{"id":446,"date":"2010-07-06T07:12:42","date_gmt":"2010-07-06T06:12:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=446"},"modified":"2010-07-09T16:57:24","modified_gmt":"2010-07-09T15:57:24","slug":"aktuelle-comicrezension-159-brian-fies-und-wir-traumten-von-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=446","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (159): Brian Fies &#8211; &#8218;Und wir tr\u00c3\u00a4umten von der Zukunft&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (159): Brian Fies &#8211; &#8218;Und wir tr\u00c3\u00a4umten von...\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=446\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><blockquote><p><strong>Brian Fies<br \/>\nUnd wir tr\u00c3\u00a4umten von der Zukunft<\/p>\n<p><\/strong><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/brianfies.jpg\" alt=\"Brian Fies\" \/>In der Tat l\u00c3\u00a4sst sich am Comic wie an keinem anderen Medium der Wandel der Zeiten ablesen &#8211; von einem unbedingten Fortschrittsglauben zu einem hemmungslosen Zukunftsskeptizismus. <\/p>\n<p>Aus den einstmals strahlenden Superhelden, den st\u00c3\u00a4hlernen Raumfahrern der europ\u00c3\u00a4ischen Abenteuer-Comics, den alleserfindenden Wissenschaftlern sind in der Regel gebrochene, d\u00c3\u00bcstere Figuren geworden. In heutigen Science-Fiction-Comics dominiert das d\u00c3\u00bcstere und beklemmende. Nur noch Daniel D\u00c3\u00bcsentrieb kriegt wirklich alles hin.<\/p>\n<p>Brian Fies greift diesen Gedanken in seinem j\u00c3\u00bcngsten Buch auf, indem er in Form einer Bildgeschichte die Entwicklung des Zukunftsglaubens der vergangenen siebzig Jahre nachzeichnet. Fies wurde vor einigen Jahren bekannt durch den Comic \u00e2\u20ac\u017eMutter hat Krebs\u00e2\u20ac\u0153, dem realistischen und traurigen Abriss des langsamen Sterbens seiner Mutter in Form von Comicstrips. \u00e2\u20ac\u017eUnd wir tr\u00c3\u00a4umten von der Zukunft\u00e2\u20ac\u0153 liest sich wie ein positiver Gegenentwurf zu dem tragischen Vorg\u00c3\u00a4nger. <!--more-->Auf jeden Fall ist es eine deutlich leichtere, fr\u00c3\u00b6hlichere Lekt\u00c3\u00bcre.<\/p>\n<p>Fies&#8216; erz\u00c3\u00a4hlende Ich-Figur wandelt sich vom begeisterten Knaben auf der Weltausstellung 1939, wo er erstmals das Wunder des Fernsehens miterlebt, zum kritischen Betrachter, nachdem er ansehen muss, wie die Angst vor der Atombombe, der Vietnamkrieg und das Ende des Wettlaufs zum Mond den Glauben an das Positive moderner Technologien und das Gute im Menschen ersch\u00c3\u00bcttern, ohne jedoch den Optimismus und Glauben an den Fortschritt je wirklich zu verlieren.<\/p>\n<p>Unterbrochen wird diese opulent bebilderte und gelegentlich selbstironische Darstellung durch eine Handvoll fiktiver Superhelden-Comics, in denen Fies elegant die dominanten Comiczeichenstile der jeweiligen Epoche von 1939 bis ca. 1970 nachahmt und die vom ewigen Kampf des Raumfahrers Cap Crater gegen seinen Erzschurken Dr. Xandra handeln.<\/p>\n<p>Beide Teile zusammen, die eskapistische Comichommage und die historisch akkurate Darstellung der realen Welt, sollen, so Fies im Vorwort, ein Gef\u00c3\u00bchl daf\u00c3\u00bcr vermitteln, wie toll es fr\u00c3\u00bcher war, an die Zukunft und das Gute in ihr zu glauben. Es sei \u00e2\u20ac\u017eeine Streitschrift f\u00c3\u00bcr eine zunehmend seltenere Form des Denkens\u00e2\u20ac\u0153, so Fies.<\/p>\n<p>M\u00c3\u00b6glicherweise ist das das Problem. Fies&#8216; Optimismus, wie er vor allem im letzten Kapitel zu lesen ist (\u00e2\u20ac\u017eIn der Welt von morgen werden tausende von Menschen praktisch st\u00c3\u00a4ndig im Weltraum leben: im Erdorbit, im geostation\u00c3\u00a4ren Clarke-Orbit und jenseits davon &#8211; darunter ganze Familien, deren Kinder noch nie einen Fuss auf die Erde gesetzt haben\u00e2\u20ac\u0153, heisst es auf Seite 192), ist schwer nachvollziehbar angesichts realer Probleme wie Klimawandel und der Ungewissheit der \u00c3\u2013l-Ressourcen. Fies blendet diese Probleme einfach aus, wodurch L\u00c3\u00bccken in seiner Argumentation entstehen.<\/p>\n<p>Als Streitschrift ist \u00e2\u20ac\u017eUnd wir tr\u00c3\u00a4umten von der Zukunft\u00e2\u20ac\u0153 infolgedessen unbrauchbar. Dagegen ist es als Comic eine \u00c3\u00bcberaus sch\u00c3\u00b6ne, \u00c3\u00a4sthetische Erfahrung, nicht nur aufgrund der Versiertheit, mit der Fies die Striche ber\u00c3\u00bchmterer Kollegen wie Jack Kirby und Neal Adams nachahmt, sondern auch aufgrund der Leichtigkeit seiner eigenen, karikaturistisch reduzierten Zeichnungen. Ein sch\u00c3\u00b6nes, jedoch inhaltlich etwas unbefriedigendes Buch. (Stefan Pannor)<\/p>\n<p>Knesebeck Verlag, 200 S.; 24,95 \u00e2\u201a\u00ac<\/p><\/blockquote>\n<p>Verfasst f\u00c3\u00bcr die Leipziger <em>Comic Combo<\/em>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/3312cfcce029487092d9f73653f98021\" height=\"1\" width=\"1\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=446\" title=\" Aktuelle Comicrezension (159): Brian Fies &#8211; &#8218;Und wir tr\u00c3\u00a4umten von der Zukunft&#8216;\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Brian Fies Und wir tr\u00c3\u00a4umten von der Zukunft In der Tat l\u00c3\u00a4sst sich am Comic wie an keinem anderen Medium der Wandel der Zeiten ablesen &#8211; von einem unbedingten Fortschrittsglauben...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brian Fies Und wir tr\u00c3\u00a4umten von der Zukunft In der Tat l\u00c3\u00a4sst sich am Comic wie an keinem anderen Medium der Wandel der Zeiten ablesen &#8211; von einem unbedingten Fortschrittsglauben zu einem hemmungslosen Zukunftsskeptizismus. 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