{"id":545,"date":"2011-02-22T15:09:48","date_gmt":"2011-02-22T14:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=545"},"modified":"2011-02-22T15:09:48","modified_gmt":"2011-02-22T14:09:48","slug":"bleihhagel-und-blutgesaller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=545","title":{"rendered":"Bleihhagel und Blutgesaller"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Bleihhagel und Blutgesaller\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=545\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Von 1996 bis 2001 ver\u00c3\u00b6ffentlichte der damals noch in Saft und Kraft stehende Dino-Verlag \u00e2\u20ac\u017eLobo\u00e2\u20ac\u0153, eine Superhelden-Brachialparodie. Die monatlichen Hefte wurden mit Artikeln \u00c3\u00bcber Metalbands, Pornostars und Leserbriefen aufgepeppt, die angeblich die Titelfigur der Serie in ihrer p\u00c3\u00b6beligen Art selbst beantwortete, und z\u00c3\u00a4hlten zu den erfolgreichsten Superhelden-Titeln des Verlages. Das hilft, um zu verstehen, weshalb \u00e2\u20ac\u017eDeadpool\u00e2\u20ac\u0153 bei Panini erscheint und wie er erscheint.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/deadpool1.jpg\" alt=\"\" \/>Denn die Heftserie wirkt wie ein Aufgu\u00c3\u0178 des vor einem Jahrzehnt erfolgreichen \u00e2\u20ac\u017eLobo&#8220;-Konzepts, gerichtet m\u00c3\u00b6glicherweise sogar an die selben Kunden. Auch ohne Metal und Pornostars: bizarre Leserbriefe und seltsame Antworten des Titelhelden wirken in Tonfall und Gestus unerwartet vertraut, der Humor ist mindestens ebenso flau wie damals und klar  auf den schnellen Schenkelklopfer der &#8211; inzwischen &#8211; Generation 30+ ausgerichtet. (Oder wer lacht heute sonst noch \u00c3\u00bcber einen angeblichen Leserbrief einer sogenannten \u00e2\u20ac\u017ePamela A.\u00e2\u20ac\u0153?) Abgerundet wird der redaktionelle Teil von einem Lobgesang auf Lady Gaga im Fleischfummel. Ah ja.<\/p>\n<p>Dabei kann man nicht behaupten, dass die \u00e2\u20ac\u017eDeadpool\u00e2\u20ac\u0153-Comics eine schlechte Wahl seien &#8211; weder f\u00c3\u00bcr dieses redaktionelle Konzept noch f\u00c3\u00bcr sich allein. Seit er vor zwei Jahren eine Nebenrolle im \u00e2\u20ac\u017eWolverine\u00e2\u20ac\u0153-Film hatte, erfreut sich der gro\u00c3\u0178m\u00c3\u00a4ulige S\u00c3\u00b6ldner im amerikanischen Fandom gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ter Beliebtheit &#8211; was Marvel in den USA mit bis zu drei monatlichen Heftserien, diversen One-Shots und Spin-Offs kr\u00c3\u00a4ftig ausnutzt. Es ist ein Fall von sp\u00c3\u00a4tem Ruhm. In den USA stand die Serie in der Vergangenheit vor dem Film mehrmals vor dem Aus, in Deutschland erschien von den ganzen Heften nur ein Team-Up mit Daredevil. Insbesondere Ende der Neunzigerjahre, als &#8222;Deadpool&#8220; unter dem Autor Joe Kelly eine Parodie und einer der wenigen witzigen Superhelden-Comics dieser Zeit darstellte, flohen die K\u00c3\u00a4ufer in Scharen. (Unn\u00c3\u00b6tig zu sagen, dass selbst diese Hefte in den Staaten inzwischen nachgedruckt werden, weil der Bedarf offenbar so gro\u00c3\u0178 ist.)<br \/>\n<!--more--><br \/>\nVon Kellys parodistischem Ansatz ist in den j\u00c3\u00bcngsten Heften allerdings wenig zu sp\u00c3\u00bcren. Daniel Way, bei weitem der aktivste \u00e2\u20ac\u017eDeadpool&#8220;-Autor, ist eher der Mann f\u00c3\u00bcrs Grobe. H\u00c3\u00a4tten Bud Spencer und Terence Hill jemals mit einem der Meister des italienischen Splatterfilms zusammengearbeitet, w\u00c3\u00a4re vermutlich genau das heraus gekommen (vor allem in der deutschen Synchro). D\u00c3\u00bcmmliche Scherze und ein Held, der begriffsstutziger ist als Homer Simpson, stehen in Kontrast zur Brachialaction, die schon deshalb banal erscheint, weil sie in ihrer gewollten \u00c3\u0153bertreibung so vorhersehbar ist. Wo die Episoden satirische Ans\u00c3\u00a4tze aufweisen (in der vorliegenden Ausgabe mit Verweisen auf sattsam bekannte Piratenklischees), dienen diese doch nur nals Aufh\u00c3\u00a4nger f\u00c3\u00bcr weitere Gemetzel. Am Ende der gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te Fehler der Comics: dass zwischen Bleihagel und Blutgesaller alle Figuren, Helden wie Schurken, keine charakterliche Ausformung erfahren und dem Leser allesamt egal bleiben. So bleibt der Humor oberfl\u00c3\u00a4chlich, ziellos, ohne innere Anbindung.<\/p>\n<p>Das erinnert dann ebenfalls nicht zu Unrecht an \u00e2\u20ac\u017eLobo\u00e2\u20ac\u0153, und zeigt nicht nur, wo die Zielgruppe f\u00c3\u00bcr die Hefte liegt, sondern auch, dass der Verlag damit sogar Erfolg haben k\u00c3\u00b6nnte.<\/p>\n<p><em>Panini Comics, 76 S.; \u00e2\u201a\u00ac5,95<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4d640f7ae89b46e7aa37158390297d3d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=545\" title=\" Bleihhagel und Blutgesaller\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Von 1996 bis 2001 ver\u00c3\u00b6ffentlichte der damals noch in Saft und Kraft stehende Dino-Verlag \u00e2\u20ac\u017eLobo\u00e2\u20ac\u0153, eine Superhelden-Brachialparodie. 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