{"id":422,"date":"2010-03-17T12:23:13","date_gmt":"2010-03-17T11:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=422"},"modified":"2010-04-24T14:10:30","modified_gmt":"2010-04-24T13:10:30","slug":"aktuelle-comicrezension-153-china-girls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=422","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (153): &#8218;China Girls&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (153): &#8218;China Girls&#8216;\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=422\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p>P\u00c3\u00bcnktlich zur Leipziger Buchmesse pr\u00c3\u00a4sentiert Tokyopop einen Band mit Erz\u00c3\u00a4hlungen zu dem Land, das auf der Frankfurter Buchmesse des letzten Jahres Thema war. Verwirrend? Aber so steht es geschrieben.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Diverse<br \/>\nChina Girls<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/chinagirls.jpg\" \/>China z\u00c3\u00a4hlt zu den aus hiesiger Perspektive wei\u00c3\u0178en Flecken der Comiclandschaft. Erst seit dem Erlanger Comicsalon 2008 gibt es \u00c3\u00bcberhaupt zaghafte Versuche, chinesische Comics nach Deutschland zu importieren. Insbesondere Tokyopo erweist sich hier mit diversen Publikationen als r\u00c3\u00bchrig.<\/p>\n<p>Dahinter steckt sehr sicher  auch der Wunsch, eine dem Manga-Boom der sp\u00c3\u00a4ten Neunzigerjahre vergleichbare Welle loszutreten. Entsprechend \u00c3\u00a4hnelt sich der Ablauf der Ereignisse: begonnen wurde mit vor allem grafisch gef\u00c3\u00a4lligen, mainstream-orientierten Erz\u00c3\u00a4hlungen, die wenig bis nichts \u00c3\u00bcber den Alltag im Land erz\u00c3\u00a4hlen und dem Medium Comic keine neuen Impulse geben.<\/p>\n<p>Die Anthologie \u00e2\u20ac\u017eChina Girls\u00e2\u20ac\u0153 steht nun an einer Schwelle zu einem m\u00c3\u00b6glichen zweiten Schritt,<!--more--> in dem chinesische Comics individueller und mit einer gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178eren inhaltlichen Bandbreite pr\u00c3\u00a4sentiert werden k\u00c3\u00b6nnten \u00e2\u20ac\u201c sofern die Verlage sich das trauen. Der Band sammelt zw\u00c3\u00b6lf Kurzgeschichten chinesischer K\u00c3\u00bcnstlerinnen, allesamt (zum Teil noch weit) unter Dreissig und au\u00c3\u0178erhalb Asiens fast alle unver\u00c3\u00b6ffentlicht. Die Originalzusammenstellung der Geschichten erfolgte in Frankreich. Dass man dort allgemein ein offeneres Verh\u00c3\u00a4ltnis zum Comic pflegt, erkl\u00c3\u00a4rt die grafische  Bandbreite der Erz\u00c3\u00a4hlungen.<\/p>\n<p>Die reicht in der Tat von der Adaption chinesischer Sagen im Stil klassischer Seidenmalerei bis zum Hochglanz-Manga, von obskuren kitschgetr\u00c3\u00a4nkten Romanzen bis zu selbstironischen Erz\u00c3\u00a4hlungen \u00c3\u00bcber das eigene Aufwachsen \u00e2\u20ac\u201c und damit weit \u00c3\u00bcber das hinaus, was in den einzelnen Pulikationen chinesischer Comicerz\u00c3\u00a4hler hierzulande bisher zu sehen war. Es ist auf den ersten Blick genau die Bandbreite, die man im Westen von Comics gew\u00c3\u00b6hnt ist. \u00e2\u20ac\u017eChina Girls\u00e2\u20ac\u0153 signalisiert also zuallererst, da\u00c3\u0178 das Land auch auf diesem Gebiet aufgeholt hat.