Archive for Juli 19th, 2010

Sein Leben war nichts besonderes, aber er machte 2.000 Seiten Comics daraus. Mit unerschütterlicher Wut berichtete Harvey Pekar von seinem Leben in der amerikanischen Unterschicht und bereicherte den Comic damit um ein völlig neues Genre.

Zu Harvey Pekars Tod
Das Leben, ein Comic

von Stefan Pannor

Vielleicht war es die beste Idee, die dem Comic diesseits des Zweiten Weltkriegs passieren konnte: die Vorstellung, aus dem eigenen Leben eine Geschichte zu machen. Selbst wenn es, wie bei Harvey Pekar, das Leben eines einfachen Angestellter mit mäßiger Bildung und ohne außergewöhnlichen Lebenslauf war.

Harvey Pekar - American SplendorDas Genre des autobiographischen Comics, wie Pekar es erfand, bereicherte das Medium um eine weitere Komponente und gab ihm zwischen eskapistischen Machtfantasien, harmlosen Gags und barocken Kunsterzählungen die dringend benötigte Erdung zurück.

„American Splendor“ nannte Pekar seine Comicserie, Amerikas Herrlichkeit. Sarkasmus pur. „Von den Straßen Clevelands“ war der Slogan, der auf jedem seiner Hefte prangte, und das hiess in dem Fall, aus der sozialen Notstandszone, aber auch aus der scheinbaren Belanglosigkeit der amerikanischen Unterschicht.

Robert Crumbs Kumpel

Pekar war kein Comicfan. Er war ein Liebhaber von Jazz und Malerei, manischer Schallplatten- und Büchersammler. Sein Studium hatte der 1939 geborene nach nur einem Jahr geschmissen. Mit Ausnahme seiner Zeit in der Armee hatte er sein ganzes Leben in Cleveland verbracht, ab den Sechzigerjahren als Angestellter eines Krankenhauses. Krankenakten sortieren war sein Job.

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