und damit an exponierter Stelle im franz\u00c3\u00b6sischen Comicbetrieb &#8211; seine Geschichten sind ebenso unterhaltsam wie aufschlu\u00c3\u0178reich, was die Erz\u00c3\u00a4hlweisen des Comic angeht. Vor allem aber machen sie immer noch einen Mordsspa\u00c3\u0178.<\/p>\n<p>Ehapa Comic Collection, 224 S.; \u00e2\u201a\u00ac 29,95 (stefan pannor)<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=396\" title=\" Aktuelle Comicrezension (144): &#8218;Jeff Jordan&#8216;\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Einen fr\u00c3\u00b6hlichen vierten Advent &#8211; mit einem Klassiker der Comics, besprochen vor kurzem hier. Maurice Tillieux Jeff Jordan Gesamtausgabe 1 M\u00c3\u00a4nner ohne Eigenschaften gibt es im frankobelgischen Comic genug. Weder...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen fr\u00c3\u00b6hlichen vierten Advent &#8211; mit einem Klassiker der Comics, besprochen vor kurzem hier. Maurice Tillieux Jeff Jordan Gesamtausgabe 1 M\u00c3\u00a4nner ohne Eigenschaften gibt es im frankobelgischen Comic genug. 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