{"id":442,"date":"2010-06-02T11:59:17","date_gmt":"2010-06-02T10:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=442"},"modified":"2010-07-05T17:03:10","modified_gmt":"2010-07-05T16:03:10","slug":"tagesspiegel-ikkyu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=442","title":{"rendered":"Tagesspiegel: &#8218;Ikkyu&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Tagesspiegel: &#8218;Ikkyu&#8216;\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=442\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><blockquote><p><strong>Absurde Lichtgestalt &#8211; <\/strong><strong>Komischer Heiliger. Der exzentrische Zen-M\u00c3\u00b6nch Ikkyu gilt als einer der bedeutendsten Dichter Japans und als religi\u00c3\u00b6ser Erneuerer.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDiese Woche werden die besten Comics des Jahres mit dem Max-und-Moritz-Preis geehrt. Das historische Epos \u00e2\u20ac\u017eIkkyu\u00e2\u20ac\u0153 ist einer der nominierten Mangas \u00e2\u20ac\u201c es ist hart, realistisch und alles andere als leichte Kost.<!--more--><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/propertyblob\/contentbean:1850208\/format1;jsessionid=20D37D3053CC367775F89D7ACBF039A1\" title=\"Ikkyu\" alt=\"Ikkyu\" width=\"200\" \/>\u00c3\u0153ber \u00e2\u20ac\u017eDoktor Schiwago\u00e2\u20ac\u0153, den Roman, sagte Omar Sharif, der Hauptdarsteller der Verfilmung, einmal, durch die ersten hundert Seiten m\u00c3\u00bcsse man sich aufgrund der unz\u00c3\u00a4hligen Daten und Namen durchqu\u00c3\u00a4len, aber danach sei es eine \u00c3\u00bcberaus spannende Lekt\u00c3\u00bcre.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eIkkyu\u00e2\u20ac\u0153 ist mit Sicherheit kein Epos vom Format von Pasternaks Roman. Die Geschichte basiert auf dem Leben des in Japan \u00c3\u00bcberaus popul\u00c3\u00a4ren Zen-M\u00c3\u00b6nches Ikkyu, eine Mischung aus Till Eulenspiegel und Martin Luther. Im 15. Jahrhundert wanderte er als Bettelpriester durch das Land, entschieden, sich der damals vorherrschenden Ausrichtung des Buddhismus auf materielle Dinge und der  Verbindung von Religion und Geldwirtschaft entgegen zu stellen. Der exzentrische, zu Streichen aufgelegte und absolut nicht in Askese lebende Ikkyu gilt zugleich als einer der bedeutendsten Dichter Japans jener Epoche und als religi\u00c3\u00b6ser Erneuerer.<\/p>\n<p>Auf 1.200 Seiten hat Sakaguchi die Lebensgeschichte des M\u00c3\u00b6nches dargestellt. Sakaguchi ist ein Sch\u00c3\u00bcler Osamu Tezukas, daher liegt die Besch\u00c3\u00a4ftigung mit dem Buddhismus nahe: bereits in den siebziger Jahren hatte Tezuka eine umfangreiche Manga-Version von Buddhas Leben geschaffen. Anders als Tezuka, der sich auf recht viele Quellen zu seiner Figur st\u00c3\u00bctzen konnte (sich aber dennoch unz\u00c3\u00a4hlige Freiheiten in seiner Geschichte nahm), musste Sakaguchi allerdings improvisieren. Vieles, was aus Ikkyus Leben \u00c3\u00bcberliefert ist, ist Legende und Anekdote.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/propertyblob\/contentbean:1850210\/format1;jsessionid=20D37D3053CC367775F89D7ACBF039A1\" title=\"Ikkyu\" alt=\"Ikkyu\" width=\"200\" \/>Sakaguchi greift diese Dinge mit Freuden auf. Und so wird der M\u00c3\u00b6nch bereits in fr\u00c3\u00bchen Jahren zur absurden Lichtgestalt, einerseits permanent zu Schabernack aufgelegt, andererseits schon als Jugendlicher mit tiefem Einblick in die Lehren des Zen versehen. Ist das wahr? Man weiss es nicht.