{"id":411,"date":"2010-02-13T16:21:38","date_gmt":"2010-02-13T15:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=411"},"modified":"2010-02-13T16:21:38","modified_gmt":"2010-02-13T15:21:38","slug":"war-sonst-noch-was-schillerlockchen-das-nest-jeff-jordan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=411","title":{"rendered":"War sonst noch was? &#8211; Schillerl\u00c3\u00b6ckchen, Das Nest, Jeff Jordan."},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"War sonst noch was? &#8211; Schillerl\u00c3\u00b6ckchen, Das Nest, Jeff Jordan.\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=411\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><blockquote><p><strong>Ralf K\u00c3\u00b6nig<br \/>\nSchillerl\u00c3\u00b6ckchen<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"\/i\/schillerloeckchen.jpg\" height=\"291\" width=\"202\" \/> Wenn einer bald dreissig Jahre im Gesch\u00c3\u00a4ft ist, und dabei noch erfolgreich, ist oft genug fast alles \u00c3\u00bcber ihn gesagt. Was w\u00c3\u00a4re also noch \u00c3\u00bcber diese Sammlung von Strips und verstreuten Werken zu sagen, kompiliert wie \u00c3\u00bcblich zum gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ten Teil aus seinen Beitr\u00c3\u00a4gen f\u00c3\u00bcr das Schwulenmagazin <em>M\u00c3\u00a4nner aktuell<\/em>, was sich nicht z.B. <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=224\">hier bereits nachlesen lie\u00c3\u0178e<\/a>? Mit deutlich mehr Sex (und Sexappeal) setzt Ralf K\u00c3\u00b6nig seine Alltagsgeschichtsschreibung fort, die schon lange nicht mehr nur eine der homosexuellen Kultur ist, sondern in der Tat eine Chronik b\u00c3\u00bcrgerlicher Befindlichkeiten, zwischen Sex, Zukunftsangst und DVD-Abend. Drastischer, als ihm die <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=369\">FAZ<\/a> das wohl gestatten w\u00c3\u00bcrde, mithin ehrlicher und ein wenig undergroundiger &#8211; Crumb l\u00c3\u00a4\u00c3\u0178t gr\u00c3\u00bc\u00c3\u0178en, wie K\u00c3\u00b6nig \u00c3\u00bcberhaupt nicht nur in seiner Themenwahl, sondern auch seiner kulturellen Bedeutung den Status eines deutschen Robert Crumb einzunehmen beginnt.<\/p>\n<p>Nennenswert: das Album enth\u00c3\u00a4lt neben seinem vollst\u00c3\u00a4ndigen Beitrag zur <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=117\">Wilhelm-Busch-Hommage<\/a> auch noch zwei weitere Busch-Verbeugungen, die ihrerzeit f\u00c3\u00bcr das <em>Zeit-Magazin<\/em> entstanden. In der H\u00c3\u00a4ufung (16 Seiten am St\u00c3\u00bcck) ist das Gereime dann aber doch ein wenig erm\u00c3\u00bcdend. Ansonsten gro\u00c3\u0178 wie immer. (M\u00c3\u00a4nnerSchwarm, 64 Seiten, 12,00 \u00e2\u201a\u00ac)<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p><strong>Loisel &amp; Tripp<br \/>\nDas Nest: Bekenntnisse<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"\/i\/nest4.jpg\" height=\"292\" width=\"200\" \/> Der Traum vom hohen Norden als Utopia des einfachen Lebens wurde bereits in den Achtzigerjahren in der TV-Serie <a href=\"http:\/\/www.sign4sale.de\/cicely.html\"><em>Ausgerechnet Alaska<\/em><\/a> durchdekliniert. Als der Tonfall der Serie vom intellektuell-m\u00c3\u00a4rchenhaften ins Gemeine kippte, war alles gesagt und die Serie wurde danach ziemlich bald gecancelt.<\/p>\n<p>Auch Loisel und Tripp tr\u00c3\u00a4umen ihren Traum vom hohen Norden. Ihr Notre-Dame am See, irgendwo in der kanadischen Provinz gelegen und in der Zeit zwischen den Weltkriegen, ist ihr <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heimat,_s%C3%BC%C3%9Fe_Heimat\"><em>D\u00c3\u00b6rfchen-mein-D\u00c3\u00b6rfchen<\/em><\/a>-Utopia, eine weitere jener diversen Kleinst\u00c3\u00a4dte, in denen sich der \u00c3\u0153berschaubarkeit der Handlungsorte und Akteure wegen soziale Proze\u00c3\u0178e viel leichter darstellen lassen als in Gro\u00c3\u0178stadt-Erz\u00c3\u00a4hlungen.<\/p>\n<p><!--more-->Davon abgesehen ist es auch noch romantisch. Weshalb diese Geschichte in den ersten drei B\u00c3\u00a4nden vom Tod erz\u00c3\u00a4hlen konnte, von der Einsamkeit, der Angst und von Homosexualit\u00c3\u00a4t, ohne je ins Weinerliche oder auch nur blank Dramatische umzukippen. Das soziale Netz der Gemeinde war klein, aber straff gespannt. Scheinbar m\u00c3\u00bchelos verkn\u00c3\u00bcpften Tripp und Loisel die diversen Geschichten und Geschichten der Serie zu einem \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst stark tragenden Ganzen.