Deutsche Welle: ‚Goethe goes Comic‘ – Zu „Faust“ von Flix
Posted by: Stefan, in JournalistischesEntstanden während der Leipziger Buchmesse für die Deutsche Welle. Dafür ist es doch ganz ordentlich. Hier das Originalmanuskript. Bei der Deutschen Welle ist der Text hier zu finden.
„Faust“-Comic
von Stefan Pannor
Goethe goes Comic: der Berliner Comicautor Flix hat den ersten Teil des „Faust“ zu einer Gegenwartsgeschichte umgearbeitet. Premiere hatte das witzgewaltige Buch auf der Leipziger Buchmesse – der Zeichner las aus seinen Bildern vor.
Mephisto trägt Prada. Nun, beinah: Jeans und Hemd immerhin, den Teufelsfuß in Turnschuhen verborgen. Nur die Hörner sind noch gut zu sehen. „Ich bin die Lösung all Ihrer Probleme“, stellt er sich dem verdatterten Faust vor, gescheiterter Akademiker, Single und arbeitsloser Taxifahrer. Wir schreiben das Jahr 2009, der Ort ist Berlin, in dieser aktualisierten Fassung von Goethes „Faust“-Stoff.
Margarete arbeitet im Bioladen
Premiere hat dieses Buch, das so kreischend gelb gestaltet ist wie die berühmten Reclam-Leseheftchen, aber keine echte Zeile Klassiker enthält, ausgerechnet in Leipzig, dem Ort von Auerbachs Keller, in dem Faust und Mephisto bei Goethe dereinst so markant abstürzten.
Mehrmals während der Leipziger Buchmesse liest Flix alias Felix Görmann, aus seinem „Faust“ vor. Der, das muß man erwähnen, kein Roman, sondern ein Comic ist. Gott hat der Berliner Comiczeichner, Jahrgang 1976, in dieser Geschichte mit Schnauzbart und Pferdeschwanz gezeichnet („Wie mein alter Chemielehrer“, erinnert sich Flix), und die berühmte Wette mit dem Teufel geht der Allmächtige nur ein, weil sein Weltenschöpfungsprogramm gerade abgestürzt ist – auf dem Notebook. Es ist eine Komödie, keine Tragödie, in der Gretchen mit einem hinreißenden Lächeln und einer Knubbelnase in einem Kreuzberger Bioladen Lebensmittel mit gefälschten Biosiegeln verkauft.
Flix liest Stille vorComics in Lesungen vorzustellen, ist selten. Das liegt in der Natur der Sache: (mehr …)
Premiere hat dieses Buch, das so kreischend gelb gestaltet ist wie die berühmten Reclam-Leseheftchen, aber keine echte Zeile Klassiker enthält, ausgerechnet in Leipzig, dem Ort von Auerbachs Keller, in dem Faust und Mephisto bei Goethe dereinst so markant abstürzten.


China zählt zu den aus hiesiger Perspektive weißen Flecken der Comiclandschaft. Erst seit dem Erlanger Comicsalon 2008 gibt es überhaupt zaghafte Versuche, chinesische Comics nach Deutschland zu importieren. Insbesondere Tokyopo erweist sich hier mit diversen Publikationen als rührig.
Die Crux des eigenen Lebens: es hält sich an keine Dramaturgie. Wer seine Autobiografie verfasst, steht oft vor dem Problem, sie in eine Form zu bringen, die das eigene Leben nicht verzerrt, gleichzeitig einen lesbaren, von straff gespannten erzählerischen Bögen getragenen Text mit Spannungshöhepunkten darstellt.
Böse gesagt: es geht um den Abschied von Knollennasen. Die ihre hat sich die Titelfigur dieses Comics wegoperieren lassen, und seitdem ist sie nach ihrer Rückkehr aufs Land die herausragende Beauty-Queen zwischen all den Landpomeranzen. Tamara Drewe, die junge Kolumnistin, setzt mit ihrer neu gewonnenen Schönheit, mehr noch aber mit ihrer Naivität einen Reigen aus Sehnsucht, Verzweiflung, Ehebruch und schließlich Tod in Gang.
Manga in Deutschland wird erwachsen. Mit angenehmer Regelmäßigkeit häuft sich die Veröffentlichungen von Stoffen, die ein Mindestmaß an Anspruch auch für Leser über 20 haben, verbunden mit der gleichzeitigen Präsentation in Formaten, für die man sich, wenn man sie öffentlich liest – nun ja, manchmal zumindest weniger schämen muß.
Es hat ihm wohl keine Ruhe gelassen. Ende der siebziger Jahre schrieb und zeichnete der Franzose Francois Bourgeon die Albenreihe „Reisende im Wind“ über die Zeit der letzten großen Sklaventransporte in die USA Ende des 18. Jahrhunderts. Mit der darin vorexerzierten historischen wie grafischen Genauigkeit und Detailfreude etablierte er sich als eines der herausragenden Talente des europäischen Comic. Gleichzeitig ließen sich die fünf Teile als eine durchgängige Erzählung lesen statt als Abfolge einzelner Abenteuer. Beeinflußt fraglos vom großen Hugo Pratt, experimentierte Bourgeon mit dem Umfang der Comicerzählung, die zu jener Zeit in Frankreich ebenso wie in den USA in ein einengendes Seitenkorsett gesperrt war, und wies dem europäischen Comic damit auch formal neue Wege.
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