<\/p>\n<p>Auf den zweiten Blick erweist sich das freilich als Mogelpackung. Mit wenigen Ausnahmen klammern die Erz\u00c3\u00a4hlungen den chinesischen Alltag aus. Wo er dann doch hinein spielt, handeln die Geschichten von einer Verwestlichung der Welt, von Simpsons-Postern an den W\u00c3\u00a4nden, von Handys und Cocktails. Dar\u00c3\u00bcber hinaus handeln viele der  Erz\u00c3\u00a4hlungen in einer idealisierten Traumwelt, in hollywoodesken Upper-Class-Sph\u00c3\u00a4ren oder weichen in das Reich der M\u00c3\u00a4rchen und Sagen aus. Nur die vorletzte Erz\u00c3\u00a4hlung im Band besch\u00c3\u00a4ftigt sich explizit mit dem neuen China, eine weitere Geschichte handelt immerhin noch vom Leben einer Chinesin im Westen.<\/p>\n<p>Es fehlt dem Band an Erdung. Nicht nur bei der Auswahl der Themen, sondern auch bei deren Darstellung, die oft holprig und nahezu immer pathetisch, fast kitschig ist. \u00e2\u20ac\u017eChina Girls\u00e2\u20ac\u0153 ist in Inhalt und Form fast durchgehend Ausdruck reinen Eskapismus und einer gewissen Unbeholfenheit mit dem Medium Comic. Das mag der Herkunft der Geschichten aus einer Dikatur zuzurechnen sein, oder der Herkunft ihrer Erz\u00c3\u00a4hlerinnen daselbst oder ihrer Jugend. Fraglos spiegeln einige der Episoden dabei Wunschvorstellungen und Idealbilder der jungen Frauen wieder und haben so in Gestus und Tonfall ihre Existenzberechtigung.<\/p>\n<p>Damit f\u00c3\u00bcgen sie sich immerhin ideal in einen ganz anderen Trend ein, den der in Deutschland nach japanischem Vorbild produzierten Mangas. Auch diese Geschichten handeln nahezu ausschlie\u00c3\u0178lich von idealisierten Traumwelten, auch sie werden fast ausschlie\u00c3\u0178lich von Frauen unter Dreissig gestaltet, auch sie erz\u00c3\u00a4hlen in der Regel nichts \u00c3\u00bcber das Land, aus dem sie stammen. Die \u00c3\u201ehnlichkeit der Modelle verbl\u00c3\u00bcfft \u00e2\u20ac\u201c aber sie entt\u00c3\u00a4uscht auch.<\/p>\n<p>F\u00c3\u00bcr die Erkundung eines ernstzunehmenden chinesischen Comic \u00e2\u20ac\u201c wie er fraglos existiert \u00e2\u20ac\u201c kann \u00e2\u20ac\u017eCina Girls\u00e2\u20ac\u0153 darum nur ein Anfang bleiben. Der Band zeigt die m\u00c3\u00b6gliche Vielfalt der chinesischen Comics auf. Bis auf sehr wenige Ausnahmen bleibt er allerdings die im Vorwort versprochene Diskussion von \u00e2\u20ac\u017eThemen [\u00e2\u20ac\u00a6], die sonst in der Gesellschaft kaum dikutiert werden\u00e2\u20ac\u0153, schuldig zugunsten eines reinen, phantasievoll-bunten und gelegentlich sehr sch\u00c3\u00b6nen, aber rein eskapistischen Augenzuckers. (stefan pannor)<\/p>\n<p>Tokyopop, 192 S.; \u00e2\u201a\u00ac19,95<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/d4070eea01b3464ba6131639a438b59f\" height=\"1\" width=\"1\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=422\" title=\" Aktuelle Comicrezension (153): &#8218;China Girls&#8216;\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">P\u00c3\u00bcnktlich zur Leipziger Buchmesse pr\u00c3\u00a4sentiert Tokyopop einen Band mit Erz\u00c3\u00a4hlungen zu dem Land, das auf der Frankfurter Buchmesse des letzten Jahres Thema war. Verwirrend? Aber so steht es geschrieben. Diverse...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P\u00c3\u00bcnktlich zur Leipziger Buchmesse pr\u00c3\u00a4sentiert Tokyopop einen Band mit Erz\u00c3\u00a4hlungen zu dem Land, das auf der Frankfurter Buchmesse des letzten Jahres Thema war. Verwirrend? Aber so steht es geschrieben. Diverse China Girls China z\u00c3\u00a4hlt zu den aus hiesiger Perspektive wei\u00c3\u0178en Flecken der Comiclandschaft. Erst seit dem Erlanger Comicsalon 2008 gibt es \u00c3\u00bcberhaupt zaghafte Versuche, chinesische [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/422"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=422"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/422\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}