Der Titel führt in die Irre. „Eine nautische Fabel“ ist weder Hochseegeschichte noch Fabel, sondern führt uns in die menschlichen Abgründe im flachen Wasser eines Schwimmbads.
Kinderträume: im Kaufhaus eingesperrt sein, im Süßwarenladen, im… Schwimmbad? Nun, warum nicht. Unbelästigt von Badewärtern und anderen Gästen, kann das Spaß machen.
Das ist, grob, der Plot von „Eine nautische Fabel“, nur versehen mit einem Twist: die Gäste im Schwimmbad sind für immer dort eingesperrt. Weil draußen irgendwas die Welt verändert hat. Jedenfalls möchte sie keiner mehr rauslassen in die neuen Gegebenheiten.
Weshalb sie ihre Tage so gut es geht in der gewaltigen Spaßlandschaft totschlagen. Es ist ein Soziogramm der Nichtstuer, die im flachen und im tiefen Wasser abhängen, treiben, tauchen, planschen; die seltsame Verfolgungsjagden und irre, manchmal auch amouröse, letztlich aber sinnlose Spiele spielen.
Wasser ist lebensnotwendig, aber sein Entertainmentfaktor erschöpft sich eben irgendwann. Das müssen die Figuren dieser eher doch Novelle als Novel lernen.
Die ist kurzweilig, weil sie kurz ist. So repetitiv das Verhalten der Badbewohner ist, so ermüdend wiederholend ist auch mancher Erzählstrang. Die folgerichtige Eskalation des Geschehens ist Erlösung für die Figuren wie für den Leser, die beide vom ewigen Spaß befreit und sie in eine neue, abgründige Welt führt: das Draußen.
„Eine nautische Fabel“ ist eine sehens- und betrachtenswerte Fingerübung, die vor allem aufgrund ihrer angenehmen Kürze unterhaltsam bleibt und an der Belanglosigkeit vorbeischrammt: mehr Seiten, und die Geschichte hätte Wasser getreten.
Marine Blandin: Eine nautische Fabel
Carlsen Comics, 144 S.; €17,90
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