{"id":788,"date":"2011-07-04T11:50:19","date_gmt":"2011-07-04T10:50:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pannor.de\/?p=788"},"modified":"2011-07-04T11:50:19","modified_gmt":"2011-07-04T10:50:19","slug":"aktuelle-comicrezension-175-piratencomics-doch-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pannor.de\/?p=788","title":{"rendered":"Aktuelle Comicrezension (175): Piratencomics&#8230; doch, wirklich."},"content":{"rendered":"\n<div class=\"twitterbutton\" style=\"display: block; text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-count=\"horizontal\" data-text=\"Aktuelle Comicrezension (175): Piratencomics&#8230; doch, wirklich.\" data-via=\"\" data-url=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=788\" data-lang=\"en\" data-related=\"DolcePixel:We make beautiful and sweet WordPress Themes\"><\/a><\/div><p><strong>Nach der Renaissance von Westernhelden wie \u00e2\u20ac\u017eBlueberry\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eComanche\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eJerry Spring\u00e2\u20ac\u0153 auf dem Comicmarkt kommen nun fast zwangsl\u00c3\u00a4ufig die Piraten. Wie unterschiedlich dabei die Interpretation des anderen klassischen Abenteuergenres ausfallen kann, zeigen zwei neue Comics: &#8222;An Bord der Morgenstern&#8220; von Riff Reb&#8217;s und &#8222;Gef\u00c3\u00a4hrten des Gl\u00c3\u00bccks&#8220; von Franz. Beides mehr als simple Bubentr\u00c3\u00a4ume.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/gefaehrtendesgluecks.jpg\" alt=\"\" \/><!--more-->\u00e2\u20ac\u017eGef\u00c3\u00a4hrten des Gl\u00c3\u00bccks\u00e2\u20ac\u0153 ist nicht im eigentlichen Sinne neu, sondern entstand schon vor \u00c3\u00bcber zehn Jahren. Franz (eigentlich Franz Drappier) ist hierzulande bekannter durch seine Serie \u00e2\u20ac\u017eLester Cockney\u00e2\u20ac\u0153. \u00e2\u20ac\u017eGef\u00c3\u00a4hrten des Gl\u00c3\u00bccks\u00e2\u20ac\u0153 war seine letzte Comicproduktion vor seinem Tod 2003, und ist unvollendet geblieben.<\/p>\n<p>Erz\u00c3\u00a4hlt wird die Geschichte einer Handvoll Gl\u00c3\u00bccksritter, die einem Schatz auf die Spur kommen. Das klingt zun\u00c3\u00a4chst konventionell. Ist es aber nicht. <\/p>\n<p>Vieles, was Franz erz\u00c3\u00a4hlt bzw. wie er es erz\u00c3\u00a4hlt, kommt aus modernen Produktionen wie \u00e2\u20ac\u017eFluch der Karibik\u00e2\u20ac\u0153 bekannt vor: die Ambivalenz der Figuren, die selten eindeutig b\u00c3\u00b6se oder gut ist, das rotierende Handlungspersonal, die Tatsache, dass es nicht eindeutig m\u00c3\u00b6glich ist, bestimmte Figuren klaren Handlungsgruppen zuzuweisen.<\/p>\n<p>Immer wieder werden neue Zweckb\u00c3\u00bcndnisse geschlossen, verschieben sich die Fronten zwischen Pro- und Antagonisten bei der Schatzjagd, die durch die ganze S\u00c3\u00bcdsee f\u00c3\u00bchrt. Dazu kommt der selbstironische Stil der Erz\u00c3\u00a4hlung. Das etwa die weiblichen Hauptfiguren fast die gesamte Zeit nackt herumlaufen (weil ihnen jeder dahergelaufene Freibeuter die Kleider vom Leib fetzt), wird gerade von diesen immer wieder angesprochen.<\/p>\n<p>Dabei hat der Band trotz aller modernen Selbstironie und Rasanz ein unverkennbar klassisches Antlitz, beruhend auf der Tatsache, dass Franz der klassischen franz\u00c3\u00b6sischen Abenteuerschule entstammt. Infolgedessen ist \u00e2\u20ac\u017eGef\u00c3\u00a4hrten des Gl\u00c3\u00bccks\u00e2\u20ac\u0153 ein interessanter, unterhaltsamer Bastard zwischen klassischen und modernen Piratencomics, mit romantischem Flair und selbstironischer Brechung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/i\/morgenstern.jpg\" alt=\"\" \/>Eindeutig modern ist dagegen \u00e2\u20ac\u017eAn Bord der Morgenstern\u00e2\u20ac\u0153 von Riff Reb&#8217;s (eigentlich Dominique Duprez). Dabei basiert der Comic auf einer viel \u00c3\u00a4lteren Vorlage, einem Roman von Pierre Mac Orlan aus den Zwanzigerjahren. Reb&#8217;s \u00c3\u00a4ndert wenig an der Vorlage. Sein moderner, an K\u00c3\u00bcnstlern wie Christophe Blaine geschulter Stil, die eigenwillige Kapiteleinteilung, der nur bedingt vorhandene rote Faden und schlie\u00c3\u0178lich die Radikalit\u00c3\u00a4t der Darstellung allerdings machen ihn zu einem eindeutig modernen Comic.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eAn Bord der Morgenstern\u00e2\u20ac\u0153 schildert, mehr oder weniger, die Kaperfahrten des gleichnamigen Schiffes aus Sicht des Schiffsjungen. Von Romantik ist wenig zu sp\u00c3\u00bcren, zwischen Vergewaltigungen, Totschlag, Pest und Skorbut, Armut und Hurerei. <\/p>\n<p>Obwohl Reb&#8217;s Zeichnungen ins karikaturistische neigen, ist die Darstellung des Freibeuterlebens ann\u00c3\u00a4hernd dokumentarisch zu nennen: ohne Umschweife wird klar gemacht, dass es mit Romantik nicht weit her war, mit R\u00c3\u00bccksicht auch nicht, und das Leben als Pirat nicht lang dauerte. (Passenderweise ist das letzte Bild ein Galgen.)<\/p>\n<p>Unterm Strich stellen beide B\u00c3\u00a4nde interessante Erg\u00c3\u00a4nzungen zum Kanon des Piratencomics dar, den sie mit neuen Perspektiven bereichern.<\/p>\n<p><strong>An Bord der Morgenstern: 120 S.; \u00e2\u201a\u00ac 18,90<br \/>\nGef\u00c3\u00a4hrten des Gl\u00c3\u00bccks: 96 S.; \u00e2\u201a\u00ac<\/strong><\/p>\n<p>Comicrezension f\u00c3\u00bcr die Leipziger Comic Combo, erstellt Anfang 2011.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/7984846b68d6470d932d747d3a09aa7e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"https:\/\/www.pannor.de\/?p=788\" title=\" Aktuelle Comicrezension (175): Piratencomics&#8230; doch, wirklich.\" rev=\"flattr;uid:LNMUHR;language:de_DE;category:text;tags:blog;button:compact;\">Nach der Renaissance von Westernhelden wie \u00e2\u20ac\u017eBlueberry\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eComanche\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eJerry Spring\u00e2\u20ac\u0153 auf dem Comicmarkt kommen nun fast zwangsl\u00c3\u00a4ufig die Piraten. 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