Schaue Indies – die Indie-Schau (1): Timo Decker – ‚Red Button Boy‘
Posted by: Stefan, in GelesenesTimo Decker
Red Button Boy
Einfachheit ist die Mutter des Geheimrezeptes. Schon George Herriman hat für seinen epochalen Strip Krazy Kat ein simples Erfolgsrezept immer wiederholt: eine Katze, eine Maus, ein Ziegel. Der Rest war Variation.
Die Grundprämisse von Red Button Boy erinnert verblüffend daran: ein Junge, ein roter Knopf und ein Telefon. Der Rest ist, Sie ahnen es, Variation.
Der Anrufer versucht den Jungen davon abzuhalten, den roten Knopf zu drücken, der sich ausgerechnet auf der Brust des Jungen befindet. Der Junge versucht den Anrufer möglichst kreativ zu ignorieren. Die Folge: bizarre Wortgefechte und Momente nicht minder bizarrer inniger Zuneigung zwischen dem unsichtbaren Anrufer und dem namenlosen Knaben mit dem Knopf.
Deckers Setting hat viel vom Trickfilm, erinnert insbesondere an Pocoyo. Decker aber erspart dem Leser die klebrige Süße der KiKa-Serie. Vielmehr ist in der rasanten Gestaltung, dem Wortwitz, der herben Niedlichkeit der Figur und ihrem Widerwillen gegen alle Autorität ein Hauch Bill Watterson zu spüren, ein Fitzelchen Calvin & Hobbes.
Überhaupt hat das Büchlein viel vom Comicstrip, steigert sich aus zu Beginn winzigen Episoden in ein gradezu epochal komisches Groß-Drama eines kleinen Jungen, an dessen Höhepunkt nicht nur ein Bollerwagen zugrunde geht, sondern auch eine nahezu einmalige Sequenz der Selbstqual steht, wenn der Bube mit sich ringt, den Knopf vielleicht doch zu drücken. Vom Cliffhanger ganz zu schweigen, den man gelesen haben muss, um ihn zu glauben.
Red Button Boy ist im Eigenverlag des Künstlers erschienen, und das macht es schwierig, einen Kaufhinweis auszusprechen. Weder weiss ich den genauen Preis – ich habe 3,50 EUR dafür bezahlt, aber das kommt mir für die aufwendige Gestaltung und Produktion des Buches zu wenig vor – noch kann ich auf eine funktionierende Website verweisen. Die Website zum Comic ist eher dysfunktional und nichtssagend. Immerhin ist Timo Decker über seine Website zu erreichen, da wird man wohl fragen müssen. (Stefan Pannor)
48 S.; vollfarbig.

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