<\/p>\n<p>Drumherum schildert Sakaguchi Ikkyus Japan, die Sengoku-\u00c3\u201era, mit ausufernder Detailverliebtheit. Und das wiederum ist wahr. Innenpolitik, Kunst, Kultur, Religion, die Verarmung der Landbev\u00c3\u00b6lkerung und der Aufstieg der Regionalherren, die daraus folgenden Konflikte und Kriege sind gleichfalls Thema dieser Erz\u00c3\u00a4hlung. Hier stellt sich ein Lesegef\u00c3\u00bchl ein, wie es Sharif bei der Lekt\u00c3\u00bcre des \u00e2\u20ac\u017eSchiwago\u00e2\u20ac\u0153 gehabt haben d\u00c3\u00bcrfte. Insbesondere die ersten hundert Seiten von \u00e2\u20ac\u017eIkkyu\u00e2\u20ac\u0153 erschlagen den Lesern mit historischen Erl\u00c3\u00a4uterungen, Namen bedeutender Personen und einer Vielzahl erkl\u00c3\u00a4render Fu\u00c3\u0178noten.<\/p>\n<p>Sakaguchi macht es seinen Lesern nicht einfach. \u00e2\u20ac\u017eIkkyu\u00e2\u20ac\u0153 will als historischer Roman ernst genommen werden, manchmal mit zu viel Macht. Gerade weil die Lebensgeschichte der Titelfigur nur unzureichend \u00c3\u00bcberliefert ist, wird das Umfeld um so genauer herausgearbeitet &#8211; die Beinahe-Legende Ikkyu bildet den Kontrast zur Realit\u00c3\u00a4t der Sengoku-\u00c3\u201era. \u00c3\u0153ber viele Seiten verl\u00c3\u00a4sst Sakaguchi den Lebensweg seiner Figur, um sich dem Umfeld und Randereignissen zu widmen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/propertyblob\/contentbean:1850212\/format1;jsessionid=20D37D3053CC367775F89D7ACBF039A1\" title=\"Ikkyu\" alt=\"Ikkyu\" width=\"200\" \/>Das Ergebnis ist, leider auf Kosten der Stringenz der Erz\u00c3\u00a4hlung, ein \u00c3\u00bcberaus genaues, wenn auch den Leser forderndes Sittenbild einer der h\u00c3\u00a4rtesten Epochen der japanischen Geschichte. Ohne all zu gro\u00c3\u0178e Romantisierung, wie sie sonst oft in Samurai- und M\u00c3\u00b6nchs-Epen zu finden ist. Sakaguchi hat auch nichts vom verniedlichenden Stil seines Lehrmeisters Tezuka. Seine Bildsprache ist hart, realistisch, die Bildfolgen gelegentlich beinahe expressionistisch. Im Reigen der \u00c3\u00a4hnlich erstellten gro\u00c3\u0178en Historiencomics wie Alan Moores \u00e2\u20ac\u017eFrom Hell\u00e2\u20ac\u0153 oder Jason Lutes&#8216; \u00e2\u20ac\u017eBerlin\u00e2\u20ac\u0153vermag das Werk aufgrund der h\u00c3\u00a4ufig etwas zerfaserten Erz\u00c3\u00a4hlweise allerdings nicht mitzuspielen. (stefan pannor)<\/p>\n<p>Carlsen Manga, 300 S.; \u00e2\u201a\u00ac 12,90<\/p><\/blockquote>\n<p>Ver\u00c3\u00b6ffentlicht im <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/comics\/absurde-lichtgestalt\/1850206.html\">Comicangebot des <em>Tagesspiegel<\/em><\/a>. Urspr\u00c3\u00bcnglich publiziert <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=249\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Mehr zu <em>Ikkyu<\/em> <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=428\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/37660408fcdd4b83a152756fb8923e0d\" height=\"1\" width=\"1\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=442\" title=\" Tagesspiegel: &#8218;Ikkyu&#8216;\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Absurde Lichtgestalt &#8211; Komischer Heiliger. Der exzentrische Zen-M\u00c3\u00b6nch Ikkyu gilt als einer der bedeutendsten Dichter Japans und als religi\u00c3\u00b6ser Erneuerer. Diese Woche werden die besten Comics des Jahres mit dem...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Absurde Lichtgestalt &#8211; Komischer Heiliger. 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