<\/p>\n<p>Was also ist mit diesem vierten Band schief gelaufen? Eilig hingeschmiert wirkt die fortlaufende Erz\u00c3\u00a4hlung, wie ein schlechter Herrenwitz der Versuch, Serges Homosexualit\u00c3\u00a4t zu verschleiern, und ansonsten passiert einfach nicht viel. Irgendwo um diesen Band herum mu\u00c3\u0178 in Frankreich die Entscheidung gefallen sein, aus den urspr\u00c3\u00bcnglich geplanten f\u00c3\u00bcnf B\u00c3\u00a4nden der Serie sieben zu machen. Weil Loisel gar keine schlechten Comics machen kann, ist diese gestreckte und ausged\u00c3\u00bcnnte Erz\u00c3\u00a4hlung immer noch ziemlich gut. Als Work-in-progre\u00c3\u0178 bleibt freilich abzuwarten, ob die Serie sich in den ausstehenden drei (oder vielleicht auch mehr) B\u00c3\u00a4nden wieder f\u00c3\u00a4ngt, oder ob der Traum viel zu schnell vorbei war. (Carlsen Comics, 72 S.; \u00e2\u201a\u00ac 18,00)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=31\">Mehr zum <em>Nest<\/em> hier.<\/a><\/p>\n<blockquote><p><strong>Maurice Tillieux<br \/>\nJeff Jordan Gesamtausgabe, 2. Band<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/jeffjordan2.jpg\" width=\"200\" \/> Die Entdeckung einer Entdeckung: etwas zu finden, das man nicht nur noch nicht kannte, sondern von dem man auch froh ist, es kennen gelernt zu haben. <em>Jeff Jordan<\/em>, eine Serie, bei der mir mit jedem Band klarer wird, da\u00c3\u0178 sie in Frankreich einfach 20 Jahre zu fr\u00c3\u00bch und vielleicht auch beim falschen Verlag erschienen ist. Denn beim Publikum kamen die Geschichten kaum an: <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=396\">waren die ersten vier Alben noch Experimente in Form und Zeitdarstellung<\/a>, ger\u00c3\u00a4t Tillieux danach durch den ausbleibenden Erfolg zusehends unter kommerziellen Erwartungsdruck und die Fuchtel der Redaktion (und damit in die F\u00c3\u00a4nge der Konvention). Vermutlich deshalb sind die ersten zwei der insgesamt vier in diesem Buch nachgedruckten Abenteuer schwach und im Vergleich zu vorher r\u00c3\u00bcckst\u00c3\u00a4ndige, die eine ein konventionelles Abenteuergarn, die andere ein uninspirierter Krimi (und in einer Sequenz klaut Tillieux dann auch noch bei sich selbst).<\/p>\n<p>Erst mit dem dritten (bzw. insgesamt siebten) Abenteuer findet Tillieux wieder halbwegs zu sich. Zwar zerf\u00c3\u00a4llt die Geschichte um die &#8222;roten M\u00c3\u00b6nche&#8220; genau in der Mitte in eigentlich zwei Teile und ist insgesamt \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst unglaubw\u00c3\u00bcrdig konstruiert. Doch es finden sich hier wenigstens in Ans\u00c3\u00a4tzen wieder jene reifen Erz\u00c3\u00a4hlmuster, wie es sie in den franz\u00c3\u00b6sischen Comicmagazinen jener Zeit sonst nicht gab: Spiele mit Erz\u00c3\u00a4hlzeit und Perspektive, Verzicht auf unn\u00c3\u00bctzen Dialog oder all zu plumpe Happy-Ends. Dennoch, erst mit der allerletzten Geschichte, einen verbl\u00c3\u00bcffend brutalen und radikalen Garn um Mordanschl\u00c3\u00a4ge und Luftaufnahmen, findet Tillieux wieder zu sich &#8211; statt von fiktiven s\u00c3\u00bcdamerikanischen Bananenrepubliken erz\u00c3\u00a4hlt Tillieux hier von Pariser Vororten und Fernfahrerkneipen und Seitenstra\u00c3\u0178en. Es schwingt ein Hauch Simenon mit in dieser realistischen Darstellung, und das ist sicher nicht das Schlechteste, was man \u00c3\u00bcber einen eigentlich f\u00c3\u00bcr Kinder gemachten Comic aus jener Zeit sagen kann. (Ehapa Comic Collection, 240 S.; \u00e2\u201a\u00ac 29,95)<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=411\" title=\" War sonst noch was? &#8211; Schillerl\u00c3\u00b6ckchen, Das Nest, Jeff Jordan.\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Ralf K\u00c3\u00b6nig Schillerl\u00c3\u00b6ckchen Wenn einer bald dreissig Jahre im Gesch\u00c3\u00a4ft ist, und dabei noch erfolgreich, ist oft genug fast alles \u00c3\u00bcber ihn gesagt. 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