Noch ein Gaiman-Band von Panini, diesmal ein echter. Soll heissen: anders als bei Coraline hat Gaiman das Skript zu Black Orchid direkt für den Comic verfasst.

Ich finde es weiterhin faszinierend, wie clever Vertigo Kapital aus dem Erfolg des Autors und seinen Wurzeln im Comicgeschäft schlägt, indem der Verlag (und nicht nur dieser) jedes, aber auch wirklich jedes Werk von Gaiman zu einem Comic verarbeitet. Sehr wahrscheinlich wird die Zahl dieser nachrangigen Adaptionen bald die Zahl von Gaimans direkt als Comics verfassten Geschichten übersteigen.

Bei der Comic Combo läßt sich der Text hier finden.

Neil Gaiman/ Dave McKean
Black Orchid

Den heute vor allem als Verfasser fantastischer Romane bekannten Neil Gaiman verbindet der heutige Leser kaum mit Superhelden. Dabei hat der britische Autor seine Karriere in genau diesem Genre begonnen. Er verfasste Fingerübungen zu Superhelden wie Green Lantern, Batman oder Swamp Thing (das damals noch als Superheld galt) und übernahm von seinem Kollegen Alan Moore die „Miracleman“-Serie.

Auch „Black Orchid“ ist eine Superhelden-Geschichte. 1988 erstmals bei DC Comics erschienen, wird sie heute in der Regel deren Sublabel für alternative Comics, Vertigo, zugeschlagen. Nicht zuletzt, weil dort auch die meisten anderen Comics von Gaiman vorliegen. 1988 freilich gab es Vertigo noch nicht.

In der ursprünglich dreiteiligen Episode (heute würde man Graphic Novel dazu sagen) greift Gaiman eine bereits damals reichlich obskure Figur auf. Die Superdetektivin Black Orchid, die in einem lila Kostüm (!) Verbrecher bekämpft, war eine Mischung aus Superman und Batman und lebte ihr Comicdasein vor allem in unbedeutenden Nebenpublikationen.

Wohl auch deshalb durfte der junge Gaiman mit ihr spielen. Für sein Geschichte brachte er die Figur als Erstes um. Und schickte danach seine auferstandene Heldin los, sich selbst und ihre Vergangenheit zu suchen, die sie – natürlich, wem würde das nicht so gehen – durch den Tod vergessen hatte.

Aus heutiger Sicht ist dieser Plottwist kaum noch aufregend. Superhelden sterben in schöner Regelmäßigkeit und kommen ebenso regelmäßig wieder. Auch der Versuch, die Entstehung der Superheldin mit einem damals gängigen Öko-Thema zu verbinden, wirkt mittlerweile eher veraltet. Die Black Orchid ist bei Gaiman das Ergebnis von Kreuzungsversuchen zwischen Pflanze und Mensch, gezüchtet aus der Angst, daß der Menschheit in fünfzig Jahren der Sauerstoff ausgeht.

Doch selbst aus dem Blickwinkel der achtziger Jahre, als das vielleicht noch modern war, weist die Geschichte klare Schwächen auf. Ähnlich den einige Jahre später entstandenen „Books of Magic“ ist der Comic kaum mehr als eine Nummernrevue für alle möglichen DC-Figuren. Batman, Lex Luthor, Swamp Thing, der Joker und viele mehr haben einen Auftritt. Durch die Menge an einmal-und-nie-wieder-Charakteren zerfällt die Geschichte in viele kleine Anekdoten und blendet nach 150 Seiten sogar einfach aus.

Was von diesem Comic bleibt, sind also vor allem die aufsehenerregenden Bilder von Dave McKean, die hier noch nicht ganz so kollagenhaft sind wie in späteren Werken. McKean schwelgt, dem Titel der Erzählung angemessen, vor allem in Farben, in lila und Grün für die Heldin, in verblüffend nuanciertem schwarz-blau für die diversen Schurken und schließlich in einem höllischen Rotgold, das zu Beginn der Geschichte sowohl für Tod und Verderben wie für Auferstehung steht.

Aus heutiger Sicht hat „Black Orchid“ dennoch vor allem historische Bedeutung. Mit dieser Erzählung öffnete sich Gaiman und McKean die Tür, um bei DC einen der größten Comics überhaupt anzuschieben, die knapp ein Jahr später startende „Sandman“-Serie. (stefan pannor)

Panini Comics/ Vertigo, 160 S.; € 16,95

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