{"id":604,"date":"2011-04-08T09:34:05","date_gmt":"2011-04-08T08:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=604"},"modified":"2011-04-08T09:34:05","modified_gmt":"2011-04-08T08:34:05","slug":"der-schwarze-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=604","title":{"rendered":"Der Schwarze Mann"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Der Schwarze Mann\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=604\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>\u00e2\u20ac\u017eAuf dem Vorhang sah ich einen Schatten vor\u00c3\u00bcbergehen. Er setzte sich zu mir aufs Bett.\u00e2\u20ac\u0153 So atmosph\u00c3\u00a4risch beginnt, noch auf der Vorsatzseite des Buches, \u00e2\u20ac\u017eDer Schwarze Mann\u00e2\u20ac\u0153, eine wunderbare Hommage an die franz\u00c3\u00b6sische Unterhaltungsliteratur des 19. Jahrhunderts.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/derschwarzemann.jpg\" alt=\"\" \/>Die war, weil verst\u00c3\u00b6rend irrational, um einiges abgr\u00c3\u00bcndiger als die eher gesitteten Erbauungsromane deutscher Provenienz oder die unerbittlich auf ein Happy-end zusteuernden Sozialdramen britischer Herkunft dieser Zeit. Die Deutschen hatten ihren Biedermeier und Theodor Storm, die Briten hatten Dickens. <\/p>\n<p>Die Franzosen aber hatten Victor Hugo, die beiden Dumas&#8216;, Eugene Sues \u00e2\u20ac\u017eGeheimnisse von Paris\u00e2\u20ac\u0153, wenn man zeitlich etwas vorausgreifen will, \u00e2\u20ac\u017eFantomas\u00e2\u20ac\u0153, den Meisterschurken (ab 1911), und Alfred Musset, von dem obiges Zitat stammt. Erz\u00c3\u00a4hlt wurde von Verbrechen, Korrumption und Korruption, Dreck, Armut, Dekadenz und Tod, h\u00c3\u00a4ufig nicht aus der Perspektive einer handelnden Figur, sondern gleich eines Dutzend davon, gleicherma\u00c3\u0178en den Montageroman und den Roman Noir antizipierend.<\/p>\n<p><strong>\u00e2\u20ac\u017eDer Schwarze Mann\u00e2\u20ac\u0153<\/strong> hat etwas von all dem. Am meisten wohl von Victor Hugo und Eugene Sue, als es keine stringente Erz\u00c3\u00a4hlung eines Einzelschicksals ist, sondern ein aus den Geschicken vieler Figuren gekn\u00c3\u00bcpftes gesellschaftliches Drama. Der schwarze Mann ist, zum Namen passend, das Monster im Hintergrund: ein bizarrer maskierter M\u00c3\u00b6rder, dessen reine Existenz das Handeln von Politikern, Schriftstellern, Journalisten, Adligen und B\u00c3\u00bcrgern antreibt. Er ist nicht die Hauptrolle, er ist Katalysator f\u00c3\u00bcr das Tun der anderen.<\/p>\n<p><!--more-->Die von Maurel und Hamo entworfene Handlung, in der sich diese Figuren bewegen, folgt dabei dem Gesetz des Zeitungsromans, mit immer neuen Volten den Leser zu \u00c3\u00bcberraschen. Dabei stapeln sie nicht einfach nur neue Wendungen \u00c3\u00bcbereinander. Sondern folgen ganz offensichtlich einem erz\u00c3\u00a4hlerischen Plan, der so weitgespannt, eng gekn\u00c3\u00bcpft und letztlich in sich schl\u00c3\u00bcssig ist, dass schon das Zusehen dabei, wie sich alles f\u00c3\u00bcgt, eine Freude ist.<\/p>\n<p>Dar\u00c3\u00bcber hinaus vermeiden sie jede Zeigefingerhaftigkeit. Wie ihre gro\u00c3\u0178en Vorbilder erz\u00c3\u00a4hlen Maurel und Hamo mit beinahe unterk\u00c3\u00bchlter Nonchalance von dem Netzwerk, in dem sich die Figuren verstricken, von dem gro\u00c3\u0178en Masterplan des Schwarzen Mannes, der im Grunde so leicht durchf\u00c3\u00bchrbar ist, weil jeder brav in seiner sozialen Rolle bleibt. <\/p>\n<p>Innerhalb Ehapas All-One-Reihe, in der \u00e2\u20ac\u017eDer Schwarze Mann\u00e2\u20ac\u0153 erscheint, ist es nicht die erste Hommage dieser Art. Mit <a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=393\">\u00e2\u20ac\u017eTanatos\u00e2\u20ac\u0153<\/a> in der selben Reihe hatten sich Convard und Delitte dem Fantomas-Mythos angenommen \u00e2\u20ac\u201c mit desastr\u00c3\u00b6s trivialem Ergebnis. \u00e2\u20ac\u017eDer Schwarze Mann\u00e2\u20ac\u0153 wirkt in seiner n\u00c3\u00bcchternen, wenig romantisierenden oder trivialisierenden Klarheit wie die Antithese dazu. <\/p>\n<p><em>Antoine Maurel &#038; Hamo: Der Schwarze Mann<br \/>\nEhapa Comic Collection, 144 S.; \u00e2\u201a\u00ac 34,95<\/em><\/p>\n<p><strong>Verwandte Geschichten:<\/strong><\/p>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=393\">Tanatos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=458\">Vampire<\/a><\/li>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/8fced7d188754fe7a3f0c6b34711997f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=604\" title=\" Der Schwarze Mann\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:Alben,all-in-one,frankobelgisch,hamo,maurel,blog;button:compact;\">\u00e2\u20ac\u017eAuf dem Vorhang sah ich einen Schatten vor\u00c3\u00bcbergehen. 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