Da war doch noch was. Mindestens vierundzwanzig Texte, die schon längst in diesem Blog stehen sollten, aus diesem oder jenem Grund aber nicht hier landeten. Als kleiner Weihnachtskalender finden sie jetzt Verwendung. Heute: Grusel-Kurzgeschichten von Vertigo.

Jeder Verleger und Buchhändler weiß: Kurzgeschichten sind schwer verkäuflich. Der Kunde möchte lange Erzählungen, egal in welchem Medium. Insofern ist der Mut von Vertigo, mit „House of Mystery“ ausgerechnet eine Kurzgeschichten-Reihe zu publizieren, grade in schwierigen Zeiten wie diesen, bewundernswert.

Es ist kein Titel, der aus dem Nichts kommt. Die klassische „House of Mystery“-Reihe, publiziert von DC Comics in den sechziger Jahren, war bekannt für eher atmosphärischen Grusel.

Zusammengehalten wurden die Kurzgeschichten durch den „Gastgeber“ Kain, der in seinem Haus die Episoden an-und abmoderierte – eine damals durchaus übliche Vorgehensweise bei Anthologietiteln.

Auf diese Art der Moderation verzichtet die neue Serie glücklicherweise. Stattdessen entwickelt Matthew Sturges eine völlig neue Rahmenhandlung um die junge Frau Fig, die aus mysteriösen Gründen im titelgebenden Haus landet.

Das liegt irgendwo im Nirgendwo, ist eine durchaus gemütliche Bar, und jeder kann durch diverse Dimensionsportale rein oder raus – nur Fig und einige weitere Menschen nicht, die vom Haus zwangsverpflichtet werden, den Barbetrieb zu führen.

Rund um die Geschichten, die die wechselnden Barbesucher sich erzählen, entwickelt Sturges einen tragenden Plot, der sich um die Frage dreht, weshalb einige Menschen im Haus gefangen werden und andere nicht. Leider verliert er sich dabei nach einem hervorragenden ersten Band zusehends in Details und streckt das Mysterium durch unnötige Handlungsabschweifungen.

Gar nicht gestreckt sind dagegen die Kurzgeschichten der Bücher. Mit Bill Willingham („Fables“), Kyle Baker („Why I hate Saturn“), Jill Thmpson („Sandman“) oder Bernie Wrightson („Creepshow“) sind Meister des romantischen, gelegentlich absurden Grusels vertreten.

Wie in der originalen Serie leben die kurzen, in der Regel acht Seiten langen Erzählungen nicht von Blut oder einer bösen Pointe, sondern von der Atmosphäre des poetischen Entsetzens, die sie verbreiten.

In den USA hat sich dieses Experiment dann auch ausgezahlt.Mit 42 Ausgaben und zwei Sonderheften ist „House of Mystery“ der umfangreichste Anthologietitel der vergangenen zwei Jahrzehnte, wenn nicht noch länger, des Verlages (wenn auch weit entfernt von den weit über hundert Heften der Originalserie). Aufgrund seiner Vielfalt und des kreativen Ansatzes unbedingt empfehlenswert.

Panini/ Vertigo, je ca. 148 S.; je 16,95

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