{"id":433,"date":"2010-05-02T15:00:37","date_gmt":"2010-05-02T14:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=433"},"modified":"2010-05-02T15:08:56","modified_gmt":"2010-05-02T14:08:56","slug":"spiegelde-david-oder-goliath-sein-judische-comics-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=433","title":{"rendered":"SPIEGEL.de: David oder Goliath sein. &#8211; J\u00c3\u00bcdische Comics in Berlin."},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"SPIEGEL.de: David oder Goliath sein. &#8211; J\u00c3\u00bcdische Comics in Berlin.\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=433\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p>Ungek\u00c3\u00bcrzte Fassung eines Artikels f\u00c3\u00bcr <em>SPIEGEL-Online<\/em>. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/0,1518,692198,00.html\">Die ver\u00c3\u00b6ffentlichte Fassung steht hier.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>J\u00c3\u00bcdische K\u00c3\u00bcnstler haben vor allem den amerikanischen Comic entscheidend gepr\u00c3\u00a4gt. Auf sie geht die Erfindung des Superhelden-Genres zur\u00c3\u00bcck, ebenso wie die moderne Graphic Novel. Eine Ausstellung in Berlin besch\u00c3\u00a4ftigt sich mit dem ma\u00c3\u0178geblichen Einflu\u00c3\u0178<\/p>\n<p><strong>J\u00c3\u00bcdische Comics<br \/>\nDavid oder Goliath sein<\/strong><\/p>\n<p>von Stefan Pannor<\/p>\n<p>Wie viel Wut in einem harmlosen Bild stecken kann. Finsteren Blickes hebt Superman das Auto hoch und schleudert es gegen einen Felsen. Der Himmel wetterleuchtet gelb und dunkelrot,  Menschen rennen schreiend davon.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pannor.de\/i\/Action%20Comics%201.jpg\" alt=\"Action Comics #1\" \/>Was haben sich die K\u00c3\u00bcnstler nur dabei gedacht? Das Bild, es ist das Cover von \u00e2\u20ac\u017eAction Comics\u00e2\u20ac\u0153 #1, dem allerersten Auftritt von Superman, ist bis heute eines der energiegeladensten, eindringlichsten Bilder, die im Comic geschaffen wurden, verkleidet im Gewand trivialer Kinderunterhaltung.<\/p>\n<p>Eine dunkle Vorahnung des Kommenden liegt \u00c3\u00bcber dem Bild. Im Sommer 1938, als dieser Comic erschien, waren Repressalien gegen Juden im Deutschen Reich bereits an der Tagesordnung. M\u00c3\u00b6glicherweise bewu\u00c3\u0178t, wahrscheinlicher aber unbewu\u00c3\u0178t verarbeiteten die Juden  Jerry Siegel und Joe Shuster, die Erfinder von Superman, mit der erschreckend leeren, von apokalyptischen Symbolfarben getragenen Szenerie dieses Covers mit dem w\u00c3\u00bctenden, golemhaften entfesselten Zerst\u00c3\u00b6rer in der Mitte die Nachrichten aus Europa.<\/p>\n<p>Die Geschichte des amerikanischen Comic ist wie keine andere von j\u00c3\u00bcdischem Einfluss gepr\u00c3\u00a4gt. Der Entwicklung, aber auch der Frage, was das eigentlich f\u00c3\u00bcr den Comic an sich bedeutet, geht die aktuelle Ausstellung \u00e2\u20ac\u017eHelden, Freaks &amp; Superrabbis\u00e2\u20ac\u0153 im J\u00c3\u00bcdischen Museum Berlin nach.<!--more--> Auf 500 Quadratmetern und mit \u00c3\u00bcber 400 Exponaten, darunter vielen Originalen, skizziert sie den Einfluss j\u00c3\u00bcdischer K\u00c3\u00bcnstler auf das Genre der Comics, Comicstrips und Graphic Novels.<\/p>\n<p>Nat\u00c3\u00bcrlich fallen hier die Superheldenzeichner als erstes ins Auge, schon wegen ihrer knalligen Bilder. Nicht nur Siegel &amp; Shuster. Jack Kirby, Joe Simon, Will Eisner sind weitere Namen j\u00c3\u00bcdischer K\u00c3\u00bcnstler, die ab den Dreissigerjahren in der Industrie der amerikanischen \u00e2\u20ac\u017ecomic books\u00e2\u20ac\u0153, der Comichefte, arbeiteten.