Asja Wiegand
Gestern noch

nullTagebücher erklären nichts. Sie sind ausschließlich für den Tagebuchschreiber gedacht, und der weiß schließlich, was er meint. Das unterscheidet Tagebücher von handelsüblicher Belletristik, die auf den (fremden) Leser hin geschrieben wird.

Insofern sind viele der derzeit vor allem online erscheinenden Comic-Tagebücher unehrlich. Weil sie eben doch Dinge erklären, weil sie (ganz oder zum Teil) für den Leser entstehen.

Asja Wiegands Comictagebuch Gestern noch ist eine erfrischende Ausnahme, weil sie gar nicht erst versucht, eine Narration aufzubauen. Ihre Comics erklären nichts, jedenfalls nicht dem zufälligen Leser. Da ist ihr Freund, ihr Studium, die Wohnung, die Eltern – Momentaufnahmen aus dem Leben, dem Muster nach vertraut, dem Inhalt nach dennoch fremd.

Inhalte und Folgerungen ergeben sich erst aus dem kontinuierlichen Verfolgen dieses Life-in-progress, und oft nicht einmal dann. Immer wieder streut sie bizarre Einzelseiten ein, seltsam ratlos machend und doch von überzeugender emotionaler Ausdruckskraft.

Ungehindert von den Zwängen konventioneller Narration entwickelt Asja Wiegand hier in der Tat ein ehrliches, nicht auf Leser oder zwingend auf Pointe getrimmtes Comictagebuch, dessen einziger Makel die Tatsache ist, dass in den letzten Wochen die Publikation fast völlig zum Erliegen gekommen ist.

Einen größeren Haufen Strips gab es auch zum Comicsalon Erlangen als drei selbstkopierte Heftchen, zusammen fast 100 Strips, für sechs Euro. Die Hefte sind dem vernehmen nach fast völlig vergriffen, aber wenn es noch welche gibt, dann hier. (Stefan Pannor)

(c) Asja Wiegand

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