Bastian Vivés ist, nicht zu Unrecht, ein Liebling des Feuilletons. Mit großen Würfen, mal einfühlsamen, mal bizarren Geschichten, faszinierender Farbgebung hat er sich innerhalb weniger Jahre einen Namen als Comicerzähler von ganz eigener Art gemacht. Sein Minibändchen „Die Liebe“ ist wie ein kleines Häppchen zwischendurch – und das bei diesem großen Thema.
Erschienen auf Deutsch kurz vorm Valentinstag. Ein Schelm, wer Merchandise dabei denkt. Wir müssen das Spiel ja nicht mitmachen, über interessante Comics kann man auch später noch reden.
Interessant ist „Die Liebe“ allemal. Es sind zwei Handvoll Kurzgeschichten, entstanden fraglos neben der eigentlichen Arbeit an den Comicgroßerzählungen her, die Vivés sonst so macht. Sie sind abgründig, sie sind bitter, sie sind bizarr.
Fast alle handeln von Paaren, die miteinander reden, fast immer geraten die Gespräche auf epochal falsche Gleise. Ein Gespräch über sexuelle Vorlieben wird zum sadistisch-antisemitischen Outing. Alpträume wachsen sich zu hyperparanoiden Verschwörungstheorien aus. Und, ach ja: weinen eigentlich Männer?
Wer das Buch dann wirklich als Merchandise kauft, um es am Valentinstag zu verschenken, steht vermutlich kurz danach vor einer kaputten Beziehung. „Die Liebe“ ist alles, nur kein Wohlfühlbuch, kein Geschenkbuch. Hier keine Romantik.
Vivés unterläuft jede Vorstellung, die man klischeehaft von einem Buch mit diesem Titel haben könnte. Leider ergibt wildes Gegendenstrichbürsten noch keine erfüllende Lektüre. Die Geschichten sind oft kalt und zynisch, genauso oft aber skizzenhaft, nicht nur der Grafik nach wie hingeworfen. Die diversen Paare und Nicht-Paare rasseln vorbei als Aufhänger zu Dialogideen, die kurz, bitter, böse, aber verblüffend schmerzlos durchgeführt werden.
Viele Ideen in dem Buch wären es wert gewesen, genauer ausgeführt zu werden. So, immer ein wenig unfertig, ist „Die Liebe“ ist ein schnelles Buch, das am Ende leider zu wenig hängen bleiben läßt. Für die Chuzpe, diesen Band in den Markt der Klischeebücher zu drücken, kann man den Verlag bewundern, für die Klarheit, Liebe nicht nur als romantisches Konstrukt zu begreifen, Vivés wundern. Aber dennoch, etwas fehlt.
Bastian Vivés: Die Liebe
Reprodukt, 192 S.; €12,00
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