<\/p>\n<p>Deren Comics von unbezwingbaren Helden waren zu Beginn verklausulierte, sp\u00c3\u00a4ter immer offener werdende Aufschreie gegen die Vorg\u00c3\u00a4nge in Europa, erstmals kulminierend in dem ber\u00c3\u00bchmten Cover von \u00e2\u20ac\u017eCaptain America\u00e2\u20ac\u0153 #1 (1939), in dem der amerikanische K\u00c3\u00a4mpfer mit dem blauwei\u00c3\u0178en Flaggen-Dress Hitler mit blanker Faust niederstreckt.<\/p>\n<p>Aber damit fing es nat\u00c3\u00bcrlich nicht an. Bereits vor den Superhelden konnte der amerikanische Comic auf eine reiche, mehr als vierzigj\u00c3\u00a4hrige Tradition zur\u00c3\u00bcck blicken. Die Pr\u00c3\u00a4sentation von Strips wie \u00e2\u20ac\u017eAbbie the Agent\u00e2\u20ac\u0153 von Harry Herschfield, der ab 1914 erschien, sind gro\u00c3\u0178artige Entdeckungen einer heute fast vergessenen Tradition, die man sonst praktisch nicht mehr zu sehen bekommt.<\/p>\n<p>Oder wer h\u00c3\u00a4tte je hierzulande von Samuel Zagat geh\u00c3\u00b6rt, der seine Comics ausschlie\u00c3\u0178lich in einer jiddischen Tageszeitung publizierte und ganz in hebr\u00c3\u00a4ischer Lesart, also von links nach rechts? Die Comics beider K\u00c3\u00bcnstler handelten von den Versuchen verschiedener Figuren, als Einwanderer in Amerika zurecht zu kommen &#8211; Comics als Integrationsma\u00c3\u0178nahme.<\/p>\n<p>Nicht nur die Tatsache, dass diese K\u00c3\u00bcnstler in der Regel in schwarz-wei\u00c3\u0178 und in den Tageszeitungen publizierten, unterscheidet sie von den nach ihnen kommenden Superhelden-Zeichnern. Offener als \u00c3\u00bcber Jahrzehnte hinaus nahezu alle anderen Comiczeichner brachten sie in ihren erz\u00c3\u00a4hlerischen Vignetten j\u00c3\u00bcdischen Alltag zum Ausdruck, in einem bodenst\u00c3\u00a4ndigen Realismus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"\/i\/urmaus.jpg\" title=\"Art Spiegelman - Seite 1 des \" alt=\"Art Spiegelman - Seite 1 des \" height=\"281\" width=\"203\" \/>Erst Will Eisner, der die Strips als Jugendlicher noch gelesen haben d\u00c3\u00bcrfte, nahm diesen Faden rund ein halbes Jahrhundert sp\u00c3\u00a4ter wieder auf. Seine Erz\u00c3\u00a4hlungen aus dem New York der Dreissigerjahre, beginnend mit \u00e2\u20ac\u017eEin Vertrag mit Gott\u00e2\u20ac\u0153 (1978), schilderten j\u00c3\u00bcdischen Alltag, wenn auch nicht so burlesk wie etwa Herschfield, und waren ma\u00c3\u0178gebend bei der Literarisierung des Comics, die schlie\u00c3\u0178lich zur modernen Form der Graphic Novel f\u00c3\u00bchrte.<\/p>\n<p>Die chronologische Darstellungsweise der Ausstellung verhindert hier leider das Ziehen von Querverbindungen. Eigentlich m\u00c3\u00bcsste die Exhibition an dieser Stelle sich in zwei Str\u00c3\u00a4nge spalten. Einerseits der realistische, sich vom fr\u00c3\u00bchen Comicstrip herleitende j\u00c3\u00bcdische Comic a la Eisner, der schlie\u00c3\u0178lich in B\u00c3\u00bcchern wie Art Spiegelmans Holocaust-Erz\u00c3\u00a4hlung \u00e2\u20ac\u017eMaus\u00e2\u20ac\u0153 gipfelte und in denen die K\u00c3\u00bcnstler ihre eigene Kultur und Herkunft thematisierten.<\/p>\n<p>Und andererseits jene Zeichner vor allem bunter Unterhaltungs-Serien, die sich auf Jerry Siegel und Joe Shuster berufen k\u00c3\u00b6nnen und die ab den vierziger Jahren den permanenten Hunger des Publikums nach Zehn-Cent-Heften stillten. Sp\u00c3\u00a4testens nach dem zweiten Weltkrieg fand das Judentum hier nur noch in versteckter, verklausulierter oder ironisch gebrochener Form statt. Zwar kreierten Stan Lee und Jack Kirby mit den \u00e2\u20ac\u017eX-Men\u00e2\u20ac\u0153 (1961) die Prototypen der von der Gesellschaft versto\u00c3\u0178enen Helden. Und Ben Grimm, das \u00e2\u20ac\u017eDing\u00e2\u20ac\u0153 der Fantastischen Vier (ebenfalls von Kirby und Lee), ist laut seiner Comiclegende in einer j\u00c3\u00bcdischen Familie in einem j\u00c3\u00bcdischen Viertel aufgewachsen. Zu sehen ist davon in den Comics freilich nichts. Diese Comics ziehen sich auf Codices zur\u00c3\u00bcck, die nur versteht, wer danach sucht.