{"id":423,"date":"2010-03-24T12:26:14","date_gmt":"2010-03-24T11:26:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=423"},"modified":"2010-07-09T14:38:54","modified_gmt":"2010-07-09T13:38:54","slug":"aktuelle-comicrezension-154-animalz-von-enki-bilal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=423","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (154): &#8218;Animal&#8217;z&#8216; von Enki Bilal"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (154): &#8218;Animal&#8217;z&#8216; von Enki Bilal\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=423\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><blockquote><p><strong>Enki Bilal<br \/>\nAnimal&#8217;z<\/p>\n<p><\/strong><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/animalz.jpg\" \/><br \/>\nDas einzige Genre, in dem der Comic allen \u00c3\u00bcbrigen Medien hinterherhinkt, ist ausgerechnet die Science Fiction. Es mag der Einfachheit geschuldet sein, mit der in der Bilderz\u00c3\u00a4hlung selbst opulenteste Gadgets durch ein paar einfache Striche in die Handlung eingebracht werden k\u00c3\u00b6nnen, oder der Tatsache, da\u00c3\u0178 der Comic lange Jahrzehnte in ein Getto der Jugendunterhaltung eingesperrt war. Anders als im Film und der Literatur mangelt es dem Comic jedenfalls an glaubw\u00c3\u00bcrdigen und durchdachten futuristischen Entw\u00c3\u00bcrfen.Aus dem Brei der letztlich immer gleichen gezeichneten Raumschlachten und Alienhatzen ragen darum Bilals erdgebundene Science-Fiction-Comics doppelt hervor. Bereits seine \u00e2\u20ac\u017eMonster\u00e2\u20ac\u0153-Tetralogie, obwohl vollgepfropft mit Klonen, Androiden, Robotern und in einer sowieso durch allerlei futuristische Erfindungen an den Rand des Irrsinns gebrachten Gesellschaft spielend, entzog sich dem rein narrativen Verst\u00c3\u00a4ndnis des Lesers. Bilal erz\u00c3\u00a4hlte in diesen B\u00c3\u00a4nden keine gradlinige Handlung. Auf rund dreihundert Seiten berichtet die \u00e2\u20ac\u017eMonster\u00e2\u20ac\u0153-Serie vom Verfall der Zivilisation von innen her, von der grunds\u00c3\u00a4tzlichen Aufl\u00c3\u00b6sung zwischenmenschlicher Bindungen angesichts unbew\u00c3\u00a4ltiger Vergangenheiten und ungel\u00c3\u00b6ster Probleme der Gegenwart.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eAnimal&#8217;z\u00e2\u20ac\u0153 liest sich in diesem Zusammenhang wie ein Nachtrag. Formal eine durchaus typische Endzeitgeschichte \u00e2\u20ac\u201c die Menschheit ist aus nicht n\u00c3\u00a4her gekl\u00c3\u00a4rten Umst\u00c3\u00a4nden verschwunden, \u00c3\u00bcbrig geblieben sind nur einige wenige Umherirrende, die sich offenbar bevorzugt auf Schiffen auf dem Meer aufhalten, das Land ist bev\u00c3\u00b6lkert von bizarren Mutationen und Monsterz\u00c3\u00bcchtungen \u00e2\u20ac\u201c<!--more--> erz\u00c3\u00a4hlt  das Buch doch vor allem metaphorisch verschl\u00c3\u00bcsselt von der Aufl\u00c3\u00b6sung der Kultur. Daf\u00c3\u00bcr stehen jene \u00c3\u0153berlebenden, die sich sukzessive, aber radikal in Wasserlebewesen wie etwa Delphine verwandeln, sowie der einsame Reiter, der ausschlie\u00c3\u0178lich in der Lage ist, sich \u00c3\u00bcber literarische Zitate zu verst\u00c3\u00a4ndigen, die er pflichtschuldig samt Quellenangabe angibt. Die Welt als Wille und Wikiquote ist Bilals erschreckende und n\u00c3\u00bcchterne Zukunftsvision, die er schl\u00c3\u00bc\u00c3\u0178ig aus der Gegenwart extrapoliert.<\/p>\n<p>In ihr klingt eine ordentliche Portion der Trostlosigkeit von Truffauts Verfilmung von Ray Bradburys Roman \u00e2\u20ac\u017eFahrenheit 451\u00e2\u20ac\u0153 mit, an deren Schlu\u00c3\u0178 Menschen als auswendig gelernte B\u00c3\u00bccher durch den Wald irren. Die einzige Sch\u00c3\u00b6pferkraft, die Bilal seinen Akteuren in der im Wortsinne aufgel\u00c3\u00b6sten Zivilisation gestattet, dient der Zerst\u00c3\u00b6rung der letzten Menschlichkeit \u00e2\u20ac\u201c besessene Genexperimentatoren arbeiten daran, die Menschen in Tierlebewesen zu verwandeln, wozu eine einzige Spritze gen\u00c3\u00bcgt. Das darin letztlich der einzige Ausweg der \u00c3\u0153briggebliebenen liegt, vertieft das Tragische der Situation.<\/p>\n<p>Die Bilder sind so ausweglos wie die Handlung. Bilal verwendet ausschlie\u00c3\u0178lich T\u00c3\u00b6ne von Grau und punktuell Rot, hier vor allem als blutige Farbe von Verderben und Untergang, nicht als erotische Signalfarbe. Die Zukunft der \u00e2\u20ac\u017eAnimal&#8217;z\u00e2\u20ac\u0153 ist schlierig und in einen permanenten Nebel der Unklarheit getaucht. Der Umgang mit allen Elementen des Mediums Comic, ebenso wie sein sein Verst\u00c3\u00a4ndnis der Science Fiction als literarische Metapher, seine literarischen Querverweise zeigen Bilal einmal mehr als zwar schwierigen, aber hochintelligenten Erz\u00c3\u00a4hler, der mit seinen Arbeiten weit \u00c3\u00bcber der Masse an Science-Fiction-Comics steht. (stefan pannor)<\/p>\n<p>Ehapa Comic Collection, 100 S.; \u00e2\u201a\u00ac 24,95<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/569913043b1a4ca3bb8817722b1ed58e\" height=\"1\" width=\"1\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=423\" title=\" Aktuelle Comicrezension (154): &#8218;Animal&#8217;z&#8216; von Enki Bilal\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Enki Bilal Animal&#8217;z Das einzige Genre, in dem der Comic allen \u00c3\u00bcbrigen Medien hinterherhinkt, ist ausgerechnet die Science Fiction. Es mag der Einfachheit geschuldet sein, mit der in der Bilderz\u00c3\u00a4hlung...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Enki Bilal Animal&#8217;z Das einzige Genre, in dem der Comic allen \u00c3\u00bcbrigen Medien hinterherhinkt, ist ausgerechnet die Science Fiction. 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