Wo war ich stehengeblieben?

Die letzten 14 Tage ist hier schlichtweg gar nichts passiert, was nur manchmal an Faulheit lag, öfter aber an einer mal wieder dichtgedrängten Auftragslage – halbwegs angenehm, obwohl es mir natürlich lieber wäre, mein Geld für Nichtstun zu bekommen. 😉 Ich muss mal irgendwann eine Vorschau der Dinge machen, die da noch kommen.

Aktuell aber erstmal die Aufholjagd der verfassten Comicrezensionen der letzten Wochen und einiges mehr. Sauber über die nächsten Tage verteilt, regelmässiges Erscheinen lohnt also. 😉

Dangen wir an mit der 50. Comicrezension für die Leipziger Comic Combo und satt.org. 49 Wochen in Folge ohne Pause oder Ausfall eine Comicrezension ist sicher keine hohe Kunst, aber ein kleiner Anlass zu Stolz und Freude. Weiter unten der komplette Text, alternativ gibt es die Rezension wie immer auch hier und

Reinhard Kleist
The Secrets of Coney Island

The Secrets Of Coney IslandSchon die dritte Comicveröffentlichung dieses Künstlers innerhalb eines Jahres nach „Cash – I See A darkness“ und dem jüngst erschienen „Elvis“-Comic. Das läßt Ermüdungs­erscheinun­gen befürchten, zumal bereits der Elvis-Band gewisse strukturelle und inhaltliche Schwächen zeigte.

Hier zumindest kann das Vorwort des Buches beruhigen. „The Secrets of Coney Island“ besteht nur knapp zur Hälfte aus neuem Material. Insgesamt drei Geschichten enthält das Buch, die sich allesamt um den legendären Vergnügungspark vor New York drehen. Der Titel ist insoweit irreführend, als hier keine Geheimnisse erzählt werden, sondern eine Handvoll menschlicher Geschicke, die in den drei komplett verschiedenen Erzählsträngen lose miteinander verknüpft werden.

Kernstück ist dabei „Coopers Show“, die erste, längste und einzig neue Episode des Buches. Kleist zeigt sich hierbei grafisch auf der Höhe des Können, sein immer reduzierter werden Strich und die geschickte Verwendung von Licht und Schatten lassen die Geschichte großartig aussehen. Inhaltlich weist sie leider die Schwächen vieler Geschichten auf, die von Kleist nicht nur gezeichnet, sondern auch geschrieben wurden. Etwas steife Dialoge und handlungsablenkende Elemente verwässern die Kurznovelle um das Findelkind Cooper und sein Leben in der bizarren Gemeinschaft der Schausteller von Coney Island.

„Coney Island Angel“ erzählt eine kurze fiktive Nebenepisode zu den Dreharbeiten von Alan Parkers Film „Angel Heart“ um einen nächtlichen Streifzug Mickey Rourkes durch den Park. Die Geschichte erschien bereits 2002 im Eigenverlag und wirkt insgesamt eher skizzenhaft. „Thunderbolt“ schließlich greift die Gemeinschaft der Schausteller und ihr weiteres Geschick nach „Coopers Show“ auf. Die bereits sieben Jahre alte Geschichte wurde dafür von Kleist neu gezeichnet.

Wie Kleist selber im Vorwort des Bandes erzählt, gibt es tausende skurriler, komischer, tragischer Anekdoten und Episoden über Coney Island. „The Secrets“, Kleists eigenes Garn, kann damit nur sehr bedingt mithalten. Trotz extrem stimmungsvoller Grafik weiss der Band erzählerisch nur stellenweise zu überzeugen. Alle Episoden bleiben immer etwas oberflächlich, die Charaktere sind deutlich zu sehen, aber kaum zu begreifen. Könnte Kleist seine Geschichten ebenso prägnant konstruieren wie seine Bilder, der Band wäre perfekt. (stefan pannor)

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