{"id":553,"date":"2011-03-01T12:02:07","date_gmt":"2011-03-01T11:02:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=553"},"modified":"2011-03-01T12:02:07","modified_gmt":"2011-03-01T11:02:07","slug":"getrommelt-gepfiffen-und-gewiechmannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=553","title":{"rendered":"Getrommelt, gepfiffen und gewiechmannt"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Getrommelt, gepfiffen und gewiechmannt\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=553\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Glanz und Elend der Wiechmannschen Comicproduktion: in keinem Band, den ich bisher von diesem Autor gelesen habe, kommen sie so eng zusammen wie in &#8222;Thomas der Trommler&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/thomasdertrommler.jpg\" alt=\"Thomas der Trommler\" \/>Vorweg: ich habe einen gewaltigen fachlichen Respekt vor Peter Wiechmann. Der Umfang seines Werkes als Comicautor (wie viel tausend Seiten m\u00c3\u00b6gen es sein?), die thematische Breite, die rein fachliche Umsetzung, die in der Regel stabil ausgearbeiteten Plots und nicht zuletzt das (zumindest auf grammatikalischer Ebene) einwandfreie Beherrschen der deutschen Sprache &#8211; das ist nicht zu leugnen.<\/p>\n<p>Das macht Peter Wiechmann zu einem versierten Autor &#8211; nur leider nicht immer zu einem lesbaren. In der Kunst findet das Handwerk seine Grenzen: nicht nur neigt Wiechmann zu einem Kurzsatz-Sprachstil, neben dem die BILD-Zeitung sich manchmal ausnimmt wie Joyce. Seine beschreibende Prosa ist in der Regel weniger pr\u00c3\u00a4gnant, sondern vielmehr abgehackt. Ein Stil, den er offenbar in den vergangenen Jahrzehnten verinnerlicht hat: die Vielzahl autobiographischer Texte und Nachworte von ihm sind im selben Duktus gehalten.<\/p>\n<p>Und dann sind seine Plots, so stabil sie auch sein m\u00c3\u00b6gen, in h\u00c3\u00b6chstem Grade trivial. Wie in diesem Band. Der ist, das l\u00c3\u00a4sst sich nicht anders sagen, grandios gezeichnet. Josep Gual und Juan Sarompas, die sich in die rund 130 Comicseiten reinteilen, geh\u00c3\u00b6ren zu den hierzulande nahezu v\u00c3\u00b6llig unbekannten spanischen Viel- und Studiozeichnern, die in einer gerechteren Welt Stars der Szene w\u00c3\u00a4ren (bzw. gewesen w\u00c3\u00a4ren, Sarompas ist tot). <\/p>\n<p>Das ist nicht nur stupide Umsetzung der inhaltlichen Vorlagen, das ist von beiden eine meisterhafte Rekonstruktion der Epoche des Dreissigj\u00c3\u00a4hrigen Kriegs, detail-, mehr aber noch atmosph\u00c3\u00a4reverliebt. Nat\u00c3\u00bcrlich, die Serie erschien urspr\u00c3\u00bcnglich in einem Kindermagazin, deutlich entsch\u00c3\u00a4rft und ohne Sex- oder \u00c3\u00bcberm\u00c3\u00a4ssige Gewaltanteile. Aber grade Sarompas zeigt sich als Meister feinst ziselierter ruhiger Bilder, w\u00c3\u00a4hrend Gual kr\u00c3\u00a4ftige, dynamische Actionsequenzen zeichnet. Angesichts der optischen Pracht, grade in der schwarz-weissen Reproduktion hier in diesem Buch, l\u00c3\u00a4sst sich mit den inhaltlichen Beschr\u00c3\u00a4nkungen leben.<\/p>\n<p>Bloss leider, so gern ich es ansehe: es ist unlesbar.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn acht bis zehn Seiten langen Episoden h\u00c3\u00a4mmert Wiechmann die Lebensgeschichte des titelgebenden Thomas raus, ein Adelssohn, der zum Landsknecht wird und als Minderj\u00c3\u00a4hriger Karriere in Tillys Heer macht. Als w\u00c3\u00a4re diese Figur, die trotz ihrer Jugend nahezu alles perfekt hinbekommt und jedem Milit\u00c3\u00a4rstrategen \u00c3\u00bcberlegen ist, nicht schon \u00c3\u00bcberzeichnet genug, stellt der Autor ihr ein paar bizarre Helfer zur Seite, Superk\u00c3\u00a4mpfer, die Thomas aus jeder Situation hauen (falls das denn mal n\u00c3\u00b6tig ist). Extremster Fall: Dschingis, der mongolische Bogensch\u00c3\u00bctze&#8230; genau: ein Mongole im Dreissigj\u00c3\u00a4hrigen Krieg. Und keiner wundert sich.<\/p>\n<p>So zerpufft das ganze sehr atmosph\u00c3\u00a4risch und eigentlich auch spannend aufgebaute Kriegsdrama in L\u00c3\u00a4cherlichkeit, in pathetischen Dialogen und schon aufgrund ihrer Anlage mit dem unbesiegbaren Helden in spannungsarmen Episoden. Am interessantesten sind da noch die beigef\u00c3\u00bcgten historischen Erl\u00c3\u00a4uterungen zwischen den Seiten, aber auch die im Wiechmannschen Minimal-Duktus und daher als Geschichtslehrstunde nur bedingt brauchbar. (Und in Teilen fiktiv, wenn Wiechmann selbsterfundene Bauernlieder in seine historischen Betrachungen einfliessen l\u00c3\u00a4sst.)<\/p>\n<p>Glanz und Elend der Wiechmannschen Comics, wie gesagt: durch ihre Anlage und ihre zeichnerische Ausarbeitung locken sie immer wieder, doch stellt sich beim Lesen heraus, dass diese Lockung rein oberfl\u00c3\u00a4chlich war. Histo-Fast-Food, wenn man so will.<\/p>\n<p><em>Wiechmann\/ Sarompas\/ Gual: Thomas der Trommler<br \/>\nCross Cult, 160 S.; \u00e2\u201a\u00ac26,00<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ca83cbc3592543b0ae603f5adbd70817\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>\t<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=553\" title=\" Getrommelt, gepfiffen und gewiechmannt\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Glanz und Elend der Wiechmannschen Comicproduktion: in keinem Band, den ich bisher von diesem Autor gelesen habe, kommen sie so eng zusammen wie in &#8222;Thomas der Trommler&#8220;. 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