{"id":599,"date":"2011-04-07T12:46:06","date_gmt":"2011-04-07T11:46:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=599"},"modified":"2011-04-07T12:46:06","modified_gmt":"2011-04-07T11:46:06","slug":"kerouac-wiki-style","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=599","title":{"rendered":"Kerouac, Wiki-Style"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Kerouac, Wiki-Style\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=599\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Der Comic-Revoluzzer Harvey Pekar schreibt die Geschichte der Beat-Literatur als Comic \u00e2\u20ac\u201c und scheitert.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/beats.jpg\" alt=\"\" \/>Die Verdienste des im Juli 2010 verstorbenen Harvey Pekar sind unbestreitbar. In den Siebzigerjahren hatte der hauptberuflich als Krankenhausangestellter arbeitende Pekar das Genre des autobiografischen Comic erfunden, indem er seine Alltagsunbillen aufschrieb und von Szenegr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178en wie Robert Crumb zeichnerisch umsetzen liess. <\/p>\n<p>In den folgenden drei Jahrzehnten widmete Pekar seiner \u00e2\u20ac\u017eAutobiography in progress\u00e2\u20ac\u0153 mehrere tausend Seiten und schuf damit eine der umfangreichsten und detailiertesten Lebenserz\u00c3\u00a4hlungen \u00c3\u00bcberhaupt. Wegen des ausbleibenden kommerziellen Erfolgs arbeitete er weiterhin im Krankenhaus. Erst als Pekar Anfang des Jahrzehnts in Rente ging, verschob sich sein Fokus hin zu Erz\u00c3\u00a4hlungen \u00c3\u00bcber andere. Es entstanden Comics \u00c3\u00bcber Vietnam, Mazedonien, die Studentenbewegung in den USA und die Beat-Literatur. <\/p>\n<p>Letzterer, \u00e2\u20ac\u017eThe Beats\u00e2\u20ac\u0153, im amerikanischen Original 2009 erschienen, ist deshalb beachtenswert, weil es sich um Pekars erste eigenst\u00c3\u00a4ndige Ver\u00c3\u00b6ffentlichung in deutscher Sprache handelt (sieht man vielleicht einmal von einigen Kurzcomics mit Robert Crumb ab, die verstreut publiziert sind) \u00e2\u20ac\u201c rund zwei Monate nach seinem Tod. <\/p>\n<p>Aufgeh\u00c3\u00a4ngt am Leben der Autoren Kerouac, Ginsberg und Burroughs, will das Buch einen Abriss der Geschichte dieser literarischen Bewegung liefern. Schon wegen deren exaltierten Lebensstils schwingt eine Vielzahl Themen darin mit: der die Beatniks inspirierende Jazz (eine von Pekars vielen Obsessionen), Homosexualit\u00c3\u00a4t, Machismo, Drogen und Mord. <\/p>\n<p><!--more-->Pekar allerdings schreitet die Lebensstationen seiner Figuren it der Manieriertheit eines Studienrates ab \u00e2\u20ac\u201c und raubt ihnen so jede Faszination. Statt ein komplexes Bild der miteinander verwobenen Lebenswege der Autoren zu entwerfen, dr\u00c3\u00b6selt er die Biografien einzeln auf, hakt pflichtgetreu ab: erst tat Kerouac dieses, dann jenes&#8230; Dann das gleiche Spiel f\u00c3\u00bcr Ginsberg und Burroughs nochmal, zum Teil sogar mit den selben S\u00c3\u00a4tzen. Das ist nicht Literatur, das ist Wikipedia, nur ohne Links.<\/p>\n<p>Die Zeichnungen (haupts\u00c3\u00a4chlich von Pekars Stammzeichner Ed Piskor) sind hierbei nichts weiter als blutarme Illustrationen unter den d\u00c3\u00bcrren historiologisierenden Texten, auf die zuguterletzt Sprechblasen gepappt sind, als w\u00c3\u00a4re dem Autor eingefallen, dass Sprechblasen zu einem Comic dazugeh\u00c3\u00b6ren, die aber doch nichts zu sagen haben. \u00e2\u20ac\u017eJuhu!\u00e2\u20ac\u0153 macht Kerouac, als er seinen ersten eigenen Roman verkauft, als w\u00c3\u00a4re er ein kleines Kind, dem man ein Eis geschenkt hat. <\/p>\n<p>Das ist von einer Banalit\u00c3\u00a4t, die ans Parodistische grenzt. Nicht nur dort. An kaum einer Stelle wird aus dem krampfhaft bebilderten Text und dem hilflos \u00c3\u00bcbertexteten Bildern wirklich ein Comic, dessen einzelne Elemente untereinander kommunizieren. Zwar waren Pekars Geschichten stets sperrig und etwas unbeholfen. Aber nie waren sie so dysfunktional wie hier. <\/p>\n<p>Dem Autor Pekar erweist der Verlag einen B\u00c3\u00a4rendienst, indem er ausgerechnet dieses Buch als dessen erste deutschsprachige Ver\u00c3\u00b6ffentlichung ausgew\u00c3\u00a4hlt hat, das ganz ohne Zweifel zu Pekars schw\u00c3\u00a4chsten geh\u00c3\u00b6rt. Passend dazu allerdings die deutsche Edition. Die ist nicht nur unsauber redigiert, voller Satzfehler, sondern auch lieblos in einer unpassenden Einheitsschriftart gelettert, die Texte beliebig in die Textk\u00c3\u00a4sten gequetscht, ein trauriges Beispiel daf\u00c3\u00bcr, wie man einen Comic nicht in eine andere Sprache \u00c3\u00bcbertr\u00c3\u00a4gt.<\/p>\n<p>Walde + Graf, 208 S.; \u00e2\u201a\u00ac 22,95<\/p>\n<p><strong>(Manuskriptfassung. Eine redigierte und gek\u00c3\u00bcrzte Fassung erschien in der <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/kultur\/literatur\/srechblase-fuer-jack-kerouac\/-\/1472266\/7146706\/-\/index.html\"><em>Frankfurter Rundschau<\/em><\/a>.)<\/strong><\/p>\n<p>PS: <em>Perlentaucher<\/em> <a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/35743.html\">schreibt den Text Christian Schl\u00c3\u00bcter zu<\/a>. Das ist falsch.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/35b221f867b240ccbb7b02123469d0d6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><strong>Verwandte Geschichten:<\/strong><\/p>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=453\">Das Leben, ein Comic \u00e2\u20ac\u201c Zum Tod von Harvey Pekar<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=416\">Weissblech-Comics<\/a><\/li>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=599\" title=\" Kerouac, Wiki-Style\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Beat,Graphic Novel,Pekar,blog;button:compact;\">Der Comic-Revoluzzer Harvey Pekar schreibt die Geschichte der Beat-Literatur als Comic \u00e2\u20ac\u201c und scheitert. Die Verdienste des im Juli 2010 verstorbenen Harvey Pekar sind unbestreitbar. In den Siebzigerjahren hatte der...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Comic-Revoluzzer Harvey Pekar schreibt die Geschichte der Beat-Literatur als Comic \u00e2\u20ac\u201c und scheitert. Ein Verri\u00c3\u0178 zur deutschen Ausgabe von  &#8222;The Beats&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[42,41,40],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/599"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=599"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":603,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions\/603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pannor.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}