<\/p>\n<p>Zwei Prototypen der j\u00c3\u00bcdischen Comicerz\u00c3\u00a4hlung lassen sich darin sehen, die als Muster in beinahe allen Werken entsprechender K\u00c3\u00bcnstler wiederzufinden sind: einerseits der \u00c3\u00bcberlebensgro\u00c3\u0178e, strahlende Held a la Superman, andererseits der Underdog und im Wortsinne kleine Mann, wie Herschfield, Eisner und Spiegelman ihn zeichnete. J\u00c3\u00bcdische Comics handeln praktisch immer ausschlie\u00c3\u0178lich von Davids oder Goliaths.<\/p>\n<p>Einer der wenigen K\u00c3\u00bcnstler, der die zwei widerspr\u00c3\u00bcchlichen Elemente \u00c3\u00bcberaus erfolgreich verschmolzen hat, fehlt nun ausgerechnet in der Ausstellung. Ren\u00c3\u00a9 Goscinny war ab 1959 als Autor federf\u00c3\u00bchrend  in der Kreation des Comicduos Asterix und Obelix, dem kleinen, bodenst\u00c3\u00a4ndig-listigen Helden und dessen gro\u00c3\u0178en, unbesiegbaren Begleiter.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/Sabraman.jpg\" title=\"Sabraman - der erste israelische Superheld\" alt=\"Sabraman - der erste israelische Superheld\" \/>Statt dessen wird die europ\u00c3\u00a4ische Tradition, die naturgem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 schmal ist, fast ausschlie\u00c3\u0178lich durch Joan Sfar repr\u00c3\u00a4sentiert. Der junge Franzose hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Menge an Comics ausgesto\u00c3\u0178en. In B\u00c3\u00bcchern wie \u00e2\u20ac\u017eDie Katze des Rabbiners\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eKlezmer\u00e2\u20ac\u0153 verbindet er scheinbar m\u00c3\u00bchelos das Fantastische mit dem Realistischen, das Reale mit dem Eskapismus. Ohne die Vorarbeit eines Goscinny w\u00c3\u00a4re freilich auch ein Sfar kaum denkbar.<\/p>\n<p>Daher wirkt Sfar in der bestehenden Ausstellung trotz seiner absolut zentralen Position f\u00c3\u00bcr den modernen Comic ein wenig wie ein Fremdk\u00c3\u00b6rper. Nicht anders als &#8211; ausgerechnet! &#8211; die israelischen K\u00c3\u00bcnstler, die nur ganz am Rande einen Platz finden. Darunter Uri Fink, der, 1963 geboren, bereits als F\u00c3\u00bcnfzehnj\u00c3\u00a4hriger seine eigene Version von Superman kreiert hat. \u00e2\u20ac\u017eSabraman\u00e2\u20ac\u0153, blauwei\u00c3\u0178 und mit dem Davidstern auf der Brust. Und auch hier war das Cover im Hintergrund blutrot.<\/p>\n<p>Helden Freaks und Superrabbis: J\u00c3\u00bcdisches Museum Berlin, 30 April bis 8. August<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jmberlin.de\/comic\/\">http:\/\/www.jmberlin.de\/comic\/<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ceb2efa1fe8147a38a4d1f7fa1fd8a84\" height=\"1\" width=\"1\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=433\" title=\" SPIEGEL.de: David oder Goliath sein. &#8211; J\u00c3\u00bcdische Comics in Berlin.\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Ungek\u00c3\u00bcrzte Fassung eines Artikels f\u00c3\u00bcr SPIEGEL-Online. Die ver\u00c3\u00b6ffentlichte Fassung steht hier. J\u00c3\u00bcdische K\u00c3\u00bcnstler haben vor allem den amerikanischen Comic entscheidend gepr\u00c3\u00a4gt. 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