{"id":447,"date":"2010-07-07T07:22:17","date_gmt":"2010-07-07T06:22:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=447"},"modified":"2010-07-07T12:12:44","modified_gmt":"2010-07-07T11:12:44","slug":"aktuelle-comicrezension-160-fraulein-ruhr-mich-nicht-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=447","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (160): &#8218;Fr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (160): &#8218;Fr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an&#8216;\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=447\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><blockquote><p><strong>Hubert &amp; Kerascoet<br \/>\nFr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an<\/p>\n<p><\/strong><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/Fraeulein.jpg\" alt=\"Fr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an\" \/>Prostitution als Ausbruch aus einengenden Strukturen: schon Bunuel hat in seinem Film \u00e2\u20ac\u017eBelle de Jour\u00e2\u20ac\u0153 dieses Thema behandelt. F\u00c3\u00bcr seine Heldin, gespielt von Catherine Deneuve, ist der Weg ins Bordell ein Ausweg aus den b\u00c3\u00bcrgerlichen Verhaltensnormen und einem grunds\u00c3\u00a4tzlich als unbefriedigend empfundenen Leben.<\/p>\n<p>Blanche, die Hauptfigur in \u00e2\u20ac\u017eFr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an\u00e2\u20ac\u0153 flieht auch ins Bordell, aber aus einem v\u00c3\u00b6llig anderen Grund: ihre Schwester wurde ermordet und sie vermutet den M\u00c3\u00b6rder im Dunstkreis des Etablissements. Ausserdem weiss sie nicht, wohin sonst. Die Pointe: sie ist Jungfrau und will es auch bleiben.<!--more--><\/p>\n<p>Die Geschichte hat verbl\u00c3\u00bcffende \u00c3\u201ehnlichkeit mit einem Internatsroman. Denn wie auch dort k\u00c3\u00b6nnen die M\u00c3\u00a4dchen das Haus nicht oder kaum verlassen, gibt es eine gestrenge Leiterin, spielen die Huren einander zum Teil \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst gemeine Streiche, gibt es Freund- und Feindschaften und eine  Vielzahl individueller Charaktere. Blanche ist darin der Neuling, der die f\u00c3\u00bcr die Alteingesessenen selbstverst\u00c3\u00a4ndlichen Abl\u00c3\u00a4ufe stellvertretend f\u00c3\u00bcr den Leser mit staunenden Augen betrachtet.<\/p>\n<p>Weil diese \u00c3\u201ehnlichkeit besteht, gibt es auch die Gefahr der romantischen Idealisierung &#8211; zumal die Erz\u00c3\u00a4hlung in den Dreissigerjahren angesiedelt ist, also kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, im sich auf dem H\u00c3\u00b6hepunkt des savoir vivre befindlichen Paris.<\/p>\n<p>Und tats\u00c3\u00a4chlich ist \u00e2\u20ac\u017eFr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an\u00e2\u20ac\u0153 ein Buch, in dem die realen Probleme und Gefahren der Prostitution (Geschlechtskrankheiten, Vergewaltigung, Abh\u00c3\u00a4ngigkeit und emotionale Verkr\u00c3\u00bcppelung) sowie der historische Hintergrund nur am Rande Erw\u00c3\u00a4hnung finden. Der Comic handelt von seiner eigenen Welt, jener des fiktiven, \u00c3\u00bcberaus eleganten Bordells. Eine Phantasie-Welt: die M\u00c3\u00a4dchen dort sind allesamt h\u00c3\u00bcbsch und machen ihren Job ohne dar\u00c3\u00bcber zu reflektieren, ja haben offenkundig sogar Spa\u00c3\u0178 an ihrer T\u00c3\u00a4tigkeit. (Ebenso der Zeichner. Mehr als einmal verlieren sich die Bilder in den reizvollen Dessous der Protagonistinnen.)<\/p>\n<p>Dazwischen Blanche, die sich ihre Jungfr\u00c3\u00a4ulichkeit bewahrt, indem sie zur Domina wird, die aus ihrem Graue-Maus-Kost\u00c3\u00bcm in die Lederkluft schl\u00c3\u00bcpft. Dennoch ist sie keine Deneuve. Sie bricht nicht aus, sie bricht ein &#8211; im Wortsinne, gleich zu Beginn der Geschichte, in das Bordell. Zu keinem Zeitpunkt freilich hat sie das Heft des Handelns wirklich in der Hand, immer wird ihr von anderen gesagt, was sie zu tun hat.<\/p>\n<p>So handelt  \u00e2\u20ac\u017eFr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an\u00e2\u20ac\u0153 letztlich weder von einer Emanzipation noch von einer Entwicklung der Hauptfigur, auch nicht von einer wirklichen Erkundung der Prostitution oder einem brauchbaren Zeitbild. Eher irritiert betrachtet Blanche die sch\u00c3\u00b6ne, aber falsche Welt des Bordells, deren ironiefreie Idealisierung und Herunterbrechend auf am\u00c3\u00bcsante, anz\u00c3\u00bcgliche Episoden durch die Erz\u00c3\u00a4hler mindestens fragw\u00c3\u00bcrdig genannt werden muss. (stefan pannor)<\/p>\n<p>Reprodukt, 48 S.; \u00e2\u201a\u00ac 12,00<\/p><\/blockquote>\n<p>Verfasst f\u00c3\u00bcr die Leipziger <em>Comic Combo<\/em>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/723a4f51b0384c72a2cb402b0414f3ab\" height=\"1\" width=\"1\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=447\" title=\" Aktuelle Comicrezension (160): &#8218;Fr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an&#8216;\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Hubert &amp; Kerascoet Fr\u00c3\u00a4ulein R\u00c3\u00bchr-mich-nicht-an Prostitution als Ausbruch aus einengenden Strukturen: schon Bunuel hat in seinem Film \u00e2\u20ac\u017eBelle de Jour\u00e2\u20ac\u0153 dieses Thema behandelt. 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